Meilenstein für Vielfalt
Nach zweijährigem Beteiligungsverfahren ist der Bayerische Aktionsplan QUEER veröffentlicht
Mit dem Aktionsplan QUEER hat Bayern erstmals ein eigenständiges Landeskonzept für mehr Vielfalt und gegen Diskriminierung vorgestellt. Der Bayerische Jugendring begrüßt den Meilenstein – betont aber: Jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung, ausreichende Ressourcen und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Maßnahmen an.
28.07.2026
Es ist ein Tag, auf den die queere Community in Bayern lange gewartet hat: Mit dem Aktionsplan QUEER „Miteinander stärken. Diskriminierung überwinden.“ liegt heute erstmals ein eigenständiges Landeskonzept für ein queersensibles Bayern vor. Der Bayerische Jugendring (BJR) begrüßt die Veröffentlichung als wichtigen Meilenstein – und macht zugleich deutlich: Die Arbeit ist damit nicht beendet.
„Ich begrüße sehr, dass mit der Veröffentlichung des Aktionsplans QUEER nun ein wichtiger Meilenstein für ein vielfältiges und diskriminierungsfreieres Bayern erreicht ist“, sagt BJR-Präsident Philipp Seitz.
„Mein besonderer Dank gilt allen, die sich im Rahmen der unterschiedlichen Formate des Beteiligungsverfahrens mit ihren Erfahrungen, Ideen und konstruktiver Kritik eingebracht haben. Der demokratische Prozess unter breiter Beteiligung der Zivilgesellschaft hat damit einen wichtigen Meilenstein genommen. Jetzt gilt es, an den Ergebnissen weiterzuarbeiten und den Aktionsplan kontinuierlich weiterzuentwickeln.“
Patrick Wolf, ehrenamtlicher Vorsitzender der Kommission Queere Jugendarbeit im BJR, schließt sich dem Dank an die Engagierten ausdrücklich an:
„Umso wichtiger ist dieser Schritt, weil der Bund seinen eigenen Aktionsplan ‚Queer leben‘ inzwischen für abgeschlossen erklärt hat, ohne die darin enthaltenen Maßnahmen vollständig umzusetzen. Während queerpolitisches Engagement auf Bundesebene ausgebremst wird, macht sich Bayern nun auf den Weg – das ist ein Signal, das wir nicht hoch genug einschätzen können.“
Außerdem sei klar, dass ein Aktionsplan nicht alle Probleme auf einmal lösen könne und für vieles auch Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen. Dass es in Zeiten angespannter Haushaltslage und trotz aller Sparmaßnahmen gelingt, jetzt einen neuen Aktionsplan zu verabschieden, zeigt, wie ernst es Sozialministerin Ulrike Scharf und der Bayerischen Staatsregierung damit ist, die Lebenssituation queerer Menschen wirklich zu verbessern. Jetzt gilt es, an den Ergebnissen weiterzuarbeiten und den Aktionsplan kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Breites Beteiligungsverfahren von BJR und JFF
Dem Aktionsplan ging ein mehrjähriges Beteiligungsverfahren voraus, das 2023 mit einem Runden Tisch im Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales seinen Anfang nahm. Im Auftrag des Sozialministeriums konzipierten und organisierten der BJR und das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis ein breit angelegtes Verfahren, das von 2023 bis 2025 lief und unterschiedliche Formate miteinander verband: ein zweistufiges Online-Beteiligungsverfahren, über das queere Initiativen, Verbände und Einzelpersonen ihre Ideen und Forderungen einreichen und kommentieren konnten, ergänzt um Regionalkonferenzen in München und Nürnberg sowie themenspezifische Arbeitsgruppen. Beim zweiten Runden Tisch im Juni 2025 wurden die daraus erarbeiteten Maßnahmen erstmals vorgestellt. Seither wurden sie zu dem Aktionsplan QUEER weiter ausformuliert, der heute veröffentlicht wird.
BJR als verlässlicher Partner der queeren Community
Der BJR versteht sich seit Jahren als verlässlicher Partner der queeren Community in Bayern. Seit 2021 koordiniert er in einem Kooperationsprojekt mit der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) und dem LSVD+ – Verband Queere Vielfalt Bayern das Queere Netzwerk Bayern (QNB), gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Als zentrale Landesplattform für LSBTIQA*-Personen bündelt das QNB Informationen zu Beratungsangeboten und Veranstaltungen, vernetzt Organisationen und Initiativen und fördert den Austausch innerhalb der Community. Ergänzt wird dieses Engagement durch die Kommission Queere Jugendarbeit im BJR sowie durch Grundlagenbeschlüsse der BJR-Vollversammlung zur sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität. Auch mit eigenen Aktionen setzt sich der BJR für Sichtbarkeit und ein bunteres Bayern ein. Unter dem Motto „Mach Wind für ein bunteres Bayern“ verteilt er anlässlich des Pride-Monats Juni Handfächer und Sticker kostenlos an Jugendringe und Jugendverbände in ganz Bayern. Die Materialien kommen bei Christopher-Street-Day-Veranstaltungen, Festivals und weiteren queeren Aktionen zum Einsatz und tragen die Haltung der bayerischen Jugendarbeit auf die Straßen und Plätze: Junge Menschen sind willkommen, unabhängig davon, wen sie lieben oder wie sie sich identifizieren.
Erste queere Jugendstudie zeigt Lagebild junger Menschen
Eine wichtige Datengrundlage für viele politische Forderungen in der queeren Jugendarbeit liefert die HAY-Studie („How are you?“), die der BJR 2023 initiiert hat – erstmals überhaupt wurden damit queere Jugendliche in Bayern gezielt zu ihrer Lebensrealität befragt. Zwischen April und Juni 2023 nahmen 2.043 LSBTIQA*-Personen zwischen 14 und 27 Jahren an der Online-Befragung teil. Entwickelt wurde die Studie vom IDA – Institut für Diversity- und Antidiskriminierungsforschung gemeinsam mit der Hochschule Fresenius und begleitet von einem Experten:innen- sowie einem Community-Beirat. Die Ergebnisse zeigen erheblichen Handlungsbedarf: Nahezu 94 Prozent der Befragten gaben an, mindestens eine Diskriminierungserfahrung gemacht zu haben, am häufigsten in der Schule, gefolgt von der Öffentlichkeit und dem Internet. Sowohl das Wohlbefinden als auch die Resilienz der Befragten liegen deutlich unter den Werten gleichaltriger Personen in der Allgemeinbevölkerung, bei trans*, nicht-binären und questioning Personen sind die Werte noch einmal niedriger als bei cisgeschlechtlichen Befragten. Aus Sicht des BJR unterstreichen diese Zahlen, wie wichtig es ist, die im Aktionsplan QUEER verankerten Maßnahmen nun konsequent umzusetzen.
Hintergrundinformationen
- Infos zur queeren Jugendarbeit: www.bjr.de/queer
- Dokumentation des Beteiligungsverfahren zum Bayerischen Aktionsplan QUEER (PDF: 4,2 MB)
- Informations- und Vernetzungsplattform: www.queeresnetzwerk.bayern
Quelle: Bayerischer Jugendring (BJR) vom 16.06.2026
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