UNICEF

Mehr als die Hälfte aller ukrainischen Kinder auf der Flucht

Am Grenzübergang zwischen der Ukraine und der Republik Moldau am 24. März 2022.

Der Krieg in der Ukraine ist eine Katastrophe, die Generationen überdauern könnte. Rund 4,3 Millionen Kinder wurden im vergangenen Monat durch den Krieg vertrieben – mehr als die Hälfte der rund 7,5 Millionen ukrainischen Kinder. Rund 1,8 Millionen der Kinder sind in die Nachbarländer geflohen, 2,5 Millionen Kinder sind innerhalb des Landes auf der Flucht.

29.03.2022

„Der Krieg hat zu einer der schnellsten und größten Fluchtbewegungen von Kindern seit dem Zweiten Weltkrieg geführt“, sagte UNICEF-Exekutivdirektorin Catherine Russell. „Dieser düstere Meilenstein kann langfristige Auswirkungen auf eine ganze Generation haben. Die Sicherheit der Kinder, ihr Wohlergehen und ihr Zugang zu lebenswichtiger Unterstützung ist durch die andauernde schreckliche Gewalt bedroht.“

Laut dem Büro des Hochkommissars für Menschenrechte (OHCHR) wurden in der Ukraine seit Beginn des Krieges am 24. Februar 78 Kinder getötet und 105 verletzt. Die tatsächlichen Zahlen sind mit Sicherheit deutlich höher, konnten jedoch bisher nicht von den Vereinten Nationen überprüft werden. Die Auswirkungen des Krieges auf die zivile Infrastruktur und den Zugang zur Grundversorgung sind verheerend.

Humanitäre Auswirkungen des Krieges sind verheerend

Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden in den vergangenen vier Wochen mindestens 52 Angriffe auf Gesundheitseinrichtungen registriert (Stand: 21. März). Das ukrainische Ministerium für Bildung und Wissenschaft meldete, dass rund 500 Bildungseinrichtungen beschädigt wurden. Schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser; schätzungsweise 4,6 Millionen Menschen haben eingeschränkten Zugang zu Wasser oder laufen Gefahr, ganz davon abgeschnitten zu werden. Mehr als 450.000 Kinder zwischen sechs und 23 Monaten brauchen Nahrungsmittelhilfe.

UNICEF verzeichnet bereits jetzt einen Rückgang der Impfraten, einschließlich Masern und Polio. Dadurch steigt die Gefahr, dass vermeidbare Krankheiten ausbrechen, insbesondere in überfüllten Orten, in denen viele Menschen Schutz vor der Gewalt suchen.

„In nur wenigen Wochen hat der Krieg den Kindern in der Ukraine schreckliches Leid zugefügt“, sagte Russell. „Die Kinder brauchen dringend Frieden und Schutz. Ihre Rechte müssen gewahrt werden. UNICEF ruft erneut zu einem sofortigen Waffenstillstand und zum Schutz von Kindern auf. Angriffe auf grundlegende zivile Infrastruktur, auf die Kinder angewiesen sind, wie Krankenhäuser, Schulen und Gebäude, in denen Zivilisten untergebracht sind, müssen aufhören.“

Gemeinsam mit seinen Partnern ist UNICEF in der Ukraine und den Nachbarländern im Einsatz, um humanitäre Hilfe für Kinder zu leisten.

Kinder benötigen Frieden und Schutz

In der Ukraine hat UNICEF medizinische Hilfsgüter an 49 Krankenhäuser in neun Regionen - darunter Kiew, Charkiw, Dnipro und Lwiw – geliefert, um die Gesundheitsversorgung von 400.000 Neugeborenen, Kindern und Müttern zu unterstützen. UNICEF verteilt weiterhin Wasser und Hygieneartikel in den eingeschlossenen Gemeinden. Darüber hinaus erhöht UNICEF die Zahl der mobilen Kinderschutzteams, die in akuten Konfliktgebieten arbeiten, von 22 auf 50 und hat 63 LKW-Ladungen mit lebensrettenden Hilfsgütern für 2,2 Millionen Menschen bereitgestellt. In den kommenden Wochen wird UNICEF die Auszahlung von Bargeldhilfe für besonders gefährdete Familien organisieren und an Schlüsselorten im ganzen Land kinderfreundliche Orte einrichten.

Um geflüchtete Kinder und Familien zu schützen und zu unterstützen, richten UNICEF und UNHCR gemeinsam mit den jeweiligen Regierungen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in den Nachbarländern sogenannte „Blue Dots“-Anlaufstellen ein. Das sind sichere Orte, an denen Kinder und ihre Familien wichtige Hilfe und Unterstützung erhalten. Die „Blue Dots“ helfen auch dabei, unbegleitete und von ihren Eltern getrennte Kinder zu identifizieren und dafür zu sorgen, dass sie geschützt werden. Wichtige Dienstleistungen werden dort gebündelt zur Verfügung gestellt. Einige „Blue Dots“ sind bereits in den Nachbarländern der Ukraine in Betrieb, weitere werden in den kommenden Tagen eingerichtet, darunter mehr als 20 „Blue Dots“ in Polen.

Trotz intensiver Bemühungen um einen sicheren, schnellen und ungehinderten Zugang für die humanitäre Hilfe stehen humanitäre Organisationen insbesondere in den am stärksten betroffenen Gebieten im ganzen Land weiterhin vor erheblichen Herausforderungen.

Quelle: UNICEF Deutschland vom 24.03.2022

Redaktion: Frank Beckmann

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