IKARUS-Verleihung 2022

Jubiläumsgala zum Berliner Kinder- und Jugendtheaterpreis

Am Freitag, den 11.11.2022, fand die IKARUS-Verleihung 2022 statt, bei der in diesem Jahr insgesamt vier IKARUS-Preise an herausragende Berliner Inszenierungen für Kinder und Jugendliche verliehen wurden. Eine Fachjury und eine Jugendjury vergaben in den Kategorien bestes Kindertheater und bestes Jugendtheater jeweils einen Preis im Wert von 5000,00 € an die ausgezeichneten Inszenierungen.

18.11.2022

In der Kategorie Kindertheater gewann „Drachenblut und Blümchenpflaster“ vom Theater Zitadelle Berlin. In der Kategorie Jugendtheater wurde die Inszenierung „Selfie“ vom GRIPS Theater ausgezeichnet. Beide Theaterhäuser dürfen sich so über ein Preisgeld von je 10.000 € freuen. Die Jubiläumsgala fand in Anwesenheit von Aziz Bozkurt (Staatsekretär für Jugend und Familie) und Schauspieler Axel Prahl statt, der seit 20 Jahren Schirmherr des IKARUS ist.
 
Das IKARUS-Jahr 2022 war in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Im Jubiläumsjahr der 20. Preisverleihung war so viel neues Theater wie nie zuvor für junges Publikum zu erleben. Die zu zwei Dritteln neu besetzte Nominierungsjury sichtete an 26 Berliner Theatern die enorme Anzahl von 83 Premieren, mehr als doppelt so viele wie in den Vorjahren. Aus diesen gesichteten Premierenproduktionen wurden vier Inszenierungen aus dem Bereich Kindertheater und fünf aus dem Bereich Jugendtheater nominiert, die sich allesamt im Rahmen der Gala präsentierten.

Fach- und Jugendjury entscheiden sich erstmals für die gleiche Inszenierung

Eine 5-köpfige Fachjury und eine 7-köpfige Jugendjury hatten die vorab nominierten Inszenierungen in den Wochen vor der IKARUS-Gala gesichtet und in der vergangenen Woche in unabhängigen Sitzungen ihre Entscheidung getroffen. Bei der Verkündung der Gala im Grips Theater gab es dann die große Überraschung: Die Jugendjury mit Mitgliedern im Alter von 11-16 Jahren und die Fachjury trafen die gleiche Wahl und zeichneten – als Novum in der Geschichte des IKARUS – unabhängig voneinander die gleichen Stücke aus. So gingen der Preis der Jugend- und der Fachjury jeweils an „Drachenblut und Blümchenpflaster“ von Theater Zitadelle (ab 5 Jahren) und „Selfie“ vom GRIPS Theater (ab 14 Jahren).
 
Schirmherr Axel Prahl, der seine Karriere am GRIPS Theater begonnen hatte, lobte „die unglaubliche Professionalisierung der Kinder- und Jugendtheater sowie die enorme Vielfalt an Themen und Formen, durch die junge Menschen erreicht, begeistert und ernst genommen werden.“ Aus seiner Sicht nimmt „Berlin eine Sonderstellung mit bundesweiter Strahlkraft ein, sowohl was die Qualität als auch die Anzahl und individuelle Ausprägung der Theater betrifft.“

Theater als Ort der Begegnung

Staatsekretär Aziz Bokurt betonte in seiner Ansprache unter Beifall des Publikums: „Kinder und Jugendliche brauchen Theater als Ort der Begegnung, als Raum, der Welten öffnet, Kreativität freisetzt und hilft, Erlebnisse zu verarbeiten“. In seinen Augen sind „Kinder- und Jugendtheater ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu einem demokratischen Miteinander.“

GRIPS Theaterleiter Philipp Harpain setzte in seiner Rede als Gastgeber der Veranstaltung einen zusätzlichen Akzent:

„Noch immer sind wir weit davon entfernt, dass die Kinder- und Jugendtheater in gleichem Maße wie die Erwachsenentheater gefördert werden. Berlin kann und muss sich kulturelle Bildung leisten. Ein erster, mutiger Schritt wäre eine Verdopplung des Etats für die Kinder und Jugendtheater. Hierfür müssen Kultur- und Bildungssenat endlich an einem Strang ziehen.“

Weiter Höhepunkte der IKARUS-Gala bot das musikalische Rahmenprogramm mit DJ Kaye Kayani sowie Live Acts aus der GRIPS-Produktion „Das schönste Mädchen der Welt“. Die Gala wurde kompetent und charmant moderiert von der Theater- und Filmschauspielerin Bettina Grahs. Von großem Applaus wurde das Auftreten und die Preisreden der Jugendjury begleitet, die dem jungen Publikum eine unmittelbare und sehr sympathische Stimme verlieh.

Hintergrundinformationen zum IKARUS-Theaterpreis

Seit 20 Jahren setzt der JugendKulturService speziell im Kinder- und Jugendtheaterbereich einen besonderen Akzent. Mit dem IKARUS werden jedes Jahr herausragende Inszenierungen von Berliner Bühnen für Kinder und Jugendliche ausgezeichnet. Bereits die Nominierung gilt als Merkmal für eine besonders gelungene Inszenierung, auf welche die Medien, die Pädagog:innen und Eltern und vor allem das junge Publikum aufmerksam gemacht werden sollen. Der IKARUS-Theaterpreis ist der einzige Preis, der herausragende Inszenierungen speziell der Berliner Kinder- und Jugendtheater würdigt.

Im Jubiläumsjahr wurden von einer größtenteils neu besetzten Nominierungsjury neun Inszenierungen auf die Auswahlliste gesetzt. Diese neun Inszenierungen wurden dann von einer Fachjury und einer Jugendjury erneut gesichtet. Die Berliner Theaterlandschaft für junges Publikum bestach im Rahmen der Sichtungen nicht nur durch die große Menge an Premieren, sondern auch durch Vielfalt, Lebendigkeit und Qualität der Inszenierungen. Vielerorts waren neue Handschriften zu erkennen, die in mehrfachen, Corona-bedingten Spielpausen entstanden. Auf der inhaltlichen Ebene wagen sich die Theater in gewohnter Weise an große Themen heran an und führen schon Kinder ab 2 Jahren in die Kunst und den Zauber des Theaters ein.

Nach zwei pandemischen Jahren sowie der Omnipräsenz von Krieg und Flucht beweist sich Theater verstärkt als Plattform, auf der ein essenzieller Austausch möglich wird und wichtige Impulse entstehen. Denn Theater gibt jungen Menschen Raum, um ihre Gefühle auszuleben, Erlebnisse gemeinsam zu verarbeiten sowie Ängste und Sorgen ansprechen zu können. Kinder haben ein Recht auf kulturelle Teilhabe. Theater zu erleben ist unverzichtbar und essenziell für eine demokratische Grundbildung. Gerade die Kulturelle Bildung ist durch immer wieder drohende Kürzungen stark gefährdet, da sie immer noch als freiwillige Leistung angesehen wird. Zugänge für Kultur drohen so schnell zu einer sozialen Frage zu geraten, durch die eine Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen nicht mehr möglich wird

Der JugendKulturService setzt mit dem IKARUS jährlich ein Spotlight auf die Qualität der Berliner Kinder- und Jugendtheater, um diesen zu mehr Sichtbarkeit zu verhelfen, ihre Arbeit zu würdigen und deren wichtigen Beitrag für die Kulturelle Bildung hervorzuheben. Erklärtes Ziel ist es, den Theaterbesuch und die Auseinandersetzung mit der Welt des Theaters als feste Bestandteile der Lebens- und Erfahrungswelt von Kindern und Jugendlichen dauerhaft zu etablieren. Der IKARUS wirkt dabei als Güte- und Qualitätssiegel, das auch über die Grenzen Berlins hinaus Strahlkraft entfaltet. Dem jungen Publikum eine Stimme geben – die IKARUS Jugendjury: Die Beteiligung und Mitsprache von Kindern und Jugendlichen ist dem JugendKulturService ein wichtiges Anliegen. Daher wurde 2018 der IKARUS durch eine Jugendjury erweitert, welche nach eigenen Kriterien die von der Nominierungsjury nominierten Inszenierungen bewertet und eigene IKARUS-Preise verleiht, die den Fachjury-Preisen gleichgestellt sind.

Quelle: JugendKulturService vom 15.11.2022

Redaktion: Johanna Fock

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