Bildungsforschung

Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnungen

Bunt bemalte Kinderhände mit lachenden Gesichertern

Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) führte 2009-2010 im Anschluss an eine qualitative Vorstudie eine wissenschaftliche Untersuchung zum Thema „Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnungen“ durch. Beide Studien waren in einen größeren Prozess eingebettet, koordiniert durch die „Lenkungsgruppe Internationale Kinderbegegnungen“, an der die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland, BAG Kinder- und Jugenderholungszentren Deutschland, CISV Germany e.v., Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar, transfer e.V. sowie IJAB mitwirkten. Wir haben mit Ulrike Werner über die wichtigsten praktischen Erkenntnisse aus dieser wegweisenden Studie gesprochen.

03.05.2012

Ulrike WernerDipl.-Psychologin, ist Referentin bei IJAB für Qualifizierung und Weiterentwicklung in der Internationalen Jugendarbeit und Mitglied der "Lenkungsgruppe Internationale Kinderbegegnungen".
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Dr. Dirk Hänisch ist Sozialwissenschaftler und bei IJAB in der Stabsstelle Kommunikation für Fachdokumentationen und die Redaktion des "Forum Jugendarbeit International" zuständig.
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Dr. Dirk Hänisch: Internationale Jugendbegegnungen sind bereits seit vielen Jahren ein gängiges und verbreitetes Format innerhalb der internationalen Jugendarbeit, dessen positive Wirkungen auch wissenschaftlich belegt wurden. Seltener hört man jedoch von internationalen Begegnungen mit Kindern unter 12 Jahren. Machen solche Begegnungen überhaupt Sinn?

Ulrike Werner: In der heutigen Welt, die durch die Internationalisierung und Globalisierung der Lebens- und Arbeitswelten geprägt ist, gewinnt insbesondere die interkulturelle Bildung immer mehr an Bedeutung. Das gilt selbstverständlich auch für Kinder. Jetzt ist erstmals durch die Hauptstudie „Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnung“ des Deutschen Jugendinstituts eindrücklich belegt worden, dass bereits acht- bis zwölfjährige Kinder von internationalen Begegnungen profitieren und dort vielfältige interkulturelle Lernerfahrungen machen können, die ihnen zugute kommen. In diesem Alter werden grundlegende Moral- und Wertvorstellungen aufgebaut, außerdem besteht eine große Aufgeschlossenheit gegenüber anderen Einstellungen. Das macht diese Phase besonders geeignet für erste interkulturelle Lernprozesse.

Dr. Dirk Hänisch: Welche konkreten Lernerfahrungen können Kinder in diesem Alter machen?

Ulrike Werner: Die Studie zeigt, dass die Kinder zum einen viel Neues erfahren können, z.B. über die anderen Länder, die Menschen und das Leben dort. Zum anderen lernen sie verschiedene Möglichkeiten der Kommunikation kennen und erleben, dass Kinder aus anderen Ländern oft ganz ähnliche Interessen haben, manche Denk- und Verhaltensweisen aber auch durch die jeweilige Kultur geprägt sind.

Dr. Dirk Hänisch: Aus internationalen Jugendbegegnungen weiß man, dass interkulturelle Kontakte nicht automatisch zu einem größeren gegenseitigen Verständnis führen. Wie ist das bei Kinderbegegnungen?

Ulrike Werner:  Essentiell ist auch bei Kinderbegegnungen eine durchdachte Projektkonzeption, die vielfältige interkulturelle Kontaktmöglichkeiten schafft sowie eine kompetente pädagogische Begleitung, die den interkulturellen Austausch anregt und eine Reflexion der Erlebnisse unterstützt. Bei Kindern ist die Sprache ein besonders wichtiger Aspekt, da meistens nur wenige Fremdsprachenkenntnisse vorhanden sind. Deshalb ist es wichtig, die Kommunikation zu unterstützen und verschiedene Möglichkeiten der Verständigung aufzuzeigen. 

Dr. Dirk Hänisch: Welche Erwartungen an Fördergeber und politische Entscheider ergeben sich aus der Studie?

Ulrike Werner: Um mehr Kindern diese wertvollen Lernerfahrungen zu ermöglichen, wäre es wichtig, das Förderalter im Kinder- und Jugendplan entsprechend zu senken. In Ausnahmefällen ist zwar auch heute schon eine Förderung von Kindern möglich. Die mit diesen Einzelfallentscheidungen einhergehende Unsicherheit dürfte aber auf  interessierte Träger wenig motivierend wirken, sich in dem Bereich stärker zu engagieren.  Die Studie zeigt zudem auf, wie wichtig eine umfassende Vorbereitung  der Kinder und Eltern sowie eine qualifizierte, intensive Betreuung während der Begegnung sind. Es wäre hilfreich, wenn diese Faktoren in den Richtlinien Berücksichtigung fänden, z.B. durch einen entsprechenden Betreuungsschlüssel. 

Dr. Dirk Hänisch: Wie und wo kann man sich einen ersten Überblick auf die wichtigsten Ergebnisse der DJI-Studie verschaffen?

Ulrike Werner: Einen schnellen und kompakten Überblick bietet der Flyer „Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnungen“, der in komprimierter Form Aufbau und Ziele der Studie, deren wichtigste Ergebnisse sowie zentrale Empfehlungen für die Praxis darstellt. Der Flyer kann kostenlos bei IJAB bestellt oder direkt als PDF-Datei heruntergeladen werden.

Link zum Informationsflyer "Interkulturelle Kompetenz durch internationale Kinderbegegnungen": <link http: www.ijab.de publikationen detail _blank external-link-new-window external link in new>bitte hier klicken (pdf)! 

Quelle: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Redaktion: Christian Herrmann

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