WHO fordert

Schwangere und Stillende in Tuberkulose-Forschung einbeziehen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert in einem neuen Aufruf, schwangere und stillende Frauen endlich konsequent in die Tuberkulose-Forschung einzubeziehen. Jährlich erkranken rund 200.000 Frauen während oder kurz nach der Schwangerschaft an TB – doch sie bleiben bislang weitgehend von klinischen Studien ausgeschlossen.

01.09.2025

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gemeinsam mit einem Konsenspapier einen klaren Handlungsaufruf veröffentlicht: Die weltweite Gesundheitsgemeinschaft soll den routinemäßigen Ausschluss von schwangeren und stillenden Frauen aus der Tuberkulose-Forschung (TB) beenden. Diese wegweisende Initiative, entwickelt durch einen globalen Konsensprozess, legt einen umfassenden Rahmen vor, um einen gleichberechtigten Zugang zu Innovationen im Bereich TB für alle Menschen sicherzustellen – insbesondere für jene, die am stärksten gefährdet sind.

Jährlich erkranken Schätzungen zufolge rund 200.000 Frauen während der Schwangerschaft oder in der Zeit nach der Geburt an Tuberkulose. Dennoch bleiben sie in Forschung und klinischen Studien weitgehend unsichtbar. Dieser Ausschluss führt zu erheblichen Wissenslücken und verzögert den Zugang zu lebensrettenden Behandlungen und Impfstoffen für diese Bevölkerungsgruppe.

„Die Vorteile der TB-Forschung müssen allen Menschen mit Tuberkulose zugutekommen, auch schwangeren und stillenden Frauen“, 

betonte Dr. Tereza Kasaeva, Direktorin der WHO-Abteilung für HIV, TB, Hepatitis und sexuell übertragbare Infektionen

„Es ist an der Zeit, ihre Einbeziehung nicht als Nebensache, sondern als grundlegenden Schritt hin zu gerechter und evidenzbasierter Versorgung zu verstehen.“

Zentrale Maßnahmen des Aufrufs

  • Schließen von Datenlücken zu TB in Schwangerschaft und Wochenbett durch verbesserte Überwachung und Berichterstattung;

  • rechtzeitige Einleitung präklinischer Studien zur Bewertung von Wirksamkeit und Sicherheit neuer TB-Medikamente und Impfstoffe in der Schwangerschaft;

  • Einbeziehung von schwangeren und stillenden Frauen in allen Phasen von TB-Arzneimittelstudien;

  • Beteiligung von schwangeren und stillenden Frauen an der TB-Impfstoffforschung für Erwachsene, sofern ein günstiges Risiko-Nutzen-Profil vorliegt, mit Planung für Einführung und Überwachung;

  • Schaffung förderlicher Rahmenbedingungen durch Abbau rechtlicher, ethischer und regulatorischer Hürden;

  • Einbindung und Stärkung der betroffenen Gemeinschaften, um Forschung inklusiv, respektvoll und praxisnah zu gestalten.

Das Konsenspapier und der Handlungsaufruf sind das Ergebnis eines von der WHO geleiteten Prozesses, an dem mehr als 80 internationale Fachleute beteiligt waren. Behandelt wurden fünf Themenfelder: präklinische TB-Forschung, TB-Therapeutika, TB-Impfstoffstudien, Überwachung von TB in der Schwangerschaft sowie Advocacy. Die Dokumente liefern einen Fahrplan für Produktentwickler, Studienverantwortliche, Forschende, Regulierungsbehörden, Ethikkommissionen, staatliche Programme, Geldgeber und die Zivilgesellschaft, um die Einbeziehung von schwangeren und stillenden Frauen in die TB-Forschung entscheidend voranzubringen.

Quelle: World Health Organization (WHO) vom 22.08.2025