Erziehungsberatung
Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa warnt: Kindeswohlgefährdung nimmt alarmierend zu
Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa warnt vor Kürzungen präventiver Angebote in der Jugendhilfe. Laut Statistischem Bundesamt stiegen 2024 Inobhutnahmen wegen akuter Kindeswohlgefährdung um 10 % (+2.600 Fälle). Die Caritas fordert eine gesicherte Finanzierung und mehr Ressourcen für Jugendämter und freie Träger.
09.09.2025
„Kinder und Jugendliche brauchen Schutz und eine gute Perspektive, nicht erst, wenn es zu spät ist”, mahnt Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa, anlässlich ihres Besuchs in der Jugendhilfeeinrichtung St. Mauritz in Münster.
„Wenn präventive Unterstützungsangebote wie die Erziehungsberatung aufgrund von Haushaltskürzungen wegbrechen, steigt das Risiko, dass Kinder erst dann Hilfe bekommen, wenn sie bereits in akuten Notsituationen sind. Damit bringen wir Kinder in große Gefahr und verschärfen zudem die Überlastung der Jugendämter. Hilfe für die gefährdeten Kinder und Jugendlichen muss sofort und rechtzeitig kommen.”
Die Caritas fordert deshalb eine bundesweit gesicherte Finanzierung von präventiven Maßnahmen sowie eine ausreichende Finanzausstattung der Jugendämter, um gemeinsam mit freien Trägern dringend benötigte Plätze in der Jugendhilfe schaffen zu können.
Alarmierende Entwicklungen bei Kindeswohlgefährdung
Die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes verdeutlichen die Entwicklung. Im Jahr 2024 stieg die Zahl der Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdung ist um 10 % (rund 2.600 Fälle) ebenso die Zahl der Selbstmeldungen von Kindern und Jugendlichen, die um 10 % (rund 850 Fälle). Damit erhalten Kinder immer häufiger erst dann Schutz von den Jugendämtern, wenn bereits erhebliche Gefährdungen vorliegen. „Die Erziehungsberatung ist ein Schlüssel, um diese Eskalation zu verhindern” so Welskop-Deffaa. „Sie unterstützt Familien frühzeitig, bevor Situationen eskalieren und eine Inobhutnahme überhaupt notwendig wird.”
Fehlende Plätze und lange Unterbringungszeiten
Michael Kaiser, Geschäftsführer und Heimleiter der Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz, beschreibt die Situation in der Praxis:
„Die Jugendämter suchen händeringend nach Plätzen für Kinder und Jugendliche, doch es fehlen sowohl Plätze in den Einrichtungen als auch Pflegefamilien. Ohne eine bessere finanzielle Ausstattung der Jugendämter und eine verlässliche Förderung der freien Träger können wir diese Plätze nicht schaffen. Viele Kinder bleiben erschreckend lange in der Inobhutnahme, weil es an Anschlusslösungen fehlt.”
Prävention statt Kürzungen
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen warnt die Caritas eindringlich vor den in den Haushaltsberatungen diskutierten Kürzungen bei präventiven Maßnahmen. „Unterstützung für Kinder und Familien bedeutet weit mehr als nur Kindergeld”, so Welskop-Deffaa.
„Eine familienfreundliche Gesellschaft braucht verlässliche und hochwertige Beratungs- und Betreuungsangebote sowie eine Kultur, in der Kinder, Jugendliche und Familien sich sicher und willkommen fühlen. Nur so verhindern wir Eskalationen und schaffen Perspektiven.”
Am 29. August besucht Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa die Kinder- und Jugendhilfe St. Mauritz. Hier lernt sie das traumapädagogische Konzept kennen, besichtigt Gruppen und die Gartentherapie und tauscht sich aus zu den Themen Kinderschutz, Inobhutnahme, Partizipation, Nachhaltigkeit und Klimaschutz.
Hintergrund und Zahlen
Am 28. Juli 2025 meldete das Statistische Bundesamt für 2024 insgesamt 69.500 Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen - 7 % weniger als im Vorjahr. Der Rückgang liegt vor allem an 22 % weniger Fällen unbegleiteter Einreisen (-8.500). Dagegen stiegen Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdung um 10 % (+2.600) und Selbstmeldungen ebenfalls um 10 % (+850).
„Woche der Erziehungshilfe“ in NRW, vom 1. bis 5. September
Vom 1. bis zum 5. September findet in ganz NRW die Woche der Erziehungshilfen statt. Sämtliche Träger der Freien Wohlfahrtspflege richten in diesem Zeitraum ein buntes Programm mit Angeboten und Veranstaltungen zum Thema aus.
Quelle: Caritas vom 29.08.2025
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