Forschung

„Kinder- und Jugendhilfe an der Grenze BRD-DDR“ – Zeitzeug*innen für Forschungsprojekt gesucht

Die deutsch-deutsche Teilung zwischen 1945 und 1989/1990 führte zu zahlreichen Grenzübertritten und Fluchtbewegungen in beide Richtungen. Auch Kinder und Jugendliche waren davon betroffen. Nun suchen Forscher*innen Zeitzeug*innen, die eine Flucht bzw. einen Grenzübertritt zu der Zeit selbst erlebt haben, die jungen Menschen dabei begleitet haben oder die sie nach dem Grenzübertritt unterstützt haben.

19.08.2025

Junge Menschen passierten allein oder begleitet die Grenze, mit oder ohne ihre Eltern, aus der DDR und bis 1949 aus der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) in die BRD, aus der BRD in die SBZ/DDR. Das Vorhaben „Kinder- und Jugendhilfe an der Grenze. Eine Studie zur öffentlichen Fürsorge für Minderjährige im niedersächsischen Grenzgebiet der Bundesrepublik und der DDR zwischen 1945 und 1989/1990“ untersucht, ob und wie die Kinder- und Jugendhilfe in der BRD und DDR, auch in Kooperation mit Aufnahme- und Grenzlagern für Geflüchtete, tätig geworden ist. Exemplarisch für Niedersachsen soll analysiert werden, wie insbesondere die zuständigen Jugendbehörden (Jugendämter in der BRD, Referate für Jugendhilfe in der DDR, kommunale Jugendräte und andere) oder auch Wohlfahrtsverbände (Arbeiter-Wohlfahrt, Caritas, Diakonie/Innere Mission, Deutsches Rotes Kreuz) verfahren und gegebenenfalls auch grenzüberschreitend miteinander zusammengearbeitet haben. Niedersachsen hatte mit einer Länge von ca. 540 Kilometern den längsten innerdeutschen Grenzabschnitt und einen zentralen Grenzübergang mit Helmstedt/Marienborn.

Aufruf zur Teilnahme am Zeitzeug*innenportal und an Interviews

Im Rahmen des Forschungsprojekts „Kinder- und Jugendhilfe an der Grenze BRD- DDR“ rufen Wissenschaftler*innen Zeitzeug*innen dazu auf, ihr (Erfahrungs-)Wissen in einer Onlinebefragung mit dem Zeitzeug*innenportal zu teilen. Zeitzeug*innen können Personen sein, die als junge Menschen (mit und ohne ihre Familien oder einer anderen Begleitung) die Grenze passiert haben, sowohl von der
Sowjetischen Besatzungszone/DDR in die BRD, als auch umgekehrt, um dauerhaft dort zu leben. Auch Personen, die die jungen Menschen bei ihrem Grenzübertritt begleitet haben (zum Beispiel Eltern) sind Zeitzeug*innen. Das Projekt ist auch an den Erfahrungen von ehemaliger Mitarbeitende*n oder Ehrenamtlichen (zum Beispiel aus Aufnahme- und Grenzlagern, aus ehemaligen Behörden der Jugendhilfe/-fürsorge, aus Wohlfahrtsverbänden) interessiert, die diese jungen Menschen (und ihre Familien) vor, während und/oder nach dem Grenzübertritt unterstützt haben. Zudem suchen die Forscher*innen Zeitzeug*innen und weitere Expert*innen (zum Beispiel Wissenschaftler*innen und Historiker*innen), die Interesse an einem Interview haben.

Das Forschungsprojekt wird von 2024 bis 2027 durch das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) gefördert und am Institut für Sozial- und Organisationspädagogik der Universität Hildesheim durchgeführt.

Die Wissenschaftler*innen sichern bei allen Kontaktaufnahmen und Gesprächsinhalten Vertraulichkeit zu.

Wissenschaftliche Ansprechpartner*innen

Dr. Carolin Ehlke (Tel.: 05121 883 11732)
Pia Giesel (Tel.: 05121 883 12836)
Projektmailadresse: jugendhilfe-ddr@uni-hildesheim.de
Postadresse: Universität Hildesheim
Institut für Sozial- und Organisationspädagogik
Universitätsplatz 1
31141 Hildesheim

Weitere Informationen

Das Zeitzeug*innenportal ist über diesen Link zu erreichen: https://www.soscisurvey.de/Jugendhilfe-grenze/ 

Quelle: Universität Hildesheim vom 12.08.2025

Redaktion: Paula Joseph