Stellungnahme
Kritik des Careleaver e.V. zum Film ,Im Prinzip Familie‘
Ursprünglich hatte der Careleaver e. V. den Film „Im Prinzip Familie“ auf dem Instagram- Account empfohlen. Nachdem mehrere Careleaver*innen deutliche Bedenken zum Film abgegeben hatten, hat sich der Verein dazu entschieden, den Post wieder zu entfernen. Die Kritik am Trailer und dem dahinterstehenden Film wird im Folgenden im original Wortlaut wiedergegeben.
30.06.2025
„In der vergangenen Wochen haben wir im Careleaver e.V. intensive Diskussionen über den Film „Im Prinzip Familie“ geführt. Ausgelöst wurde dies durch einen Instagram-Post auf unserer Seite der den Film vorerst empfohlen hatte. Dies hat jedoch bei vielen von uns Unbehagen ausgelöst und deshalb haben wir die Empfehlung wieder entfernt.
Der Film wirkt wie eine Schablone für Erfahrungen in der Jugendhilfe – Erfahrungen, die auch wir gemacht haben, aber nicht immer gut waren.
Unsere Gespräche drehten sich schließlich um zentrale Fragen: Wo war die Verantwortung des Jugendamtes beim Schutz intimer, potenziell traumatischer Erfahrungen, die nun öffentlich einsehbar sind? Welche Verantwortung trägt eine Dokumentation? Wo liegen ihre Grenzen?
Wie auch in vielen Akten aus der Jugendhilfe wird Verhalten oft einseitig interpretiert – der Blick auf uns erscheint selbstverständlich, selten wird unsere Perspektive maßgeblich für politisches Handeln. Doch genau das ist der Kern diskriminierungssensibler Haltung: zu reflektieren, aus welcher Perspektive erzählt wird, wer Definitionsmacht erhält und, sicher zu stellen, diejenigen hören zu können, die oft überhört und nicht ernst genommen werden. Das bedeutet, ihre Forderungen in konkrete Politik zu übersetzen.
Wir fordern daher mehr Transparenz, verbindliche Schutzkonzepte und eine Jugendhilfe, die sich verändert – auch im Hinblick darauf, wie über sie berichtet wird. Denn Geschichten über Kinder und Jugendliche in stationären Einrichtungen sind niemals neutral. Sie müssen mit größter Sorgfalt, Respekt und Bestimmung der jungen Menschen erzählt werden. Das Wissen, dass gesellschaftliche Strukturen von Gewalt geprägt sind und nicht absehbar ist, was in der Öffentlichkeit auf solch einen Film folgt, steht dem voran. Mit Einbeziehung einer Selbstvertretung hätten diese sensiblen Blickwinkel in die Diskussion und Entscheidungen Einzug gefunden. Da dies hier leider nicht erfolgt ist war uns klar, dass wir uns als Verein hierzu gemeinsam äußern wollen, weshalb die nachfolgende Stellungnahme entstanden ist.“
Quelle: Careleaver e.V. vom 11.06.2025
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