Barrierefreies Gesundheitssystem
94 Prozent der Menschen mit Behinderung sehen Staat in der Verantwortung
Eine Umfrage zeigt: Menschen mit Behinderung sind grundsätzlich mit dem Gesundheitssystem zufrieden, bemängeln aber mangelnde Unterstützung durch Behörden und Versicherungen bei der Gesundheitsförderung. Aktion Mensch fordert, Barrierefreiheit und diskriminierungsfreier Umgang müssen umfassend gewährleistet sein.
28.04.2025
Laut 94 Prozent der Menschen mit Behinderung sollte der Staat für ein barrierefreies und inklusives Gesundheitssystem sorgen, von dem alle profitieren können. Doch mehr als die Hälfte (54 Prozent) nimmt Barrieren oder Hürden wahr, die den Zugang zu Gesundheitsleistungen erschweren. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle bundesweite Online-Umfrage, die die Sozialorganisation Aktion Mensch anlässlich des Weltgesundheitstages am kommenden Montag veröffentlicht hat.
Finanzielle Hürden und hohe Kosten bei Zuzahlungen (41 Prozent), ein Nichteingehen auf besondere Bedarfe aufgrund ihrer Behinderung (36 Prozent) sowie räumliche Barrieren wie etwa fehlende Rampen (25 Prozent) – mit diesen zentralen Herausforderungen sehen sich Menschen mit Behinderung im Gesundheitswesen konfrontiert. Durch hohe Gesundheitskosten belastet fühlen sich damit mehr als doppelt so viele wie in der Gesamtbevölkerung (20 Prozent). Da Menschen mit Behinderung ohnehin einem höheren Armutsrisiko unterliegen, ist dies besonders besorgniserregend. 54 Prozent von ihnen sind zudem davon überzeugt, einen häufig schlechteren Zugang zu Gesundheitsleistungen zu haben als Menschen ohne Behinderung.
„Bei der Gesundheit darf es keine strukturelle Benachteiligung von Menschen mit Behinderung geben – gelebte Realität ist das aber längst nicht“, mahnt Christina Marx, Sprecherin der Aktion Mensch.
„Neben der vielfach noch mangelnden Barrierefreiheit in Praxen und anderen medizinischen Einrichtungen zeigt unsere Erhebung auch: Mehr als jede*r Fünfte hat Angst vor Ablehnung und Ausgrenzung durch Gesundheitspersonal. Gezielte Anstrengungen hinsichtlich einer diskriminierungssensiblen Ausbildung und Schulung müssen entsprechend die Folge sein.“
Behörden und Versicherungen: Langsam, frustrierend und kompliziert
Kritisch äußert sich die Mehrheit der befragten Menschen mit Behinderung außerdem in Bezug auf Behörden, Kranken- oder Pflegeversicherungen: 61 Prozent sind der Meinung, dass diese Institutionen sie nicht genügend bei der Gesundheitsförderung unterstützen. Am Kontakt mit Behörden und Versicherungen beklagen sie dabei vor allem die lange Bearbeitungsdauer (36 Prozent) und bewerten ihn als frustrierend (30 Prozent) sowie kompliziert (28 Prozent).
Zufriedenheit mit Versorgungsqualität und Gesundheitssystem insgesamt
Ein positives Bild zeichnet die Umfrage dagegen bei der Bewertung des Gesundheitssystems insgesamt: Immerhin fast zwei Drittel (64 Prozent) der Menschen mit Behinderung fühlen sich grundsätzlich gut durch dieses unterstützt. Während weitere 74 Prozent angeben, medizinische Hilfe auch zu bekommen, wenn sie diese benötigen, erachten ebenso viele die Behandlung und Qualität als gut, sobald sie Ärzt*innen, Therapeut*innen, das Krankenhaus oder die Apotheke aufsuchen.
Digitale Affinität bei Menschen mit Behinderung höher
In Online-Angeboten oder digitalen Diensten im Gesundheitssystem sieht die große Mehrheit der Menschen mit Behinderung zudem eine Bereicherung (79 Prozent) und will davon auch in Zukunft Gebrauch machen (72 Prozent). Im Vergleich zum Rest der Bevölkerung haben sie so bereits deutlich häufiger das E-Rezept genutzt (69 zu 47 Prozent) oder Termine online vereinbart (67 zu 50 Prozent).
Quelle: Aktion Mensch vom 03.04.2025
Termine zum Thema
-
24.06.2026
Herausfordernde Zeiten? Konfliktdynamiken in Gruppen & Teams besser verstehen und begegnen
-
24.06.2026
Inklusiver Kinderschutz - Kinder mit Beeinträchtigungen ganzheitlich im Schutzauftrag denken
-
25.06.2026
Kooperation zwischen Anspruch und Wirklichkeit - Kinder- und Jugendhilfe & Gesundheitswesen im Kinderschutz
-
26.06.2026
Fortbildung: Antisemitismus im Kontext von Israel und Nahostkonflikt. Pädagogische Herausforderungen und Möglichkeiten nach dem 7. Oktober
-
02.11.2026
Striche spazieren führen – Visuelle Kommunikation in der pädagogischen Praxis
Materialien zum Thema
-
Monographie / Buch
akademisieren, professionalisieren, transformieren. SAGE-Hochschulen im Strukturwandel am Beispiel der Alice Salomon Hochschule Berlin
-
Checkliste für inklusives und barrierefreies Veranstaltungsmanagement
-
Webangebot / -portal
Mission magisches Tagebuch, ein Abenteuer-Mutmach-Podcast der ARD
-
Broschüre
Inklusive Gestaltung der Kinder- und Jugendhilfe - Stand und Perspektiven der Jugendämter
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Vom Schulaustausch erzählen, aber wie?
Projekte zum Thema
-
Landesarbeitsgemeinschaft Jungen*- & Männer*arbeit BW
Vielfalt geht - Ein Mitmachprojekt für junge Menschen mit und ohne Behinderung
-
„Sichtbar Handeln! Gegen Antisemitismus.“: Angebote schaffen Lernräume
-
Künstler-Advokat-Innen e.V.
Af Al Pi Chen – Trotz Alledem
-
Agentur für Soziale Perspektiven e.V.
Queere-Jugend-Berlin.de
-
Unser Europa, unsere Zukunft
Institutionen zum Thema
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
ufuq.de
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Bildungsstätte Bredbeck
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
miteinanderleben e.V.
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
switch Gesellschaft für lösungsorientierte Pädagogik GmbH & Co KG