Kinderschutz

Anstieg sexualisierter Ausbeutung sehr junger Kinder im Internet

Neben der global rasant voranschreitenden Digitalisierung hat die Covid-19-Pandemie zu einem Anstieg der Ausbeutungsfälle in den letzten Jahren beigetragen. In ihrer Folge mussten Kinder weltweit ihr Sozialleben in die digitale Welt verlagern, oftmals ohne Aufklärung und Beaufsichtigung. World Vision Deutschland fordert die Politik zum Handeln auf.

22.06.2023

Allein im Jahr 2021 wurden 29 Millionen Fälle sexualisierter Online-Ausbeutung von Kindern gemeldet (Quelle: Strategiepapier von „End Violence Against Children“). Dies entspricht einem Anstieg von 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kinder im Alter von 7 bis 10 Jahren waren vom Anstieg besonders betroffen. Hier wuchs die Zahl der Betroffenen um 235 Prozent innerhalb eines Jahres. Die schweren geistigen und körperlichen Folgen eines solchen Missbrauchs tragen die Kinder ein Leben lang.

Aktion am Brandenburger Tor

World Vision Deutschland in Berlin am Brandenburger Tor setzt ein öffentliches Zeichen für einen besseren Kinderschutz unter dem Motto „Hände weg von meiner Kindheit“. Mitglieder des Bundestages sind dazu eingeladen, eine Schweigeminute für die Kinder einzulegen, die Opfer sexualisierter Ausbeutung im Internet geworden sind, und Forderungen von World Vision Deutschland e.V. an die Bundesregierung auf einem überdimensionalen Tablet zu unterzeichnen. Zudem ruft World Vision dazu auf, die Petition #SafeSeinOnline zu unterstützen.

Bei der sexualisierten Ausbeutung von Kindern im Internet geht es konkret um:

  • die Darstellung sexualisierter Gewalt gegen Kinder per Foto oder Video
  • Online-Livestreaming, in Form sexualisierter Interaktionen mit Kindern über Webcams ohne direkten physischen Kontakt
  • Sextortion, eine Form der Erpressung, bei welcher der Täter/die Täterin einer Person mit der Veröffentlichung von Nacktfotos oder -Videos des Opfers droht, um das Opfer zum Beispiel zu einer Geldzahlung oder zur Vornahme sexueller Handlungen zu zwingen
  • Cyber-Grooming, die Anbahnung sexueller Kontakte mit Minderjährigen im Internet. 

World Vision engagiert sich u.a. in Thailand, Vietnam und auf den Philippinen gezielt gegen die sexualisierte Online-Ausbeutung von Mädchen und Jungen. Auf den Philippinen hat World Vision seit 2018 Präventionsworkshops mit etwa 79.000 Kindern in 20 Gemeinden durchgeführt, um sie für die Gefahren im Internet zu sensibilisieren und ihre Medienkompetenz zu stärken. 

Zudem hat die Hilfsorganisation über 8.600 Erwachsene zum Thema Kinderschutz geschult. Viele Projekte kooperieren mit lokalen Kinderschutzräten und stärken ihre Melde- und Überweisungsmechanismen. 

Mehr internationale Zusammenarbeit und Krisen-Prävention gefordert

Gudrun Schattschneider, Leiterin der politischen Abteilung von World Vision Deutschland, fordert:

„Um der sexualisierten Online-Ausbeutung von Kindern im Globalen Süden entgegenzuwirken, fordern wir von der Bundesregierung mehr Armutsbekämpfung durch Entwicklungszusammenarbeit und soziale Sicherungssysteme, mehr Investitionen in Bildung, um Kindern durch den Aufbau resilienter Bildungssysteme eine Perspektive zu geben und mehr Aufklärung, um das gesellschaftliche Bewusstsein für die Gefahren im Internet zu stärken.“

Die sexualisierte Ausbeutung von Kindern im Internet macht keinen Halt vor geografischen Grenzen. Mädchen und Jungen sind auch hierzulande und in anderen Industrieländern gefährdet. In Deutschland engagiert sich World Vision daher mit anderen Nichtregierungsorganisationen mittels der Petition #SafeSeinOnline für einen besseren Kinderschutz im Internet. Gemeinsam fordern sie von der Bundesregierung, das Recht auf Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum zu priorisieren, Unternehmen in die Verantwortung nehmen, um Risiken im digitalen Raum entgegenzuwirken, die internationale Zusammenarbeit im Sinne des Kinderschutzes zu stärken und eine wirksame Strafverfolgung zu ermöglichen.

Quelle: World Vision Deutschland e.V. vom 15.06.2023

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