Modellprojekt

Mitreden, mitbestimmen, mitgestalten – Wie junge Menschen gesellschaftlich teilhaben können

Wie können Kinder und Jugendliche ihre Interessen, Ansichten und Ideen selbstbestimmt in die Gesellschaft einbringen? Wie können pädagogische Fachkräfte und Erziehende junge Menschen dabei unterstützen? Antworten gibt das Projekt „Interessiert’s dich? #3D: Debatte - Dialog – Demokratie“ der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein.

09.03.2022

Wie Kinder und Jugendliche ermutigt werden können, ihre eigenen Interessen, Ideen und Visionen in die Gesellschaft einzubringen, zeigt das Modellprojekt Interessiert’s dich? #3D: Debatte - Dialog - Demokratie" der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein. Über das Projekt, welches im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ gefördert wird, sprach das Initiativbüro mit Tim Scholz, der das Projekt in der Jugendbildungsstätte Kurt Löwenstein leitet.

Das Projekt „Interessiert’s dich? #3D: Debatte - Dialog – Demokratie“ richtet sich mit verschiedenen Bildungsformaten wie Projekttagen, Seminarfahrten und Workshops an junge Menschen ab zehn Jahren. Dabei geht es darum, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, eigene Interessen zu erkennen, zu artikulieren und nach außen zu vertreten. „Uns ist es sehr wichtig, dass Teilnehmende unseres Projektes lernen, eigene Interessen und Ideen in gesellschaftliche Aushandlungsprozesse einzubringen, sie mit Entscheidungsträger:innen zu diskutieren und auszuhandeln und so das eigene Umfeld mitzugestalten“, erläutert Tim Scholz.

Wie das Projekt junge Menschen unterstützt, gesellschaftlich teilzuhaben

„Wir verstehen uns im Projekt als politische Bildner:innen, die auch medienpädagogisch arbeiten. Das bedeutet, Demokratie als Lebensform zu stärken und wahrzunehmen, indem lebensweltbezogene Themen von Kindern und Jugendlichen adressiert werden und auch an digitale Räume bzw. Tools (Englisch = Werkzeuge) anzuknüpfen, die für junge Menschen interessant sind“, betont Tim Scholz. Es geht also darum, auch kreative Formen der Interessenformulierung und -vertretung auszuprobieren und eigene Inhalte herzustellen, zum Beispiel indem Kinder und Jugendliche GIFs (Englisch: Graphics Interchange Format = animierte Grafik), Videoclips oder Podcasts produzieren und so ihre eigenen Ansichten und Bedürfnisse nach außen kommunizieren und dafür eintreten.

Im Projekt vorgesehen ist, dass junge Menschen Themen und Formate des Dialoges selbst bestimmen können. „Unser Ansatz ist es, die Artikulation von Interessen aus der Sender:innenperspektive, also ausgehend von Kindern und Jugendlichen, zu betrachten. Sie sind die Sender:innen, die ihre Botschaften an Empfänger:innen, wie beispielsweise politische Entscheidungsträger:innen wie Bürgermeister:innen, richten“, schildert Tim Scholz. Wichtig ist hier natürlich auch eine gewisse Offenheit bei den Gesprächspartner:innen, sich auch einmal auf ein (digitales) Format einzulassen, welches ihnen womöglich noch nicht so bekannt ist.

Im Projekt gibt es eine enge Kooperation mit verschiedenen Schulen und außerschulischen Jugendeinrichtungen. Sowohl im schulischen, als auch im außerschulischen Bereich geht es darum, inwiefern Kinder und Jugendliche ihre Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen einbringen können. „Beide Bereiche sind Orte, an denen junge Menschen viel Zeit verbringen, daher ist es wichtig, sie darin zu unterstützen, diese Orte auch mitzugestalten“, sagt Tim Scholz. In der Schule können sich Kinder und Jugendliche vor allem über Gremien wie Schüler:innenvertretungen einbringen und so zu Fragen wie der Gestaltung des Schulhofs oder zum Essensangebot in der Schulcafeteria Stellung nehmen, ihre Interessen artikulieren und vertreten. In Jugendeinrichtungen geht es oft um den Aspekt der Mitbestimmung von Freizeitmöglichkeiten bzw. -angeboten. Hier ist es wichtig, die Vorstellungen und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in den Blick zu nehmen und Angebote entsprechend auszurichten, sodass sie von jungen Menschen angenommen werden.

Voraussetzungen für eine aktive gesellschaftliche Teilhabe

Um Teilhabe zu erfahren, braucht es insbesondere auch Freiräume, die Kinder und Jugendliche gestalten können. „Es ist ja nichts frustrierender für junge Menschen als tolle Ideen zu haben, die sie dann aber nicht einbringen können. Ein zentraler Begriff dabei ist die Selbstwirksamkeitserfahrung: Wenn Heranwachsende merken, dass etwas, dass sie in einen Aushandlungsprozess einbringen, auch beachtet und umgesetzt wird, merken sie, dass es sich lohnt, eigene Interessen nach außen zu vertreten“, schildert Tim Scholz. Der Prozess der gesellschaftlichen Teilhabe erfordert zudem an bestimmten Stellen auch immer die Abgabe von Macht, damit junge Menschen die Möglichkeit haben teilzuhaben. Tim Scholz merkt an, dass nur so Kinder und Jugendliche Demokratie auch als erfahrbar und gestaltbar erleben können.

Außerdem bedeutet Teilhabe auch die Bereitstellung finanzieller Mittel. „So gibt es in Berlin zum Beispiel einen sogenannten Schüler*innenHaushalt, der Schüler:innen ermöglicht über eine bestimmte Summe Geld zu verfügen und in einem demokratischen Prozess darüber zu entscheiden, für welche schulischen Zwecke das Geld ausgegeben wird. In den Haushalten vieler brandenburgischer Kommunen gibt es Jugendetats, über die Kinder und Jugendliche ähnlich mitbestimmen können.“

Wie Eltern und pädagogische Fachkräfte gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen unterstützen können

Wichtig als pädagogische Fachkraft oder Eltern ist es, junge Menschen zu unterstützen und zu stärken bzw. zu motivieren, die eigenen Interessen zu formulieren. „Ich sehe Eltern und Erziehende als Verbündete, die Kinder und Jugendliche so begleiten, dass sie ermutigt werden, eigene Ansichten zu artikulieren und für sie einzustehen“, sagt Tim Scholz. „Wichtig dabei ist es vor allem, in einen offenen Austauschprozess zu gehen, in dem junge Menschen die Möglichkeit haben, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Dazu gehört auch als Eltern oder Fachkraft zu akzeptieren, dass die Interessen und Bedürfnisse junger Menschen auch von den Eigenen abweichen können.“

Welche Chancen Digitalisierung bietet, sich gesellschaftlich zu beteiligen

Nach Ansicht von Tim Scholz kann Digitalisierung dazu beitragen, dass Zugangshürden zur gesellschaftlichen Teilhabe reduziert werden können. So ist es zum Beispiel niedrigschwelliger, via digitaler Medien und digitaler Kommunikation Interessen öffentlich mitzuteilen, als an einen Ort zu fahren und dort vorstellig zu sein. „Großes Potenzial sehe ich vor allem auch darin, dass wir und insbesondere junge Menschen digitale Medien als Producer:innen (Englisch = Hersteller:innen) nutzen können. Zentral dabei ist, selbst aktiv zu sein und nicht nur zu konsumieren, sondern zu produzieren und dadurch eigene Ansichten zu artikulieren.“ Voraussetzung dafür ist ein kompetenter und reflektierter Umgang mit digitalen Medien. „Hier sehe ich vor allem einen Handlungsauftrag auf Seiten der politischen Bildung und der Medienbildung, Kinder und Jugendliche so zu unterstützen, dass sie den Raum haben, selbstbestimmt ihre Interessen zu vertreten“, sagt Tim Scholz.

Mehr Informationen

Quelle: Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ c/o Stiftung Digitale Chancen

Redaktion: Bettina Goerdeler

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