Bildungspolitik

DGB: Bildungswesen darf keine Integrationsbremse sein

Mit Blick auf das heute im Bundeskabinett beschlossene bundesweite Integrationsprogramm kritisierte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Ingrid Sehrbrock am Mittwoch in Berlin: „Das deutsche Bildungssystem hält zu wenig Angebote für erfolgreiche Integration bereit. Es mangelt an Kinderkrippen, echten Ganztagsschulen und Plätzen in Integrationskursen. Zudem warten rund 500.000 erwachsene MigrantInnen noch immer auf die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Abschlüsse. Diese Fakten gehören auch zu einer ernsthaften Diskussion über Integration in unserer Gesellschaft. Unser Bildungswesen darf keine Integrationsbremse sein.“

08.09.2010

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende begrüßte das Vorhaben der Bundesregierung, mehr PädagogInnen mit Migrationshintergrund anzuwerben. Zudem müssen auch mehr deutsche Fachkräfte mit der Zusatzqualifikation „Deutsch als Zweitsprache“ eingestellt werden.

Sehrbrock unterstrich, dass nach Zahlen des Nationalen Bildungsberichts immerhin 85 Prozent der Eltern mit Einwandererhintergrund ihre Kinder völlig freiwillig in einen Kindergarten schicken. „Das Gros der Eltern will den Bildungsaufstieg für ihre Kinder, die Angebote sind aber unzureichend.“, sagte Sehrbrock. So haben Kinder aus Hartz IV-Familien in den meisten Bundesländern noch immer nur sehr eingeschränkten Zugang zu Kindertagesstätten. Auch die Sprachförderung in Kitas müsse verbessert werden. Zurzeit gebe es in 14 Bundesländern rund 17 Verfahren zur Sprachstandsfeststellung. Eine gemeinsame Evaluation findet aber nicht statt. „Es wäre ein wesentlicher Schritt für mehr und bessere Integration, dieses föderale Chaos zu beenden“, sagte Sehrbrock.

Herausgeber: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)

 

Redaktion: Ilja Koschembar

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