Kinder- und Jugendmedienschutz
Kinder haben ein Recht darauf, Online-Plattformen sicher zu nutzen
Eurochild begrüßt den IMCO-Bericht, in dem ein Verbot süchtig machender Funktionen digitaler Plattformen gefordert wird. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Schutz von Kindern in der Online-Umgebung und zur Wahrung ihrer Rechte im Internet.
29.11.2023
Soziale Medien werden im Leben von Kindern immer präsenter, und auch wenn dies einige positive Seiten haben kann, ist es wichtig, ihre negativen Folgen zu verstehen und zu untersuchen. Eine vom Europäischen Parlament veröffentlichte Studie hat nämlich gezeigt, dass die süchtig machenden und allgegenwärtigen Designmerkmale von Online-Plattformen schädliche Auswirkungen auf die Nutzenden haben können: Depressionen, Angst, Stress, geringes Selbstwertgefühl, Schlaf- und Aufmerksamkeitsprobleme. Kinder sind von diesen Merkmalen, die oft als "dunkle Muster" bezeichnet werden, besonders betroffen.
Bei dunklen Mustern handelt es sich um täuschende Tricks und Designs, die auf Online-Plattformen verwendet werden und darauf abzielen, das Verhalten ihrer Nutzer unbewusst zu manipulieren. Beispiele hierfür sind:
- Bewusst verwirrendes Design (um Kinder dazu zu bringen, Cookies und die unnötige Verarbeitung ihrer Daten zu akzeptieren);
- Verstecken von Kosten oder Anbieten eines scheinbar kostenlosen Dienstes, der dann hinter einer Paywall oder einem Abonnement versteckt wird;
- Das Abonnieren von Inhalten, Newslettern oder Benachrichtigungen ist sehr einfach, aber die Abmeldung ist sehr kompliziert;
- Verwendung von süchtig machenden Designs, die Schwachstellen der Nutzer ausnutzen, um die Interaktionen oder die Verweildauer der Kinder auf der Plattform zu maximieren, wie z. B. endloses Scrollen und Autoplay in sozialen Medien.
Internetsucht ist vergleichbar mit Sucht nach Glückspiel
Der IMCO-Ausschuss hat vor kurzem einen Initiativbericht angenommen, der darauf abzielt, diese Bedrohungen in der EU zu bekämpfen, und der hervorhebt, dass die mit der Internetnutzung zusammenhängende Sucht mit der von Alkohol oder Glücksspiel vergleichbar ist.
Als Eckpfeiler des Geschäftsplans von Social-Media-Plattformen haben die Designer die Aufgabe, ein Design zu entwerfen, das die Verweildauer und die Interaktionen der Nutzer maximiert. Das Übermaß an Benachrichtigungen und süchtig machenden Funktionen fordert von den Nutzern einen psychischen Tribut und hat katastrophale Auswirkungen, insbesondere auf Kinder.
Eurochild begrüßt den Ansatz dieses Berichts, der das Verbot von dunklen Mustern auf Online-Plattformen und die Förderung von Sicherheit durch Design fordert. Wenn beispielsweise einige allgegenwärtige Funktionen wie das Scrollen oder die Benachrichtigungen standardmäßig fakultativ sind oder Warnungen nach übermäßiger Nutzungsdauer eingefügt werden, trägt dies erheblich dazu bei, dass die Online-Erfahrungen für Kinder sicherer werden. Die Rechte und das Wohlergehen der Kinder müssen Vorrang vor den Unternehmenszielen haben.
Bericht ist kein rechtsverbindliches Instrument
Kinder haben das Recht, Online-Plattformen zu nutzen, ohne dass ihr Verhalten durch räuberische Maßnahmen manipuliert wird. Eurochild begrüßt die Rolle dieses Berichts, der andere Rechtsvorschriften zum Schutz der Kinder vor den schädlichen Auswirkungen des Internets ergänzt, weist jedoch darauf hin, dass es sich nicht um ein rechtsverbindliches Instrument handelt. Gemäß dem UNCRC und der Allgemeinen Bemerkung Nr. 25 sind die Staaten verpflichtet, Gesetze zu erlassen, damit Online-Plattformen sichere Erfahrungen für Kinder bieten.
Eurochild fordert die Europäische Kommission dringend auf, diesen Bericht in Gesetze umzuwandeln und darauf hinzuwirken, dass eine sicherere Online-Welt für Kinder geschaffen wird.
Quelle: Eurochild vom 15.11.2023
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