Bildungsnotstand

Krisen und Konflikte gefährden Bildung von Kindern weltweit

Ein neuer Bericht der Kinderrechtsorganisation Save the Children untersucht, wie die Corona-Pandemie in Verknüpfung mit Konflikten, Klimawandel, Vertreibungen und mangelnder digitaler Vernetzung das Lernen der Kinder weltweit bedroht. Aus dem Bericht geht hervor, dass die aktuellen globalen Krisen das Lernen der Kinder weltweit bedroht – mit knapp 49 Millionen gefährdeten Kindern führen Sudan, Somalia und Mali die Liste von Ländern mit Bildungsnotstand an.

25.10.2022

Im zweiten Jahr in Folge hat Save the Children in dem Report „Build Forward Better“ die Bildungssysteme von 182 Ländern nach der Anfälligkeit und  Bereitschaft zur Bewältigung diverser Gefahren überprüft, die das Recht der Kinder auf Bildung gefährden. Die Analyse stützt sich auf dieselbe Methodik wie der Bericht aus dem vorigen Jahr, und zeigt, dass sich trotz erheblicher Verbesserungen im Vergleich zum Vorjahr viele Länder weiterhin im Gefahrenbereich befinden. Während die Zahl der „extremen Risiko“-Länder seit 2021 von acht auf vier gesunken ist (was vermutlich auf den erleichterten Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zurückzuführen ist), hat die globale Hungerkrise im Zusammenspiel mit Konflikten, gestiegenen Lebensmittelpreisen und Wetterextremen starke Auswirkungen auf die Bildungssysteme vieler Länder. Sieben der zehn am stärksten betroffenen Länder liegen in Afrika.

Hollie Warren, Leiterin des Bereichs Bildung bei Save the Children betonte:

„Die COVID-19-Pandemie war eine der folgenschwersten Katastrophen, die die Bildung von Kindern seit Menschengedenken betroffen hat. Sie hat uns als Weltgemeinschaft zurückgeworfen. Am meisten bekommen die Folgen diejenigen Kinder und Jugendlichen zu spüren, die ohnehin am stärksten von Konflikten, Klimakatastrophen, Hungerkrisen und Armut betroffen sind.“

Afghanistan weist weltweit das höchste Risiko auf. Im letzten Jahr lag das Land noch auf Rang vier. Seit der Machtübernahme der Taliban vor über einem Jahr hat sich der Zugang zu Bildung jedoch weiter verschlechtert, was die Zukunft der Kinder, insbesondere der Mädchen, stark gefährdet. Sudan, Somalia und Mali sind Afghanistan dicht auf den Fersen; ihre Bildungssysteme sind durch Krisen ebenfalls als „extrem gefährdet“ eingestuft worden. Somalia blieb somit unverändert auf Rang drei, während die Risiken für die Bildung im Sudan und in Mali seit der letzten Analyse gestiegen sind.

Größte Verbesserung in Kolumbien

Eine der größten Verbesserungen im vergangenen Jahr war in Kolumbien zu verzeichnen, wo das Bildungswesen nun als „mäßig gefährdet“ eingestuft wurde, statt als „hochgefährdet“. Das Land stieg von Rang 28 auf Rang 58, was teilweise auf den besseren Zugang zu COVID-19-Impfstoffen zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu fiel der Libanon von Platz 68 auf Platz 32, wo die Wirtschaftskrise eine hohe Jugendarbeitslosigkeit mit sich bringt.

Von den zehn am stärksten gefährdeten Ländern (für die Daten zur akuten Ernährungsunsicherheit vorliegen), weisen alle ein hohes Maß an Ernährungsunsicherheit auf. In Afghanistan, Somalia, Sudan, Jemen und der Zentralafrikanischen Republik befinden sich mehr als 20 Prozent der Bevölkerung in einer Hungerkrise.

Klimakrise bedroht Recht auf Bildung

Auch die Klimakrise bedroht das Recht auf Bildung. Extreme Wetterereignisse können Kinder zur Flucht zwingen und Schulen beschädigen oder gar zerstören. Für Kinder, die nicht zur Schule gehen, ist es in der Regel schwieriger, das Versäumte nachzuholen, und sie sind anfälliger für Hunger, Gewalt, Missbrauch, Kinderarbeit und Frühverheiratung - insbesondere Mädchen und Kinder, die in Ländern mit niedrigem Einkommen, in Geflüchtetenlagern und Kriegsgebieten leben.

Wenn Länder die nötigen Maßnahmen treffen, können jedoch Bildungssysteme selbst in besonders betroffenen Regionen geschützt werden. Daher fordert Save the Children, dass jedes Land über einen Bereitschaftsplan verfügt, um das Lernen und Wohlergehen der Kinder in künftigen Krisen zu sichern. Die Kinderrechtsorganisation appelliert zudem an Regierungen, deren Schulsysteme extrem oder stark gefährdet sind, schleunigst zu handeln, um eine  langanhaltende Bildungskatastrophe zu vermeiden. Zu diesen Maßnahmen gehören die Erstellung und Verbesserung von Möglichkeiten, um Bildung aufzuholen, der Vermittlung von Grundkenntnissen Vorrang einzuräumen und dafür zu sorgen, dass Kinder in Klassen eingeteilt werden, die ihrem Lernstand und nicht ihrem Alter entsprechen.

Education Cannot Wait (ECW) – der globale Fonds der Vereinten Nationen für Bildung in Notsituationen und Langzeitkrisen –, und seine strategischen Partner, darunter Save the Children, rufen bilaterale Geber und Stiftungen dazu auf, im Vorfeld einer hochrangigen Finanzierungskonferenz im Februar kommenden Jahres mindestens 1,5 Milliarden US-Dollar für den ECW für den Zeitraum 2023 bis 2026 bereitzustellen.

Quelle: Save the Children vom 04.10.2022

Bildungsrisiken-Index 2022

Der Bildungsrisiken-Index 2022 verwendet die folgenden Indikatoren, um die Länder nach der
Anfälligkeit ihres Schulsystems gegenüber Gefahren und Mängeln zu bewerten:

  1. Anfälligkeit für den Klimawandel in Kombination mit der Bereitschaft, diese zu verbessern.
  2. Zugang von Kindern zu Bildung in humanitären Krisen, einschließlich des Umfangs und Ausmaßes von Angriffen auf das Bildungswesen und der Zahl der binnenvertriebenen Kinder.
  3. Prozentualer Anteil der Jugendarbeitslosigkeit.
  4. Faktoren, die mit den Lernergebnissen zusammenhängen, sowie der Prozentsatz der Kinder im schulpflichtigen Alter, die zu Hause einen Internetanschluss haben.
  5. Prozentualer Anteil der Kinder im Grundschulalter, die nicht zur Schule gehen.
  6. Die COVID-19-Impfquote in der Bevölkerung und ob Lehrer vorrangig geimpft werden.

Im September 2021 veröffentlichte Save the Children in dem Bericht „Build Forward Better 2021“ den ersten Bildungsrisiken-Index („Risks to Education Index“), der Länder nach der Gefährdung ihres Schulsystems einstufte. Dies ermöglichte einen ganzheitlichen Blick auf die Bildungsrisiken und gab
Hinweise darauf, welche nationalen Bildungssysteme mehr Ressourcen von den nationalen Regierungen und internationalen Akteuren benötigen, um Krisen zu entschärfen.

Zusatzmaterial zum Download

Den Bericht „Build Forward Better 2022“ von Save the Children steht zum Download zur Verfügung.

Quelle: Safe the Children vom 04.10.2022

Redaktion: Laura Burger

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