Befragung ukrainischer Geflüchteter

Jung, berufstätig und überwiegend weiblich – Germany4Ukraine jetzt auch als App

Um mehr über die Bedarfe ukrainischer Geflüchteter zu erfahren, hat das Bundesinnenministerium eine systematische Befragung beauftragt. Vom 24. bis 29. März wurden insgesamt 1.936 Interviews in Berlin, Hamburg und München sowie auf den Webseiten von BMI, BAMF und Germany4Ukraine.de geführt. Die Ergebnisse stellen erste belastbare Informationen zu Altersstruktur, Berufstätigkeit in der Ukraine und Bildungshintergrund der Geflüchteten dar.

13.04.2022

Demnach sind 84 Prozent der Geflüchteten Frauen und 58 Prozent sind gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet. Diese Erkenntnisse konnten u.a. durch das neue staatliche Hilfe-Portal „Germany4Ukraine“ gewonnen werden. Bundesinnenministerin Nancy Faeser besuchte das Entwicklungsteam im Digitalisierungs-Lab und gab den Startschuss für die App.

Anfang April startete „Germany4Ukraine“ auch als App. In den App-Stores von Google und Apple ist diese nun kostenlos zum Download verfügbar. Damit wird das digitale Angebot der Bundesregierung für ukrainische Geflüchtete ausgebaut und der schnelle mobile Zugang zu Informationen und Hilfsangeboten gesichert. Nach dem erfolgreichen Start des staatlichen Hilfe-Portals „Germany4Ukraine“ am 16. März 2022 werden über 10.000 Seitenaufrufe pro Tag verzeichnet.

Das Hilfe-Portal „Germany4Ukraine“

Die offizielle, vertrauenswürdige und sichere Anlaufstelle bietet den Ankommenden Informationen für ihren Start in Deutschland auf Ukrainisch, Russisch, Englisch und Deutsch. Das Angebot wird ständig weiterentwickelt und umfasst aktuell Informationen zu Themen wie Unterkunft, medizinischer Versorgung, Mobilitäts- sowie Arbeitsangebote und Sozialleistungen. In Kürze soll über das Portal der digitale Aufenthaltstitel für Kriegsflüchtlinge zur Verfügung stehen.

Anfang April besuchte nun auch Bundesinnenministerin Nancy Faeser das Entwicklungsteam im Digitalisierungslabor an der East Side Galerie in Berlin. An der Entwicklung sind auch Ukrainer/-innen selbst beteiligt.

Im Rahmen ihres Besuchts erklärte Nancy Faeser, dass die Zusammenarbeit mit Ukrainer(inne)n, um bestmögliche Informationen für Geflüchtete zur Verfügug zu stellen, sehr zielführend und gleichzeitig berührend sei und sie danke dem Team von „Germany4Ukraine“. Schnelle, verlässliche und umfassende Informationen zu Unterkunft, Registrierung und medizinischer Hilfe seien sehr wichtig für die Geflüchteten. Erstmals seien die Bedürfnisse mit einer systematischen Befragung abgefragt worden. Diese Bedürfnisse zu kennen und die Geflüchteten aktiv zu informieren sei von großer Bedeutung. Auch um Geflüchtete überzeugen zu können, in andere Städte außerhalb der Ballungsräume weiterzureisen.

„Digitalisierung und Modernisierung des Staates darf aber nicht nur in Krisen stattfinden. Um unseren Staat modernder und digitaler zu machen, müssen wir uns nachhaltig besser aufstellen. Dafür werde ich mich weiterhin sehr einsetzen.“ so Faeser weiter.

Das aus der Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes erprobte Labor-Format stellt nutzerorientierte und kollaborative Ansätze in den Mittelpunkt. Ziel ist, eine pragmatische Einbindung von Verwaltungsleistungen zu ermöglichen. Gemeinsam mit ukrainischen Geflüchteten arbeiten Fachexpert(inn)en aus der Verwaltung, Designer/-innen und Techniker/-innen interdisziplinär zusammen, um Innovationen in der Digitalisierung voranzutreiben.

Befragung Geflüchteter aus der Ukraine  

Die systematische Befragung unter Geflüchteten aus der Ukraine wurde im Auftrag des Bundesministeriums des Innern für Heimat (BMI) vom 24. März bis 29. März durchgeführt. Die Ergebnisse der insgesamt 1.936 Interviews (Befragungen vor Ort in Berlin, Hamburg und München und auf den Webseiten von BMI, Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und Germany4Ukraine.de) lassen u.a. Rückschlüsse über Motivationen bei der Wahl des Fluchtziels und wichtigste Bedarfe der Geflüchteten in Deutschland zu.

Zentrale Ergebnisse der Umfrage

84% sind Frauen – 58% sind gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet

Bei den befragten Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine handelt es sich ganz überwiegend um Frauen (84%), von denen 58% gemeinsam mit ihren Kindern geflüchtet sind, lediglich 17% sind alleine ohne Begleitung gekommen (überwiegend Ältere). Das Durchschnittsalter der befragten Geflüchteten ist 38,2 Jahre.

Häufigste Fluchtroute über Polen – Deutschland zentrales Fluchtziel

Die häufigste Fluchtroute führte über Polen (65%), gefolgt von den übrigen Anrainerstaaten der Ukraine mit ähnlichen Anteilen. Für 82% der Befragten stand Deutschland als Fluchtziel im Vordergrund, daneben wurden am häufigsten Polen, die Schweiz, Italien, Tschechien und die Niederlande als mögliches Ziel genannt.

Mehr als 40% der Befragten befindet sich derzeit in Großstädten

42% der Befragten halten sich gerade in Großstädten ab 500.000 Einwohnern auf, davon 14% in Berlin, 3% in Hamburg und 5% in München. Damit ist Berlin gegenwärtig am deutlichsten von den Flüchtlingsbewegungen belastet. Insgesamt wurden in der Befragung über 500 verschiedene Orte genannt.

Motive für den Aufenthaltsort und Unterkunft 

Für die Wahl des jetzigen Aufenthaltsortes sprach vor allem, dass dort Freunde oder Verwandte wohnen, die Stadt von Freunden empfohlen wurde, man dort am besten Arbeit finden kann und glaubt, in einer großen Stadt besser zurechtkommen zu können. Das Arbeitsargument sprach dabei neben den sozialen Kontakten am deutlichsten für die Großstädte.

24% der Befragten wohnen gegenwärtig bei Freunden (vor allem in Berlin und Hamburg), 22% in einer sonstigen Privatwohnung (vor allem in Hamburg und sonstigen Orten) und 19% bei Verwandten (vor allem in Berlin und anderen Großstädten). Daneben wird eine Vielzahl weiterer Unterkünfte angegeben, bei denen es sich sowohl um Sammelunterkünfte als auch um Hotels und ähnliches handelt.

Am wichtigsten sind den Befragten am jetzigen Ort finanzielle Hilfen, medizinische Versorgung und Hilfestellung bei Behördengängen, aber auch kostenfreier Nahverkehr, eine eigene Wohnung oder feste Unterkunft und Ansprechpartner, die Ukrainisch sprechen. Psychologische Hilfe halten 52% der Befragten für wichtig.

Ein knappes Drittel rechnet damit, bald in die Ukraine zurückkehren zu können

Lediglich 42% der Befragten wollen grundsätzlich unbedingt am jetzigen Ort bleiben. 32% rechnen damit, bald in die Ukraine zurückkehren zu können, 19% haben noch keinerlei Pläne.

Auf Nachfrage wären 53% der Befragten bereit, auch in eine andere oder kleinere Stadt umzuziehen. Gegen eine andere Stadt sprechen vor allem soziale Kontakte am gegenwärtigen Aufenthaltsort (32%) und bessere Jobaussichten (16%).

Weitere Ergebnisse der Umfrage (PDF, 975 KB) stehen beim Bundesinnenministerium zur Verfügung.

Quelle: Bundesministerium des Innern und für Heimat vom 04.04.2022

Redaktion: Laura Burger

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