Krise durch Fehlinterpretationen des Neutralitätsgebots

Jugendverbände unter Druck

Jugendverbände sind laut einer Studie des Deutschen Jugendinstituts wichtige Akteure der Demokratiebildung. 71% der Verbände auf kommunaler Ebene sehen sich als solche. Ihre Arbeit wird jedoch durch politische Akteure des rechten Spektrums bedroht, die deren Engagement für Demokratie durch Fehlinterpretationen des Neutralitätsgebots behindern.

21.01.2026

Ob Pfadfinder*innen, helfende, konfessionelle oder gewerkschaftliche Jugendverbände – sie alle bieten jungen Menschen Gelegenheiten, sich selbstbestimmt und selbstorganisiert zu treffen und zu engagieren. Jugendliche lernen im Verbandsleben, eigene Positionen in Diskussionen zu entwickeln, diese zu vertreten und demokratische Prozesse aktiv mitzugestalten. 71 Prozent der Jugendverbände auf kommunaler Ebene verstehen sich selbst grundsätzlich als Akteure der Demokratiebildung, zeigt eine bundesweite Befragung unter mehr als 1.000 Jugendverbänden im Forschungs­projekt „Jugendhilfe und sozialer Wandel“ am Deutschen Jugendinstitut (DJI).

Erschwert wird die Arbeit der Jugendverbände der DJI-Erhebung nach unter anderem durch Akteure des rechten politischen Spektrums, die versuchen, die Arbeit der Jugendverbände zu delegitimieren, indem sie deren aktives Eintreten für die Demokratie mit dem Verweis auf ein falsch interpretiertes Neutralitätsgebot behindern (zum Beispiel Jugend- und Familienministerkonferenz 2025, Arbeitskreis deutscher Bildungsstätten/Deutscher Bundesjugendring 2024). „In der Folge vermeiden manche Jugendverbände Äußerungen zur aktuellen Politik oder verzichten auf die Teilnahme an Demonstrationen“, schreiben die Studienautor*innen Dr. Liane Pluto, Christian Peucker und Dr. Andreas Mairhofer in der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins DJI Impulse. Der DJI-Erhebung zufolge äußerten 21 Prozent der Befragten (sehr) große, weitere 71 Prozent leichte Befürchtungen, aufgrund ihrer gesellschaftspolitischen Aktivitäten ihre Gemeinnützigkeit zu verlieren. „Die Kampagne des rechten politischen Spektrums scheint zumindest teilweise zu verunsichern“, schlussfolgern die DJI-Forschenden und betonen, dass Jugendverbände das Recht und die Pflicht haben, Anliegen und Interessen junger Menschen zu vertreten und sich in ihrem vielfältigen Wertefundament aktiv gestaltend für die Demokratie zu engagieren. Vor diesem Hintergrund fordern die DJI-Forschenden, die Jugendverbände zu stärken. Nur mit verlässlichen Strukturen könnten sie ihre bedeutende Rolle als Akteur zur Förderung der Demokratie weiterhin wirksam ausfüllen.

In ihrem Artikel im Forschungsmagazin DJI Impulse beschreiben Dr. Liane Pluto, Christian Peucker und Dr. Andreas Mairhofer weitere Ergebnisse der Jugendverbandsbefragung zu den Beteiligungsmöglichkeiten junger Menschen, zum selbst wahrgenommenen Einfluss der Jugendverbände sowie zu strukturellen Hürden und Zugangsbarrieren für potenzielle Mitglieder.

„Engagement junger Menschen im Gegenwind“, In: DJI-Impulse 3+4/2025 „Besser beteiligen“

Aktuelle Stellungnahme der DJI-Arbeitsstelle Kinder und Jugendpolitik: Die politische Arbeit freier Träger der Kinder und Jugendhilfe unterliegt nicht dem Neutralitätsgebot

Quelle: Deutsches Jugendinstitut (DJI) vom 13.01.2026

Redaktion: Lena Gabert