de:hate report #3

Jugendliche müssen über codierten Antisemitismus aufgeklärt werden

Mit jeder erneuten Eskalation des Nahost-Konflikts flammt Antisemitismus auch im Online-Raum deutlich auf. Vor allem Plattformen, die überwiegend Kinder und Jugendliche nutzen, werden zu Hotspots für die Verbreitung von antisemitischen Erzählungen an ein neues, junges Publikum. Am Beispiel des Nahost-Konfliktes zeigt eine neue Analyse der Amadeu Antonio Stiftung, wie sich Antisemitismus online verbreitet und warum das eine Gefahr für die Demokratie darstellt.

29.11.2021

TikTok, Instagram oder Gaming-Communities – gerade in Online-Räumen für eine größtenteils junge Zielgruppe besteht die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche mit Antisemitismus in Kontakt kommen.

„Auf TikTok erlernen die meist sehr jungen Nutzer/-innen fast schon spielerisch antisemitische Argumentationen. Diese werden durch popkulturelle Codes, aktuelle Musik und Memes meistens zunächst unbemerkt artikuliert„, so die pädagogische TikTok-Expertin der Amadeu Antonio Stiftung, Theresa Lehmann. Diese Codierung führt zu einer hohen Verbreitung: Ob in Trend-Formaten wie „Berufs-Sketchen” oder durch die Nutzung spezieller Filter. Neben solchen codierten Formen wird Antisemitismus aber auch in Gestalt von antisemitisch genutzten Hashtags millionenfach verbreitet.

Spielerischer Hass erreicht Millionenpublikum

Auch Influencer/-innen greifen auf Erzählungen zurück, die israelbezogenen Antisemitismus reproduzieren. Oder sie werden von ihren Follower/-innen unter Druck gesetzt, sich zu Themen wie dem Nahost-Konflikt zu positionieren. Ohne näheres Wissen werden Positionen geteilt, die auf verkürzten oder falschen Erzählungen beruhen und so antisemitische Narrative in Umlauf bringen. Zum Beispiel mit gefälschten Landkarten auf Instagram oder Comics, die vorgeben, „eindeutig“ Freund und Feind aufzuzeigen. In Gaming-Communities sammeln Influencer/-innen hohe Spendensummen für betroffene Kriegsgebiete – allerdings arbeiten Aufrufe, Live-Streams oder Stellungnahmen häufig mit israelbezogenem Antisemitismus oder lassen diesen zumindest unkommentiert stehen.

Simone Rafael, Leiterin des Digitalteams der Amadeu Antonio Stiftung: „Wir wünschen uns eine sichere digitale Umgebung gerade für Kinder und Jugendliche. Dazu gehört das konsequente Sperren antisemitischer Hashtags durch die Netzwerke ebenso wie Aufklärungsarbeit auf Augenhöhe durch Pädagog/-innen und Projekte – damit antisemitische Akteur/-innen so wenig Chancen wie möglich bekommen, um Jugendliche zu radikalisieren.“

Die digitale Zivilgesellschaft sollte lernen, Antisemitismus in allen Formen zu erkennen und ihm eindeutig zu widersprechen. Jugendliche können bei der politischen Meinungsbildung auf Social Media begleitet werden, wenn ihre Fragen oder Anliegen von Pädagog/-innen und Eltern ernst genommen werden. Soziale Netzwerke müssen ihre Meldesysteme und Moderationsteams ausbauen und sollten Forschenden Zugang zu ihren Daten gewähren, damit das Ausmaß von Antisemitismus auf den Plattformen quantitativ verglichen und entsprechende Gegenmaßnahmen ausgebaut werden können.

Der de:hate report #3 –  Antisemitismus in der Popkultur: Israelfeindschaft auf Instagram, TikTok und in Gaming-Communitys ist ab sofort als PDF auf der Website der Amadeu Antonio Stiftung abrufbar.

Quelle: Amadeu Antonio Stiftung vom 25.11.2021

Redaktion: Mareike Ketelaar

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