Digitale Medien

Nebolus stärkt junge Menschen spielerisch und digital in ihrer Gesundheitskompetenz

Wie können sich junge Menschen mittels digitaler Medien zu gesundheitsrelevanten Themen informieren und diese für sich nutzen? Das zeigt das Projekt „Nebolus“, das Jugendliche und junge Erwachsene dabei unterstützt, ihre Gesundheitskompetenz zu stärken.

30.05.2022

Möglichkeiten, sich zu Themen rund um Gesundheit zu informieren, gibt es heutzutage viele. Vor allem im Netz finden sich viele Informationen und Angebote. Doch fällt es nicht immer leicht, die Inhalte der Angebote zu verstehen und einzuordnen. Dies zeigt auch eine aktuelle Studie zur Gesundheitskompetenz und zum Gesundheitsverhalten im Jugendalter des Robert Koch-Instituts, bei der Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu ihrem Gesundheitsverhalten befragt wurden. Wie Jugendliche und junge Erwachsene unterstützt werden können, selbstbestimmt und reflektiert gesundheitsbezogene Informationen und Angebote mittels digitaler Medien zu recherchieren, zu verstehen und zu nutzen, zeigt das Projekt „Nebolus“, über das wir mit dem Initiator und Leiter Prof. Dr. Kevin Dadaczynski sprachen.

Das Projekt Nebolus

Das Projekt „Nebolus“, welches von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gefördert wird, möchte Kinder ab zwölf Jahren, Jugendliche sowie junge Erwachsene dabei spielerisch unterstützen, gesund aufzuwachsen.

Dabei gehe es vor allem um die Förderung der navigationalen Gesundheitskompetenz junger Menschen. Das bedeute zu lernen, wie man Gesundheitsangebote von Akteur:innen wie zum Beispiel Jugendeinrichtungen, Sportvereinen und Beratungsstellen, im sozialen Nahraum – also im eigenen Lebensumfeld – findet, versteht, kritisch bewertet und im Alltag anwendet, erläutert Kevin Dadaczynski.

Dies soll spielerisch durch eine Rallye erreicht werden, bei der es verschiedene Stationen gibt, an denen Teilnehmende erfahren können, welche gesundheitsbezogenen Akteur:innen und Angebote es in ihrem nahen Umfeld gibt.

Wie die Idee zum Projekt entstanden ist

„Die Idee zum Projekt Nebolus ist über mehrere Jahre entstanden. Wir haben festgestellt, dass insbesondere junge Zielgruppen eher nur bedingt durch klassische Bildungsangebote zur Gesundheitsförderung und Prävention erreicht werden. Daher entwickelten wir den Ansatz, ein spielerisches und niedrigeschwelliges Unterstützungsangebot zu schaffen, in dem digitale mit analogen Elementen verbunden werden. So entstand das Projekt Nebolus“, erklärt Kevin Dadaczynski.

Zunächst war geplant, das Projekt so auszurichten, dass es vor allem in schulischen Kontext Anwendung findet, damit Medien- und Gesundheitskompetenz stärker zusammengedacht werden können. Schließlich legt der Kompetenzrahmen der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2016 die Kompetenzen fest, die Schüler:innen fächerübergreifend erwerben sollen, um selbstbestimmt und verantwortungsbewusst mit digitalen Medien umzugehen. Dazu zählt u. a. die Fähigkeit, Informationen zu suchen, zu verstehen, einzuordnen und zu nutzen. „Hier sehen wir also ganz klar eine Parallele zum Ansatz der Gesundheitskompetenz. Insofern ist es sinnvoll, beide Felder nicht separat voneinander zu sehen, sondern systematisch miteinander zu verknüpfen. Es hat sich aber gezeigt, dass das auch im außerschulischen Kontext gut möglich ist“, sagt Kevin Dadaczynski.

In Rallyes Gesundheitskompetenz spielerisch vermitteln

Umgesetzt werden die ein- bis mehrtägigen Rallyes mit einem Planungstool, ein webbasiertes Tool (Englisch = Werkzeug), mit dem Akteur:innen aus den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung die Rallyes selbständig anlegen können. Diese können die Akteur:innen so individuell gestalten, dass sie an die spezifischen Bedarfe der Zielgruppe und des Umfelds wie der Kommune oder der Schule ausgerichtet sind. Das bedeutet auch, dass der Themenschwerpunkt einer Rallye – ob beispielsweise Ernährung, Bewegung oder psychische Gesundheit – von den Akteur:innen selbst bestimmt werden kann. Für die Durchführung einer Rallye wird zudem die Nebolus-App benötigt, die Jugendliche zu den verschiedenen Stationen führt.

Grundsätzlich gehe es in den Rallyes darum, anzuregen, zu entdecken und zu erkunden. Daher gibt es keine Punkte, die Jugendliche an den verschiedenen Stationen erhalten. Dafür würden andere Spielelemente genutzt werden, wie zum Beispiel die Möglichkeit, einen eigenen Avatar in der App auszuwählen. Zudem können versteckte Stationen während der Rallye entdeckt und dann mittels Benachrichtigung in der App angezeigt werden, erläutert Kevin Dadaczynski.

Basis jeder Rallye ist eine sogenannte Story, eine fiktive Geschichte, die in Form von Sprachnachrichten vor und während der Rallye erzählt wird und die Teilnehmenden durch die verschiedenen Stationen leitet. So soll ein niedrigschwelliger Zugang zu gesundheitsrelevanten Informationen und Angeboten geschaffen werden. Es gibt verschiedene Geschichten zu unterschiedlichen Themen, wie beispielsweise Ernährung, Bewegung und psychische Gesundheit, zwischen denen Akteur:innen auswählen können. Zudem besteht auch die Möglichkeit, sich selbst eine Story zu überlegen.

„In der Erarbeitung von Stories arbeiten wir mit Jugendbuchautor:innen zusammen, um spannende, an der Lebenswelt junger Menschen anknüpfende Plots mit Charakteren zu entwickeln, mit denen sich die Teilnehmenden verbunden fühlen. In Fulda, wo bereits eine Rallye durchgeführt wurde, fing die Geschichte damit an, dass die Teilnehmenden erfuhren, dass die Protagonistin Emma verschwunden ist. Aufgabe war es nun an den verschiedenen Stationen der Rallye herauszufinden, was mit Emma passiert ist“, sagt Kevin Dadaczynski.

Vernetzung und Austausch von Akteur:innen vor Ort

Neben dem Ziel, die Gesundheitskompetenz junger Menschen zu stärken, möchte das Projekt Nebolus auch die teilnehmenden Akteur:innen aus den einzelnen Regionen bzw. Kommunen miteinander in Kontakt bringen. Häufig sei es so, dass Akteur:innen nicht voneinander wissen und sogar die gleichen oder ähnliche Angebote bestehen. Hier werde versucht, einen Austausch und eine Vernetzung anzuregen und zu unterstützen, sodass auch Synergien entstehen, um Jugendliche und junge Erwachsene besser zu erreichen. Darüber hinaus werde ein Schulungsangebot in Form eines E-Learnings geplant, durch das sich Akteur:innen und Multiplikator:innen weiterbilden können, schildert Kevin Dadaczynski.

Wie junge Menschen erreicht werden können

Wie Menschen, insbesondere junge Menschen in ihrer Kompetenz gesundheitsbezogene Informationen und Angebote zu finden, zu verstehen, zu bewerten und zu nutzen, gestärkt werden können, hängt vor allem davon ab, wie attraktiv und niedrigschwellig Unterstützungsangebote gestaltet sind. „Je beiläufiger und spielerischer die Vermittlung von Wissen passiert, desto eher werden Jugendliche und junge Erwachsene erreicht“, sagt Kevin Dadaczynski. Wichtig ist natürlich auch, junge Menschen in ihrer Lebenswelt abzuholen. Im Projekt Nebolus gibt es einen Jugendbeirat, in dem sechs Schüler:innen der siebten Klasse einer Fuldaer Schule mitwirken. Zudem seien die Jugendlichen in drei Phasen der App-Entwicklung einbezogen worden: Während der Konzeption, der technischen Entwicklung und kurz vor Fertigstellung der technischen Entwicklung. In Workshops mit den Jugendlichen des Beirats sei nach deren Vorstellungen zum Thema Gesundheitskompetenz und den beteiligten Akteur:innen gefragt. Zudem sei besprochen worden, welche möglichen Barrieren junge Menschen davon abhalten könnten, gesundheitsrelevante Informationen und Angebote zu finden, zu verstehen und zu nutzen. Darüber hinaus sei die Nebolus-App in sogenannten usability-tests (Englisch: usability = Benutzerfreundlichkeit) von Jugendlichen getestet und auf ihre attraktive Gestaltung untersucht worden.

Weitere Informationen

  • Praxiseinblicke zu den bereits durchgeführten Nebolus-Rallyes gibt es auf der Webseite von Nebolus.
  • Rund um mentale Gesundheit und soziale Medien ging es bei der Themenwoche der TINCON, dem Festival für digitale Jugendkultur. Die Talks und weitere Informationen zur Themenwoche gibt es auf der Webseite der TINCON.
  • Das Thema Gesundheit und Medien greift auch der Medienpodcast „mehr merz“ auf. Die Folgen sind auf allen gängigen Podcast-Plattformen abrufbar.

Quelle: Initiativbüro Gutes Aufwachsen mit Medien 

Redaktion: Bettina Goerdeler

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