Qualifizierung

Niedersachsen: Erzieherinnen- und Erzieherberuf attraktiver machen – Ausbildung weiterentwickeln und nicht abwerten

Der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne stellte in der Landtagssitzung am 13. Dezember einen 6-Punkte-Plan zur Verbesserung und Weiterentwicklung des Erzieher/-innenberufs vor. Hierzu zählt neben der Forderung mehr Lehrkräfte für die Ausbildung einzustellen, Modellversuche mit dualisierten Ausbildungselementen zu starten und Alternativen zur vollschulischen Ausbildung anzubieten.

15.12.2017

Auszug aus der Rede von Grant Hendrik Tonne zu EA der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, Drs. 18/46:

„Das Problem ist hier nicht die gemeinsame Zielsetzung, herausfordernd ist der Weg dorthin - hier ist der Entschließungsantrag dann doch noch recht unkonkret. Ein breites und qualitativ hochwertiges Angebot an Einrichtungen der frühkindlichen Bildung verbessert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf einerseits und eröffnet Kindern Bildungs- und Teilhabechancen andererseits. In den über 5.000 niedersächsischen Krippen, Kindertagesstätten und Kindergärten wird der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungs- und Erwerbsbiografie der Kinder und Jugendlichen gelegt - und Eltern ermöglicht, ihrem Beruf nachzugehen, während ihr Nachwuchs gut betreut und gefördert wird. Genau das rechtfertigt jede politische Anstrengung!

Das ist der Verdienst der sozialpädagogischen Fachkräfte und der weiteren Betreuungskräfte in unseren Kindertageseinrichtungen und in der Kindertagespflege! Für deren Engagement bedanke ich mich!

Die Eltern in Niedersachsen haben Vertrauen in unsere Fachkräfte in den Kindertageseinrichtungen, das zeigt auch der starke Aufwuchs in den Betreuungszahlen sehr eindrucksvoll. Und: Dieses Vertrauen ist absolut gerechtfertigt! Das Personal, das in den niedersächsischen Kindertageseinrichtungen arbeitet, ist bestens ausgebildet und vorbereitet auf die Arbeit mit und für die „kleinsten Niedersachen“.

Niedersachsen setzt die bundesweiten Vorgaben der Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz konsequent um und sichert die Ausbildungsqualität. Erzieherinnen und Erzieher sind die Experten für Bildung, Erziehung und Betreuung und das soll auch so bleiben.

Zukunft des Erzieherinnen- und Erzieherberufs

Die letzten Jahre haben einen Aufwuchs der Zahlen mit sich gebracht. Das ist eine gute Entwicklung, aber noch mehr werden benötigt. Es darf keine Denkverbote auf diesem Weg geben. Wir dürfen nicht den Fehler machen, Wege von vorneherein auszuschließen. Notwendige Debatten über die Zukunft des Erzieherinnen- und Erzieherberufs werden mit mir nicht zu Lasten von Qualitätsstandards geführt! Sehr wohl führen will ich - müssen wir - eine Debatte darüber, wie das Tätigkeitsfeld noch attraktiver gemacht werden kann für junge Menschen.

Denn eines dürfte allen klar sein: Wir brauchen mehr Erzieherinnen und Erzieher in Niedersachen! Und zwar richtig!
Die Einführung der dritten Kraft in Krippengruppen, der Einstieg in die dritte Kraft in Kindergartengruppen sowie der Ausbau der Ganztagsangebote in Kindertagesstätten, Hort und Schule führen in Niedersachsen zusätzlich zu einem Mehrbedarf an Fachkräften und somit auch an Auszubildenden.

Das erfordert kräftige und vielfältige Anstrengungen. Für mich steht dabei ganz oben an - nennen Sie es einen

6-Punkte-Plan

  1. Die Ausbildungszahlen beim ErzieherInnenberuf weiter steigern
  2. Den Quereinstieg verbessern und schulische und berufliche Vorbildung in verantwortungsvoller Weise berücksichtigen
  3. Mehr Lehrkräfte für die Ausbildung einstellen
  4. Modellversuche mit dualisierten Ausbildungselementen starten und vor allem - im Vordergrund: Alternativen zur vollschulischen Ausbildung!
  5. Eine Werbekampagne für den Erzieherberuf starten
  6. Die Schulgeldfreiheit in der ErzieherInnenausbildung umsetzen! Das heute immer noch zu zahlende Schulgeld für die Ausbildung zu diesem Beruf ist ein Anachronismus, den wir schnellstens abschaffen werden! Wir müssen zu einer Ausbildungsvergütung kommen!

Mit diesem Paket werden wir dafür sorgen, dass es bald „in“ sein wird, Erzieherin oder Erzieher in Niedersachsen zu werden!

Bildung, Erziehung und Betreuung sind herausfordernde Anforderungen, denen sich unsere Gesellschaft stellen muss. Deshalb muss diesem hohen gesellschaftlichen Anspruch, der auch an die Fachkräfte und die Bildungseinrichtungen gestellt wird, mit gehaltvollen Lösungen begegnet werden.

Diese Maxime werden wir im Sinne der Kinder und der rund 14.000 Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zu ihrem Ausbildungsziel zur Erzieherin bzw. zum Erzieher immer bedenken! Ich freue mich sehr, wenn Sie an der Weiterentwicklung der Erzieher/-innenausbildung und an einer Steigerung der Wertschätzung für unserer Erzieherinnen und Erzieher mitwirken.“

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium vom 13.12.2017

Redaktion: Nadine Heßdörfer

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