Bundesministerium streicht queere Jugendverbandsarbeit

Jugendnetzwerk Lambda e.V. kämpft um Weiterförderung

Das Jugendnetzwerk Lambda e.V., seit 1990 aktive Selbstorganisation queerer Jugendlicher, verliert seine Bundesförderung. Ohne Mittel stehen Angebote wie Beratung, Empowerment und digitale Räume für queere Jugendliche vor dem Aus. Besonders betroffen sind queere Jugendliche in ländlichen Regionen, die über das digitale Jugendzentrum Anschluss finden konnten.

15.07.2026

Seit über 36 Jahren ist das Jugendnetzwerk Lambda e.V. die bundesweite Selbstorganisation von und für junge queere Menschen. Seit der Gründung im Jahre 1990 wird die Jugendverbandsarbeit maßgeblich durch Mittel aus dem Kinder- und Jugendplan des Bundes (KJP) mitfinanziert. Nun soll diese zentrale Grundlage wegfallen, wie der Vorstand berichtet: 

„Vor wenigen Tagen hat uns die Kündigung unserer Rahmenvereinbarung zum Jahresende erreicht. Diese Nachricht kam für uns völlig überraschend, denn die Sachberichte der vergangenen Jahre wurden ohne Beanstandungen geprüft. Unsere Arbeit wurde immer wieder fachlich anerkannt und gelobt“.

Gegründet wurde der Verband 1990 in Ost-Berlin von engagierten Jugendlichen, die an den Runden Tischen der Jugend selbst mitsprechen wollten. Dieser Anspruch trägt Lambda bis heute: Hier können queere junge Menschen selbst sprechen, sich organisieren, Verantwortung übernehmen und ihre Lebensrealitäten in Politik und Gesellschaft einbringen.

Die Arbeit des Verbandes umfasst unter anderem bundesweite Fach- und Peer-Beratung, Bildungs- und Empowerment-Veranstaltungen vor Ort und digital, (internationale) Jugendbegegnungen, politische Interessenvertretung und die Begleitung und Qualifizierung von Ehrenamtlichen. 

Über die Jahre wurde das Angebot stetig ausgebaut. Lambda ist zu einer zentralen Anlaufstelle geworden für queere junge Menschen, die sich engagieren möchten, Gemeinschaft suchen und hier einen Ort finden an dem sie einfach sie selbst sein können.

Anlaufstelle gegen Einsamkeit

Neben Empowerment und Selbstwirksamkeit ist Lambda für viele Jugendliche die erste – für manche aber auch die letzte Anlaufstelle:

„Unsere Beratungsanfragen steigen immer weiter an, ebenso die Zahl an Jugendlichen, die sich mit akuten Krisen an uns wenden. Immer öfter geht es dabei um Themen wie Suizid, selbstverletzendes Verhalten oder Gewalt in der Familie“ erklärt der Bundesvorstand.

Queere junge Menschen sind in besonderem Maße von Einsamkeit betroffen. Lambda entwickelt daher stetig neue Angebotsformate, die sich an bislang isolierte queere junge Menschen richten. So werden unter anderem gezielt eintägige Empowerment- und Kreativevents in Gegenden angeboten, in denen es bislang keine oder nur eine schwache Angebotsstruktur gibt.

Denn die Realität ist: Rund 30% der queeren Jugendlichen haben keine queeren Treffpunkte vor Ort. Besonders stark isoliert sind Minderjährige, junge Menschen in ländlicheren Regionen, und mehrfachmarginalisierte Jugendliche.

„Unser digitales Jugendzentrum soll all den Jugendlichen einen sicheren Raum bieten, die bislang keine Angebote vor Ort haben. lambda space befindet sich derzeit in der Erprobungsphase, aber der Andrang ist schon jetzt enorm. Bereits über 1.000 Jugendliche sind dabei das Angebot mit uns zu testen und optimieren“ so der Bundesvorstand.

Durch die Streichung der Fördergelder stehen genau diese Angebote vor dem Aus. Der Verband betont, dass durch diese Entscheidung des Bundesministeriums Einsamkeit unter jungen queeren Menschen weiter zunehmen werde. Besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen, in denen es keine dauerhaften Angebote vor Ort gibt.

Alarmierendes Signal

In einer Zeit, in der queerfeindliche Diskurse lauter werden – auch in politischen Debatten –, sendet die vollständige Streichung der Rahmenförderung ein alarmierendes Signal. Sie sagt queeren jungen Menschen: Eure Räume sind nicht verlässlich abgesichert. Eure Beratung, eure Beteiligung, eure Selbstorganisation stehen zur Disposition. Eure bundesweite Stimme kann euch jederzeit genommen werden.

Der Verband macht dabei sehr deutlich, dass diese Entscheidung des Bundesministeriums massive Konsequenzen für queere Jugendliche in ganz Deutschland hat:

„Wir werden gezwungen unsere Tür am Ende des Jahres zu schließen. Und damit genau die Jugendlichen alleine zu lassen, die besonders stark von Einsamkeit, psychischen Belastungen und Diskriminierung betroffen sind. Jugendliche, für die unsere Angebote überlebenswichtig sein können.“

In einem offenen Brief (PDF: 180 KB) wendet sich der Verband direkt an Bundesministerin Karin Prien und die Abgeordneten des Deutschen Bundestages. Lambda fordert die Bundesministerin auf, die Kündigung zurückzunehmen, und appelliert an die Abgeordneten, sich für eine verlässliche Weiterförderung einzusetzen.

Privatpersonen und Organisationen bittet der Verband um Mithilfe:

„Queere junge Menschen zu schützen ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Daher unser direkter Appell an Einzelpersonen und Organisationen: Jede*r von euch kann und muss jetzt aktiv werden. Informiert euch auf unserer Webseite, was ihr jetzt konkret tun könnt. Queere Jugendliche brauchen euch!“ 

Quelle: Jugendnetzwerk Lambda e.V. vom 14.07.2026

Redaktion: Zola Kappauf