Studie
Deutsche Staatsbürger*innenschaft reduziert Jugendkriminalität
Eine Studie von Ökonom*innen aus Passau, München und San Diego zeigt, dass die Verleihung der deutschen Staatsbürgerschaft bei Geburt Jugendkriminalität reduziert. Seit der Reform im Jahr 2000 erhalten in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern automatisch die Staatsbürger*innenschaft, wenn ein Elternteil seit acht Jahren im Land lebt.
02.04.2026
Wenn Jugendkriminalität in die öffentliche Debatte rückt, fordern Politikerinnen und Politiker häufig ein härteres Durchgreifen und strengere Strafen. Eine Studie von Ökonominnen und Ökonomen aus Passau, München und San Diego richtet nun den Blick auf eine bislang wenig beachtete Maßnahme zur präventiven Verringerung der Jugendkriminalität: die Staatsbürger*innenschaft bei Geburt.
Die Forschenden analysieren dazu die Wirkung der Reform des deutschen Staatsbürger*innenschaftsrechts im Jahr 2000. Seitdem erhalten in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern automatisch die deutsche Staatsbürger*innenschaft nach dem Geburtsortsprinzip, sofern mindestens ein Elternteil seit acht Jahren in Deutschland lebt. Vor 2000 erwarben nur Kinder mit mindestens einem deutschen Elternteil die Staatsbürger*innenschaft bei Geburt.
Frühere Integration, weniger Kriminalität
Das zentrale Ergebnis der Studie, an der Prof. Dr. Stefan Bauernschuster von der Universität Passau beteiligt war: Jugendliche der zweiten und dritten Migrant*innengeneration, die durch die Reform von Geburt an einen deutschen Pass besaßen, wurden später im Jugendalter rund 70 Prozent seltener als Tatverdächtige registriert als vergleichbare Jugendliche ohne deutsche Staatsangehörigkeit. Besonders deutlich zeigt sich dieser Effekt bei Eigentums- und Drogendelikten.
Die Autor*innen sprechen sich deshalb für eine „frühestmögliche Integration“ aus.
„Unsere Analyse zeigt, dass frühzeitige Interventionen, wie etwa die Verleihung der Staatsbürgerschaft bei Geburt, Jugendkriminalität wirksam reduzieren können, indem sie Chancen, Zugehörigkeit und Vertrauen stärken“,
sagt der Passauer Ökonom Prof. Dr. Bauernschuster.
Staatsbürger*innenschaft schafft Perspektiven
Den Forschenden zufolge liegt der Grund für den deutlichen Effekt unter anderem in besseren Bildungswegen und Arbeitsmarktperspektiven, die die Staatsbürger*innenschaft durch Geburt eröffne. Frühere Studien zeigen, dass durch die Einführung des Staatsbürger*innenschaftsrechts bei Geburt die schulischen Leistungen von Kindern mit Migrationshintergrund gestiegen sind. Durch den besseren Zugang zu Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Jugendliche kriminell werden.
Methode und Datengrundlage
Der Studie liegen Einzeldaten zu mehr als 120 000 Kriminalitätsfällen mit jugendlichen Tatverdächtigen aus Baden-Württemberg, Hessen und Berlin zugrunde, die um den Reformstichtag herum geboren wurden. Diese Regionen eignen sich besonders gut, weil sie hohe Migrant*innenanteile haben und damit viele von der Reform betroffene Jugendliche umfassen. Der Datensatz beinhaltet unter anderem detaillierte Informationen zur Art der Straftat, zur Tatzeit, zum Tatort sowie zum Geburtsmonat, Geschlecht und zur Nationalität der erfassten Tatverdächtigen.
Den Forschenden ist es gelungen, zwischen dem Staatsbürger*innenschaftsrecht und der Verringerung der Jugendkriminalität einen ursächlichen Zusammenhang festzustellen, indem sie deutsche und nicht-deutsche Tatverdächtige vergleichen, die kurz vor und kurz nach dem Reformstichtag geboren wurden. Sie schließen aus, dass die Effekte rein dadurch zustandekommen, dass die Polizei ihr Meldeverhalten verändert.
Die Studie „Birthright Citizenship and Crime“ erscheint in der Reihe “Papers and Proceedings” der „American Economic Association“, der führenden wissenschaftlichen Gesellschaft für Wirtschaftswissenschaften in den USA. Davor wurde sie unter anderem bei CESifo als Working Paper publiziert. Das Münchner ifo Institut veröffentlichte die Erkenntnisse im aktuellen ifo Schnelldienst.
Quelle: Universität Passau vom 24.03.2026
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