Aktionstag
Suchtberatung als kommunale Pflichtaufgabe verankern und absichern
Etwa eine halbe Million Menschen werden jährlich in den deutschlandweit 1.300 Suchtberatungsstellen beraten, begleitet, behandelt und in weiterführende Angebote der Suchthilfe vermittelt. Zum Aktionstag Suchtberatung „Kommunal wertvoll“ am 4. November plädierten die Diakonie Deutschland und der Gesamtverband für Suchthilfe e.V. (GVS) mit Nachdruck dafür, Suchtberatung als kommunale Pflichtaufgabe zu verankern und sie endlich finanziell zu sichern.
05.11.2020
Etwa eine halbe Million abhängigkeitskranke Menschen werden jährlich in deutschlandweit 1.300 Suchtberatungsstellen – davon rund 380 der Diakonie – beraten, begleitet, behandelt und in weiterführende Angebote der Suchthilfe vermittelt. Von einer stabilen und auskömmlichen Finanzierung ist die Suchtberatung jedoch weit entfernt. Die Corona-Pandemie hat die Situation noch verschlimmert.
Das Problem liegt im System
„Die finanzielle Situation vieler Suchtberatungsstellen wird immer prekärer. Das ist seit Jahren bekannt und wird seit Jahren politisch ignoriert. Menschen, die abhängigkeitskrank sind und Beratung brauchen, müssen sich darauf verlassen können, diese Hilfe auch zu bekommen. Und das überall in Deutschland“, sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland.
Das Problem liegt im System: Suchtberatung wird als freiwillige Leistung der kommunalen Daseinsvorsorge finanziert. Grundlage der Förderung sind politische Entscheidungen und häufig nicht der tatsächlich festgestellte Bedarf. Insbesondere in finanzschwachen Regionen wird bei den freiwilligen Leistungen der kommunalen Daseinsvorsorge zuerst gespart.
Suchtberatung muss finanziell gesichert werden
„Gerade den Beratungsstellen kommt eine ganz zentrale Rolle in der Suchthilfe zu“, sagt Klaus Polack, Vorsitzender Vorstand des GVS. „Sie bieten den Raum und die Zeit, um eine vertrauensvolle Beziehung zu entwickeln. Die Mitarbeitenden der Suchtberatung begleiten und stützen die suchtkranken Menschen in ihrem oftmals sehr langen Weg aus der Abhängigkeit heraus. Zudem vermitteln sie in weiterführende Hilfsangebote. Die Beratungsstellen übernehmen damit eine Schlüsselfunktion innerhalb der regionalen Hilfenetzwerke für suchtkranke Menschen.“
Die Suchtberatung muss nach Ansicht von Diakonie Deutschland und GVS daher dringend von der freiwilligen Leistung der kommunalen Daseinsvorsorge zur Pflichtaufgabe und finanziell gesichert werden. „Nur durch eine verlässlich finanzierte Suchtberatung können suchtkranke Menschen die Hilfe erhalten, die sie suchen und brauchen“, so Loheide und Polack. Eine gute und frühzeitige Suchtberatung trage zudem entscheidend dazu bei, die Chronifizierung und die Folgekosten von Abhängigkeitserkrankungen zu verringern.
Zum Hintergrund
Der Aktionstag Suchtberatung „Kommunal wertvoll“ am 4. November macht auf die Potentiale der Suchtberatung und die prekäre Finanzierung aufmerksam. Er wird von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen und ihren Mitgliedsverbänden organisiert und steht unter der Schirmherrschaft der Drogenbeauftragten der Bundesregierung. Der Aktionstag findet 2020 zum ersten Mal statt. Zahlreiche der rund 380 diakonischen Suchtberatungsstellen beteiligen sich mit großem Engagement vor Ort.
Quelle: Diakonie Deutschland, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V. und Gesamtverband für Suchthilfe e.V. vom 03.11.2020
Termine zum Thema
-
08.05.2026
Kinderschutz kompakt: Die digitale Fortbildungsreihe der Kinderschutz-Zentren
-
01.06.2026
Einführung in das Modell der Kollegialen Fallberatung
-
15.06.2026
Online-Vortrag: Eingliederungshilfe – Das persönliche Budget – Hemmschuh oder maßgeschneiderte Lösung
-
22.06.2026
Online-Vortrag: Der andere Blick – vom Umgang mit dem Umgang
-
23.06.2026
Eurodesk Förderworkshop in Hannover
Materialien zum Thema
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Frühintervention bei Cannabisauffälligkeiten Minderjähriger (nach § 7 KCanG)
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 4-2025
-
Broschüre
Wegweiser zur Finanzierung Internationaler Jugendarbeit in Sachsen
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Kinder aus suchtbelasteten Familien brauchen besondere Unterstützung - Dossier 1/2025
-
Podcast
Podcast Berufsjugendlich, Folge 52 - Kein Alkohol ist auch eine Lösung
Projekte zum Thema
-
AGJF Sachsen e.V.
Uferlos – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit (IJA) im Freistaat Sachsen
-
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
Fachstelle Rechtsextremismus und Familie
-
NACOA Deutschland e.V. und Drogenhilfe Köln gGmbH
Hilfen im Netz
-
Jugendnetzwerk Lambda e.V.
Queersupport
-
Institut für pädagogische Beratung und Evangelische Hochschule Berlin
Von Modellprojekten für Kinder und Jugendliche mit komplexem Hilfebedarf (sog. „Systemsprenger“) zur Implementierung bundesweiter effektiver Hilfsmaßnahmen
Institutionen zum Thema
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
vageMUTIG Ann-Christin Gericks
-
Sonstige
Theater-Ensemble Radiks e.V.
-
Außeruniversitäre Forschungs-/Serviceeinrichtung
ISA – Institut für soziale Arbeit e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Kindernothilfe e.V.