Gesundheit und Wohlbefinden

Geistige Gesundheit

Nationale Strategie(n)

Die Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kinder- und Jugendgesundheit nimmt auch die psychische und geistige Gesundheitssituation von jungen Menschen in den Blick. In diesem Zusammenhang fördert das Bundesgesundheitsministerium Projekte mit dem Ziel, die gesundheitliche Versorgung und die Gesundheitssituation von jungen Menschen weiter zu verbessern. Nachfolgend werden einige Projekte beispielhaft genannt:

  • Pilotstudie und Konzeptentwicklung für ein bundesweites Monitoring der Kinder- und Jugendgesundheit (PINOKIJO) – Aufbau eines Monitorings der Gesundheit junger Menschen (Panel Kohorte 11–13 Jahre).
  • Kindergesundheit in Deutschland aktuell (KIDA) – Monitoring der Kindergesundheit während und nach der COVID-19-Pandemie.
  • PSYCH-U-Screening – Evaluation eines Screening-Instruments zur Früherkennung psychischer Auffälligkeiten im Rahmen der U- und J-Untersuchungen.
  • Kidstime-Workshops – Modellprojekt zur Durchführung qualitätsgesicherter Workshops für Kinder von psychisch kranken Eltern und deren Familien.
  • SIDA-ESS – Strategien zur Integration evidenzbasierter digitaler Angebote in die Behandlung von Essstörungen.
  • DigiBEssst – Digitale Beratungsangebote professioneller Beratungsstellen für Essstörungen: Bestandsaufnahme und Entwicklung von Qualitätsleitlinien.
  • IPI KiJu – Innovation in Partizipation und Information bei psychischen Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen; Stärkung von Information und Beteiligung.
  • AWMF S3(+) Kinderschutzleitlinie – Erstellung einer evidenzbasierten Leitlinie zu Kindesmisshandlung, -missbrauch, -vernachlässigung unter Einbeziehung Jugendhilfe und Pädagogik.
  • E-Learning-Programm Grundkurs Kinderschutz in der Medizin – Entwicklung eines Online-Weiterbildungsprogramms für medizinische und gesundheitsbezogene Fachkräfte.

Darüber hinaus arbeitet die Bundesregierung seit 2024 an einer eigenständigen Strategie „Mentale Gesundheit für junge Menschen“, deren Veröffentlichung für 2026 angekündigt ist.

Verbesserung der geistigen Gesundheit Jugendlicher

Förderinitiative „Gesund – ein Leben lang“ 

Ziel dieser Fördermaßnahme vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist es, die Grundlage dafür zu schaffen, dass Kinder und Jugendliche gesund bleiben oder schneller genesen. Dabei stehen kindgerechte Präventions- und Therapieansätze für chronische Erkrankungen und psychische Störungen, Konzepte der Gesunderhaltung und Prävention für Risikogruppen sowie biologische und molekulare Mechanismen prägender Einflüsse auf Gesundheit und Krankheit im Vordergrund. Die Themen der Forschungsverbünde decken ein weites Spektrum ab. Sie untersuchen bessere Diagnose- sowie Präventions- und Behandlungsmethoden für psychische Probleme sowie körperliche Erkrankungen. Auch wird die frühe Prägung der körperlichen und psychischen Gesundheit durch frühkindliche Lebensereignisse untersucht.

Interminiserielle Arbeitsgruppe „Kinder psychisch kranker Eltern“ 

Die ressortübergreifende Arbeitsgruppe „Kinder psychisch- und suchterkrankter Eltern“ wurde 2018 eingesetzt und hat Ende 2019 ihren Abschlussbericht mit 19 Empfehlungen vorgelegt. Ihre Empfehlungen wurden in Gesetzesreformen aufgegriffen. So erleichtert seit 2021 § 20 SGB VIII („Hilfen zur Betreuung und Versorgung des Kindes in Notsituationen“) den Zugang zu Unterstützungsleistungen: Eltern mit psychischer Erkrankung können nun im Krisenfall direkt niedrigschwellige Hilfe (z. B. über Erziehungsberatungsstellen) erhalten, ohne formellen Antrag beim Jugendamt. Diese Neuerung geht unmittelbar auf die Empfehlungen der AG KpkE zurück. Anstelle der Arbeitsgruppe wirkt heute ein Bündnis zivilgesellschaftlicher Akteure – das Bündnis für Kinder psychisch belasteter Eltern – weiter auf Fortschritte hin.

Bündnis KipsFam – Für Kinder aus psychisch und suchtbelasteten Familien

Das Bündnis KipsFam ist ein bundesweites Netzwerk aus Fachorganisationen der Kinder- und Jugendhilfe, des Gesundheits- und Suchthilfesystems sowie der Wissenschaft. Ziel ist es, Kinder aus psychisch oder suchtbelasteten Familien besser zu schützen und zu unterstützen und die Versorgung politisch wie fachlich zu verbessern. Ausgehend von fachpolitischen Initiativen seit 2014 und den Empfehlungen der AG KpkE (2019) wurde das Bündnis 2024 formal gegründet. Seit 2025 arbeitet KipsFam mit Projektförderung und Geschäftsstelle als koordinierte Interessenvertretung auf Bundesebene.

Informationsportal über Depressionen „ich bin alles“ 

Das Projekt „ich bin alles“ wurde von der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des LMU Klinikums München in Partnerschaft mit der Beisheim Stiftung entwickelt. Die Inhalte der dazugehörigen Webseite über Depressionen wurden umfangreich recherchiert und basieren auf wissenschaftlichen Studien und Erkenntnissen. Die Informationen der Webseite zur Behandlung von Depressionen basieren auf der S3-Leitlinie zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit einer depressiven Störung. Teile der Webseite werden in wissenschaftlichen Evaluationsstudien evaluiert, um sicherzustellen, dass die Informationen auf der Webseite für die Nutzer/-innen verständlich sind sowie zu einem Wissenszuwachs führen. 

Initiative „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“

Die Initiative „Leben hat Gewicht – gemeinsam gegen den Schlankheitswahn“ wurde im Dezember 2007 ins Leben gerufen. Ziel war es, für das Thema Essstörungen zu sensibilisieren, jungen Menschen ein positives Körperbild zu vermitteln und ihr Selbstwertgefühl zu stärken. 

Als eigenständige Kampagne ist „Leben hat Gewicht“ heute nicht mehr aktiv; die Zielsetzungen werden jedoch durch dauerhafte Strukturen weitergeführt. So informiert und berät das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) umfassend zum Thema Essstörungen. Das offizielle Informationsportal Essstörungen bietet Betroffenen, Angehörigen und Fachkräften Hilfsangebote, Hintergrundwissen und eine bundesweite Datenbank von Beratungsstellen. Auch der Bundesfachverband Essstörungen sowie das Netzwerk „Nummer gegen Kummer“ wirken als Nachfolger der Initiative weiter. Das BIÖG entwickelt weiterhin Aufklärungsmaterialien für Schulen, Eltern und Jugendliche, um ein gesundes Körperbild zu fördern und Essstörungen vorzubeugen.

Forschungsverbünde zu Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend

Sexualisierte Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen ist ein schwerwiegendes und seit langem bekanntes Problem. Ähnlich erschütternd sind Fälle von körperlichen oder psychischen Misshandlungen oder die Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen. Die Bundesregierung hat daher in 2010 den Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen im familiären Bereich“ eingerichtet, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen. Die Förderinitiative „Verhaltensstörungen im Zusammenhang mit Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch in Kindheit und Jugend“ und die deraus hervorgegangenen spezifischen medizinisch-psychologischen Verbünde (z.B. CANSAS, ENHANCE, AMIS) starteten um 2011/2012 und sind formal abgeschlossen.

Institutionalisierung der Forschung zu sexualisierter Gewalt

Die Forschung wird weitergeführt, hat sich aber verschoben bzw. verstetigt:

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Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.