Inklusion

Inklusive Kulturarbeit: Die Gewinner des Innovationspreises Soziokultur 2014

Junges Maedchen trägt ein behindertes Kind huckepack

Der bundesweite Innovationspreis Soziokultur zum Thema "Inklusion" wurde vom Fonds Soziokultur an drei beispielhafte Projekte verliehen, die den Mehrwert der inklusiven Kulturarbeit deutlich machen.

04.05.2015

Die Preisverleihung

Im Berliner Theater Thikwa wurden am 29. April die drei Gewinner des Innovationspreis Soziokultur 2014 ausgezeichnet und damit ihre besondere Leistung im Feld der inklusiven Kulturarbeit gewürdigt.

Kurt Eichler, Vorsitzender des Fonds Soziokultur e.V., betonte in seiner Begrüßungsrede die Wichtigkeit modellhafter Projekte, die ein gleichberechtigtes kulturelles Miteinander fördern. Eichler verwies in diesem Zusammenhang auf die Geschichte des Berliner <link http: www.thikwa.de external-link-new-window des theater>Theater Thikwa, das als erstes barrierefreies Theater bundesweit gilt, in dem behinderte und nicht-behinderte Menschen professionell zusammen Kunst produzierten. Auch Verena Bentele, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, würdigte in ihrer Begrüßungsrede den Veranstaltungsort als beispielhaft. Die gemeinsame Erfahrung von Menschen mit und ohne Handicap sei unerlässlich und biete ein Mehrwert für alle Beteiligten. Bentele dankt dem Fonds Soziokultur für die Auslobung des Innovationspreises im Gesamten, und insbesondere für das Thema des Jahres 2014. Mit Verweis auf die UN-Behindertenrechtskonvention jeder Mensch hat das Recht am kulturellen Leben gleichberechtigt teilzuhaben müsse Kunst barrierefrei und für alle Menschen zugänglich sein. Die an diesem Abend prämierten Projekte machen für Bentele die inklusive Kulturarbeit greifbar und geben ihr ein Gesicht.

Ministerialdirektor Dr. Günter Winands, Abteilungsleiter bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, bezeichnete in seinem Festvortrag die Barrierefreiheit als eine selbstverständliche Anforderung. Jeder Mensch habe das Recht auf Teilhabe und Mitwirkung. Die Palette, was im Bereich Barrierefreiheit noch zu verbessern sei, wäre breit, doch mit Kreativität und Empathie wären entsprechende Möglichkeiten zu finden. Inklusion betrachte er als ständige Herausforderung, insbesondere in der Kulturarbeit. In diesem Sinne dankte Winands dem Fonds Soziokultur ausdrücklich für die Akzentsetzung mit der Wahl des diesmaligen Themas "Inklusion".

Die Gewinner

Der Innovationspreis wurde gleichberechtigt vergeben an den Förderverein der Grundschule "Miriam Lundner" in Halberstadt für das Projekt "WIR machen Theater", an die Dortmunder Initiative "Kreativität inklusive" für "Der Kleine Prinz in der Fassung der UN-Behindertenrechtskonvention" und an das inklusive Hamburger Netzwerk <link http: www.barner16.de external-link-new-window von barner>"barner 16" für das Projekt "change your mind / hexflash".

Nach Auffassung der Jury zeichnen sich die ausgewählten Projekte durch einen inklusiven Ansatz aus, der – trotz jeweils unterschiedlicher Akzentsetzungen – nicht die Behinderung in das Zentrum der Kulturarbeit rückt, sondern das gemeinsame kreative Gestalten aller betont und dabei Wert auf die künstlerische Qualität legt.

Auszüge aus der Jury-Begründung

Das Projekt "WIR machen Theater"

"Mit Unterstützung von Theaterprofis und PädagogInnen wurde nicht nur ein anspruchsvolles Stück über den Zeitstress der Erwachsenenwelt inszeniert, sondern auch das künstlerische Zusammenspiel von jungen Menschen mit und ohne Handicap als Normalfall behandelt. Von der Gestaltung des Bühnenbildes über die musikalische Begleitung bis zur Choreografie der Einzelszenen wurde alles gleichberechtigt entwickelt und möglichst zusammen umgesetzt. Die gemeinsame Arbeit setzte kreative Energien frei, die nicht nur in die Qualität des Theaterstücks einflossen, sondern auch die unterschiedlichen Handicaps der Kinder- und Jugendlichen vergessen ließen. Wenn im künstlerischen Prozess Behinderung keine Rolle spielt, dann treten die Akteure auch nicht mehr primär als Behinderte, sondern als KünstlerInnen auf."

Das Projekt "Der Kleine Prinz in der Fassung der UN-Behindertenrechtskonvention"

"30 Akteure aus Freier Theaterszene, Behindertenverbänden und der Max-Wittmann-Förderschule bereiteten gemeinsam eine Theaterrevue vor: von der Erstellung eines Exposés über Bühnengestaltung, Musikauswahl und erste Proben bis zur Premiere. In der inklusiven Theaterrevue trafen sich Menschen mit unterschiedlichen Lebensvoraussetzungen und Fähigkeiten, reflektierten mit Witz und Selbstironie eigene und fremde Behinderungen und stellten dabei fest, wie ähnlich sie einander waren. Die Beteiligten auf und hinter der Bühne entwickelten dabei eine große Spielfreude, die sich auch auf das Publikum übertrug. Selbst- und Fremderfahrung vermischten sich; behindert werden und behindert sein wurden als zwei Seiten derselben Medaille erkannt. [...]

Der inklusive Ansatz von "Der Kleine Prinz in der Fassung der UN-Behindertenrechtskonvention" ermutigte Menschen mit Handicap, ihre Kreativität zu entdecken und sich künstlerisch mit ihrer Lebenssituation auseinanderzusetzen. Er zeigte Potenziale auf, die durch inklusives Miteinander mobilisiert werden können."

Das Projekt "change your mind / hexflash"

"Rund 20 Jugendliche mit und ohne Handicap erarbeiteten unter professioneller Anleitung entsprechende Musik-, Gesang-, Text- und Tanzpassagen, die schließlich in einer fulminanten Aufführung, dem "hexflash", gipfelten. Die besondere Qualität des Projektes lag nicht nur darin begründet, Berührungsängste ab- und ein auf Toleranz basierendes Verständnis für das Gegenüber aufzubauen, sondern vor allem im konzeptionellen Ansatz, Inklusion im künstlerischen Prozess exemplarisch zur Geltung zur bringen. Bei der gemeinsamen Inszenierung des Street-Art-Musicals bewiesen die Akteure, dass Ausgrenzung und Behinderung keine Rolle mehr spielen, wenn man erkennt, dass jeder etwas zum Erfolg der Aufführung beitragen kann.

Die Verantwortlichen von "change your mind / hexflash" haben damit eindrucksvoll gezeigt, dass inklusive Kulturarbeit verborgene künstlerische Prozesse freisetzt, indem sie nicht nur den Zugang zu Kunst und Kultur für alle eröffnet, sondern ebenso zur gleichberechtigten Zusammenarbeit einlädt."

Hintergrundinformationen

<link http: www.fonds-soziokultur.de html sozioset.html external-link-new-window des fonds>Der Fonds Soziokultur fördert seit 1988 Projekte, mit denen Menschen zur aktiven Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben ermutigt werden. Die Projekte sollen Modellcharakter haben und für andere soziokulturelle Initiativen und Einrichtungen qualitative Maßstäbe setzen. Die Haushaltsmittel des Fonds in Höhe von derzeit jährlich eine Million Euro werden von der Kulturstiftung des Bundes bereitgestellt.
Alle zwei Jahre verbindet der Fonds Soziokultur seine Mittelausschreibung mit der Vorgabe eines Leitthemas und der Auslobung des insgesamt mit 18.000 Euro dotierten Innovationspreis Soziokultur. Der Preis versteht sich als zusätzlicher Anreiz zur Entwicklung von beispielhaften Projekten zum jeweils ausgewählten Thema.

Quelle: Auszüge aus der Jury-Begründung - Fonds Soziokultur e.V.

Redaktion: Nadine Heßdörfer

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