Bundeshaushalt 2024

Nicht kürzen bei der Vorsorge gegen Sucht!

NACOA Deutschland und andere Fachverbände kritisieren geplante Streichung im Kinder- und Jugendplan und der Aufklärung gegen Drogen- und Suchtmittelmissbrauch.

20.09.2023

Fachleute aus der Arbeit mit suchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen haben anlässlich des Weltkindertages die von der Bundesregierung geplanten Kürzungen in diesem Bereich kritisiert. Gerade auch die Bedürfnisse von drei Millionen Kindern, die mit suchtkranken Eltern aufwachsen, dürfen bei diesem Thema nicht ignoriert werden, erklärte NACOA Deutschland, die Interessenvertretung für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Denn diese Kinder tragen ein deutlich erhöhtes Risiko, selber eine Sucht oder eine andere psychische Krankheit zu entwickeln. Laut Entwurf zum Bundeshaushalt 2024 sollen aber nun sowohl bei Präventionsmaßnahmen im Bereich Drogen- und Suchtmittelmissbrauch als auch im Kinder- und Jugendplan (KJP) insgesamt knapp 50 Millionen Euro gestrichen werden. „Das ist ein sehr bedenkliches Signal“, erklärte Philip Kramme, Vorstandsmitglied bei NACOA Deutschland e.V.

Resilienzen stärken, aufklären, Stigmata überwinden und den Weg zu Hilfen erleichtern

Im Juli wurde der Kabinettsentwurf zum Bundeshaushalt 2024 beschlossen. Demnach sollen 44,6 Millionen Euro im Kinder- und Jugendplan gespart werden und Projektmittel für Aufklärungsmaßnahmen im Bereich Drogen- und Suchtmittelmissbrauch um vier Millionen Euro gekürzt werden.  „Suchtprävention sollte auf allen Ebenen gesehen, mitgedacht und umgesetzt werden und keinesfalls Gegenstand des Wettbewerbs von Krankenkassen sein,“ sagt Kramme. Prävention und Gesundheitsförderung seien unverzichtbar, um Resilienzen zu stärken, aufzuklären, Stigmata zu überwinden, den Weg zu Hilfen zu erleichtern. Dadurch würde ein gesundes Aufwachsen gefördert, das Risiko für Sucht und andere psychische Erkrankungen sinkt deutlich. Zwei von drei Kindern aus suchtbelasteten Familien entwickelten im Laufe ihres Lebens selber eine Sucht oder eine andere psychische Krankheit.  Mit Blick auf die volkswirtschaftlichen Kosten, die dadurch entstünden, sei es auch volkswirtschaftlich sinnvoll, in Vorsorgearbeit zu investieren, so Kramme.

Fachkräfte in Indstitutionen sensibilisieren

Fachkräfte in Kitas, Schulen und Vereinen müssten sensibilisiert werden, betroffene Kinder zu erkennen, nicht weg zu schauen, zuzuhören und sie an professionelle Hilfsangebote weiterzuleiten, erklärte NACOA Deutschland. Dies gelte aktuell umso mehr vor dem Hintergrund der teilweisen Freigabe von Cannabis. Ein wesentlicher Faktor für eine bedarfsgerechte Unterstützung suchtbelasteter Familien sei aber eine nachhaltige Finanzierung. Diese falle nun offenbar dem Rotstift zum Opfer.

Kindheiten im Schatten elterlicher Sucht

Nach Angaben von NACOA Deutschland wachsen hierzulande etwa drei Millionen Kinder in einem suchtbelasteten Elternhaus auf. Kindheiten im Schatten elterlicher Sucht sind überwiegend gekennzeichnet von Angst und Unsicherheit sowie von einem Mangel an emotionaler Zuwendung und Geborgenheit.  Kinder suchtkranker Eltern sind die größte bekannte Risikogruppe für die Entwicklung einer eigenen Sucht und hoch anfällig auch für andere psychische Erkrankungen. Um diesen Kindern dennoch ein gesundes Aufwachsen zu ermöglichen, sollten Präventionsmaßnahmen so früh wie möglich ansetzen und flächendeckend umgesetzt werden.
 
Gemeinsam mit dem Bundesverband der Elternkreise suchtgefährdeter und suchtkranker Söhne und Töchter, dem Dachverband Gemeindepsychiatrie, dem Fachverband Drogen- und Suchthilfe appelliert NACOA Deutschland daher an den Deutschen Bundestag, diese Kürzungen nicht mitzutragen und stattdessen die Mittel gegenüber dem aktuellen Haushaltsentwurf signifikant zu erhöhen.
 
Anprechpartner bei NACOA Deutschland für Rückfragen:
Philip Kramme, Vorstandsmitglied, Tel.: 0176/43822499, kramme@nacoa.de
Frauke Gebhardt, Projektkoordinatorin, Tel.: 0162/2129350, gebhardt@nacoa.de

Quelle: NACOA Deutschland vom 19.09.2023

Redaktion: Sofia Sandmann

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