Kinder- und Jugendarbeit

Wo steht die Kinder- und Jugendarbeit? – Daten aus der Einrichtungs- und Personalstatistik

Eine Reihe farbiger Püppchen

Wie ist es eigentlich um die Kinder- und Jugendarbeit bestellt und wie sind die aktuellen Entwicklungen zu bewerten? Dr. Jens Pothmann (AKJStat) geht dieser Frage anhand der aktuellen Zahlen zur Einrichtungs- und Personalstatistik nach und stellt Ergebnisse auf dem Bundesweiten Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit 2016 in Dortmund vor. Das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe war vor Ort und berichtet von dem Fachvortrag.

05.10.2016

Die Zahl der Beschäftigten in der Kinder- und Jugendhilfe steigt beständig: Ende des Jahres 2014 waren es insgesamt ca. 760.000 Personen, in Vollzeitäquivalenten entspricht dies runden 600.000 Stellen.

Aber nicht in allen Handlungsfeldern gab es Zuwächse. Während alleine die Kindertagesbetreuung Personalsteigerungen von 25 Prozent verzeichnet, und auch in den Bereichen von Jugendsozialarbeit, Allgemeinen sozialen Diensten und stationärer Heimerziehung Anstiege festzustellen sind, ist der Trend bei der Kinder- und Jugendarbeit rückläufig.

Kinder- und Jugendhilfe ist immer weniger Kinder- und Jugendarbeit

Kinder- und Jugendhilfe ist demnach immer weniger Kinder- und Jugendarbeit, stellt Dr. Jens Pothmann von der Dortmunder Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik (AKJStat) in seinem Vortrag fest.

Die Zahl der in der Kinder- und Jugendarbeit tätigen Personen ist seit 1998 um mehr als ein Drittel gesunken. Waren es damals noch runde 45.000 Personen sind Ende 2014 nur noch knapp 30.000 Beschäftigte zu verzeichnen. Bei den Vollzeitstellen ist der Rückgang noch drastischer: Gegenüber 33.000 im Jahr 1998 sind im Jahr 2014 nur noch runde 17.500 Stellen zu zählen, ein Rückgang von 47 Prozent.

Auch die Zahl der Einrichtungen geht um knapp 15 Prozent auf ca. 10.300 zurück, dies ist die niedrigste Zahl seit 1998.

Konsolidierung in den Personalstrukturen trotz Beschäftigungsrückgang

Die Geschlechterverteilung bleibt indes unverändert. Der Anteil von 58 Prozent Frauen entspricht den Quoten von 2010 und 2006. Und auch der langanhaltende Trend zu einem steigenden Anteil immer älterer Beschäftigter setzt sich nicht weiter fort.

Auch die Teilzeitquote verstetigt sich, wenngleich die Kinder- und Jugendarbeit weiterhin ein Arbeitsfeld mit hohem Anteil an Teilzeitbeschäftigten ist. Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten nicht in Vollzeit. Ihr Anteil nimmt aber nicht weiter zu, wie dies noch in den 2000er Jahren zu beobachten war.

Allerdings fällt der Beschäftigungsrückgang bei den befristet Beschäftigten besonders hoch aus. Ihr Anteil hat sich zwischen 2002 und 2014 nahezu halbiert, während der Rückgang bei den unbefristet Beschäftigten mit 24 Prozent gerade einmal halb so hoch ist.

Trotz bundesweitem Trend stellen sich die Ergebnisse für die einzelnen Bundesländer noch einmal unterschiedlich dar. Fällt der Personalrückgang in Berlin, Brandenburg oder Hessen besonders hoch aus, ist in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg sogar ein leichter Beschäftigungszuwachs zu verzeichnen.

Verschiebungen zwischen Kinder- und Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit

Während bei der Kinder- und Jugendarbeit die Beschäftigungszahlen deutlich zurück gehen, ist im gleichen Zeitraum eine Zunahme der Beschäftigung in der Jugendsozialarbeit festzustellen.

Weist die Statistik für die Kinder- und Jugendarbeit im Jahr 2014 rund 6.800 Mitarbeitende weniger aus, steigt die Beschäftigtenzahl für die Jugendsozialarbeit im gleichen Zeitraum um 2.800 Personen an. Der Personalanstieg vollzieht sich in der Schulsozialarbeit und der integrativen Betreuung und Erziehung an Schulen.

Diese Zahlen lassen sich als Hinweis deuten, dass ein Teil des Personalrückgangs in der Kinder- und Jugendarbeit auf Aufgabenverlagerungen hin zur Schule zurückzuführen ist.

Nichtsdestotrotz: Der Personalzuwachs im Bereich der Jugendsozialarbeit vermag die drastischen Rückgänge bei der Kinder- und Jugendarbeit nur zum Teil zu erklären.

Kinder- und Jugendarbeit in einem Transformationsprozess

Insgesamt stellt sich der Personalabbau im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit als nicht unmittelbar evident dar. Einerseits zeigt sich ein deutlicher Stellenrückgang, andererseits ist eine Konsolidierung in den Personalstrukturen festzustellen. Die Geschlechterverteilung ist konstant und der Trend zur Alterung scheint zum Stillstand gekommen.

Bei aller Zurückhaltung in der Interpretation sollten die Ergebnisse aber in den Debatten um eine Erosion und Entgrenzung des Arbeitsfeldes zur Kenntnis genommen werden. Darauf weist Dr. Pothmann besonders hin. Sie bilden einen weiteren Indikator dafür, dass sich das Arbeitsfeld in einem umfassenden Transformationsprozess befinde. Die Kinder- und Jugendarbeit müsse sich in diesem Sinne neu erfinden.

Diesen Befund hatte auch der Veranstalter des Fachkongresses, Prof. Dr. Thomas Rauschenbach in seinem Eröffnungsvortrag unterstrichen. Über die Rahmenveranstaltungen des Fachkongresses der Kinder- und Jugendarbeit liegt ebenfalls ein Bericht auf dem Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe vor: <link https: www.jugendhilfeportal.de jugendarbeit artikel bundesweiter-fachkongress-kinder-und-jugendarbeit-2016-potenziale-erkennen-zukunft-gestalten external-link-new-window über rahmenveranstaltung des fachkongresses kinder- und>Bundesweiter Fachkongress Kinder- und Jugendarbeit 2016 – Potenziale Erkennen, Zukunft Gestalten.

Weitere Informationen

Eine umfangreiche Interpretation zu den aktuellen Daten aus der Einrichtungs- und Personalstatistik ist unter dem Titel „Abbau oder Umbau? Ein Rückgang in der Kinder- und Jugendarbeit mit vielen Fragezeichen – Erklärungsversuche und Einordnungen zur Personalentwicklung“ in <link https: www.jugendhilfeportal.de material komdat-nr-22016-zur-personalsituation-in-der-kinder-und-jugendhilfe external-link-new-window zur personalstatistik in der kinder- und>KomDat 2/2016 (pdf 4,2 MB) erschienen.

Die Veröffentlichung steht mit Beiträgen zu weiteren Handlungsfeldern der Kinder- und Jugendhilfe im Materialbereich des Fachkräfteportals der Kinder- und Jugendhilfe zum Download zur Verfügung.

Redaktion: Frank Beckmann

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