Familienforschung

forsa-Studie der Zeitschrift ELTERN: "Eltern heute – immer mehr unter Druck?"

Die Eltern zweier Kinder sind sauer aufeinander.

Eltern heute wollen ihre Sache so gut machen wie keine Generation davor – und setzen sich damit enorm unter Druck. Top im Job, einfühlsam und verständnisvoll mit den Kindern und anspruchsvoll in der Liebe: So liest sich die Stellenbeschreibung für moderne Eltern. Die Konsequenz: Elternsein ist so anstrengend wie noch nie.

19.01.2015

"Die Bedürfnisse der Familie stehen über allem anderen" – diesen Satz unterschreiben laut Studie etwa zwei Drittel der befragten Eltern. Fast alle anderen geben an, dass ihnen eigene Bedürfnisse und die der Familie gleichermaßen am Herzen liegen. Am glücklichsten ist dabei das Drittel, für das beides gleichermaßen zählt: 94 Prozent derjenigen, die sich genau so wichtig nehmen wie Partner und Kinder, fühlen sich gut oder sehr gut.

Der neue Vater – ein Männermärchen?

Wenn es darum geht, wer von den beiden Eltern für die Betreuung der Kinder zuständig ist, bestätigen heute drei Viertel aller Eltern, dass "Vater und Mutter gleichermaßen für die Erziehung der Kinder zuständig sind". Auf die Frage, ob Ansprüche an Eltern heute höher sind als vor 30 Jahren, antworten übereinstimmend 59 Prozent der Mütter und Väter mit "Ja". Allerdings glauben zwei Drittel der Mütter, dass von den Frauen mehr erwartet wird als von den Männern, während die Mehrheit der Väter meint, dass beide Seiten heute mehr leisten müssen. Noch spannender ist die Diskrepanz bei der Frage nach dem Alltag: 63 Prozent der Väter sagt: Ja, wir sind beide wirklich gleichermaßen beteiligt. Aber nur ein Drittel (!) der Mütter stimmt dem zu.

Der meiste Stress kommt aus uns selbst

Zerissenheit zwischen Job und Kind – das gilt vor allem für Mütter als Stressfaktor Nr. 1. Aber: Sowohl unter den Vollzeit- als auch unter den Teilzeitangestellten sagen etwa drei Viertel: Ich bin zufrieden mit meiner Arbeitszeit und meiner Work-Life-Balance. Der meiste Stress kommt daher offenbar aus uns selbst: "Ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst", sagen 56 Prozent der Männer und 73 Prozent der Frauen. Gleichzeitig geben mehr als zwei Drittel an, dass sie ihren Ansprüchen häufig oder gelegentlich nicht gerecht werden (Frauen: 74 Prozent, Männer: 65 Prozent).

Eltern als Ratgeber und Vorbild

Besonders wichtig finden es Eltern, ihrem Kind Geborgenheit zu vermitteln (77 Prozent) und ein Vorbild zu sein (70 Prozent). Aber auch Leistung zählt: Fast jeder zweite ist der Meinung: Gute Eltern helfen ihren Kindern in der Schule.

Mehr Geld ist kein großes Thema – mehr Zeit dagegen schon

Zwar wünschen sich 44 Prozent der Väter und 39 Prozent der Mütter mehr direkte finanzielle Unterstützung vom Staat (mehr Kindergeld, kostenlose Kita-Jahre), aber Geld ist nicht das Hauptthema. Ein Viertel der Eltern sagt: "Familienpolitik kann sowieso nicht zu unserem privaten Glück beitragen." Und nur vier Prozent aller Befragten meinen, dass gute Eltern ihren Kindern finanziell etwas bieten müssen. Als Entlastung hingegen würden viele Eltern (33 Prozent der Väter, 40 Prozent der Mütter) "mehr Zeit" empfinden, sei es für die Partnerschaft (28 Prozent der Väter, 20 Prozent der Mütter) oder für sich selbst (18 Prozent der Mütter / acht Prozent der Väter).

Kinder-Studie der Zeitschrift ELTERN FAMILY fragt: "Wie geht es unseren Kindern?"

Dass sich der Aufwand lohnt, den Eltern heute betreiben, zeigen die Ergebnisse einer Studie, die parallel von der Zeitschrift ELTERN FAMILY durchgeführt wurde. Das Institut iconkids&youth befragte dazu über 700 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Danach geht es den Kindern in Deutschland aus eigener Sicht überwiegend gut.

So finden 92 Prozent, dass ihre Eltern die besten Eltern sind, die sie sich vorstellen können. 91 Prozent fühlen sich bei ihren Eltern "immer sehr sicher und wohl". 90 Prozent der Kinder wissen: "Meine Eltern lieben mich so, wie ich bin." 89 Prozent von ihnen sagen, dass ihre Eltern ihnen vertrauen und 82 Prozent, dass ihre Eltern sich immer Zeit für sie nehmen.

Marie-Luise Lewicki, Chefredakteurin ELTERN und ELTERN FAMILY: "Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass der Stress in unserem Alltag ein ganzes Stück weit aus uns selbst kommt. Es täte gerade uns deutschen Eltern gut, wenn wir mit "gut genug" zufrieden sein könnten, statt alles perfekt machen zu wollen. Unseren Kindern geht es gut, die Mühe, die wir Eltern uns machen, zahlt sich also aus. Ein bisschen mehr Gelassenheit würde daran nichts ändern, im Gegenteil. Aber dazu müsste natürlich Eltern öffentlich auch mehr Wertschätzung entgegengebracht werden.

Dass Familienpolitik in unserem Land nur sehr geringen Einfluss auf das Wohlbefinden von Eltern hat, ist eine sehr wichtige, wenn auch bedauerliche Erkenntnis. Es würde sicher helfen, den Respekt vor allen Lebensmodellen gleichermaßen mehr in den Vordergrund der Kommunikation zu stellen. Und die Tatsache, dass Kinder Freude machen."

Quelle: Gruner + Jahr GmbH & Co KG

Redaktion: Christian Herrmann

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