Gender

Fachkongress rückt Chancengleichheit von Frauen und Männern im Erwerbs- und Familienleben in den Fokus

Zwei Frauen im Labor

„Frauen schaffen Zukunft!“ – Unter diesem Leitgedanken diskutierten am 7. September rund 300 Expertinnen und Experten aus dem gesamten Bundesgebiet über neue Wege für die Chancengleichheit von Frauen und Männern in Familie und Beruf.

10.09.2012

Der Deutsche Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. richtete den Fachkongress anlässlich des diesjährigen Vorsitzes des Landes Niedersachsen in der Arbeits- und Sozialministerkonferenz aus. Die Niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration, Aygül Özkan will den Fachkongress nutzen, um das Thema „Chancengleichheit von Frauen und Männern“ als einen Schwerpunkt in die Arbeits- und Sozialpolitik der Länder einzubringen.

 „Je schneller es uns gelingt, neue und moderne Wege für die Chancengleichheit von Frauen und Männer im Berufs- und Familienleben zu finden, desto besser werden wir die Herausforderungen des demografischen Wandels meistern“, sagt Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan. „Die Erwerbsbereitschaft von Frauen ist heute so hoch wie nie zuvor. Und: junge Frauen sind so qualifiziert wie keine Generation vor ihnen. Wir müssen die stereotypen Rollenbilder überwinden und stattdessen zu moderneren Rollenbildern und Aufgabenverteilungen von Frauen und Männern kommen.“

Eine Familie haben und einem Beruf nachgehen: Das ist für viele Frauen immer noch schwer zu vereinbaren. „Viel zu oft gibt es schwerwiegende Nachteile, wie zum Beispiel geringere Entlohnung und schlechte Absicherung. Auch die Wirtschaft verliert wertvolle Fachkräfte und den sozialen Sicherungssystemen gehen wichtige Beiträge verloren, wenn gut qualifizierte Frauen in Minijobs oder Niedriglohnarbeit ‚geparkt‘ werden. Daher muss es uns gelingen, unsere Gesellschaft so zu gestalten, dass Frauen und Männer ihre Talente gleichermaßen einbringen können und eine Familiengründung weder ein Karrierehindernis noch ein wirtschaftliches Risiko darstellt“, sagt Michael Löher, Vorstand des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. am Rande des Kongresses.

In drei Foren und einer Podiumsrunde diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Verbänden und öffentlicher Verwaltung, Initiativen, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft über die möglichen „Stellschrauben“ für mehr Chancengleichheit im Familien- und Erwerbsleben in den Bereichen unternehmerische Personalpolitik, soziale Sicherung sowie Familie.

Wie können private und öffentliche Unternehmen eine familienbewusste Personalpolitik gestalten, um Frauen und Männern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern und die Potenziale der gut ausgebildeten Frauen für die Fachkräftesicherung besser zu nutzen, war ein Erörterungsthema. Eine familienbewusste Personalpolitik zeigt sich beispielsweise in der Akzeptanz familiärer Verpflichtungen, in flexiblen Arbeitszeiten und Arbeitszeitmodellen für Eltern und Pflegende oder Freistellungen.

Im Bereich der sozialen Sicherung von Frauen ging man der Frage nach, was in der Alterssicherung und im Beschäftigungssystem getan werden kann, um Risiken von Altersarmut bei Frauen entgegenzuwirken. Niedrigere Einkommen, mehr Teilzeitarbeit und Minijobs sowie familienbedingte Unterbrechungen der Erwerbsarbeit führen bislang dazu, dass Frauen häufig schlechter sozial abgesichert sind als Männer. Dem entgegenwirken könnte man durch die Einbeziehung von bislang nicht obligatorisch abgesicherten Formen der Erwerbsarbeit in die gesetzliche Rentenversicherung und Korrekturmaßnahmen im Bereich des Niedriglohnsektors. Außerdem bedarf es zielgruppenorientierter Integrationsstrategien für Frauen in der Arbeitsmarktpolitik, die die familiäre Situation von Frauen und die Erwerbskonstellation in den Haushalten berücksichtigen. Ob die aktuell diskutierte sogenannte Zuschussrente ein zukunftsweisender Ansatzpunkt sein könnte, wurde vom Vorstand des Deutschen Vereins kritisch gesehen.

Der dritte Aspekt wendete sich den Familien selbst zu. Je mehr Männer und Frauen in vergleichbarer Weise eine Erwerbstätigkeit anstreben, umso wichtiger wird es, das Familienleben und die Erziehung der Kinder partnerschaftlich zu organisieren. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass Familienarbeit auch gesellschaftlich anerkannt wird. Männern und Frauen sollte es gleichermaßen ermöglicht werden, sich sowohl bei der Erwerbs- als auch in der Familienarbeit zu engagieren. Dabei können professionelle und ehrenamtliche Netzwerke Familien unterstützen, die zeitliche Balance zwischen Familien und Erwerbsarbeit zu wahren. Weitere Ansätze sind die Ausweitung der Vätermonate im Rahmen des Elterngeldes sowie die Umsetzung eines Teilelterngeldes, um die partnerschaftliche Aufteilung des Elterngeldes zu fördern.

Die Dokumentation der Veranstaltung ist in Kürze unter <link http: www.deutscher-verein.de _blank external-link-new-window external link in new>www.deutscher-verein.de aufrufbar.

Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V.

Redaktion: Christian Herrmann

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