Nordrhein-Westfalen
Entscheiden im Jugendhilfeausschuss: informiert, beteiligt, wirksam
In Nordrhein-Westfalen unterstützt das LVR-Landesjugendamt mit der digitalen Einführungsreihe „Entscheiden im Jugendhilfeausschuss – informiert, beteiligt, wirksam“ neue Mitglieder der Jugendhilfeausschüsse. Die Veranstaltungsreihe im Januar 2026 fokussiert auf Aufgaben, Rechte und Pflichten der Mitglieder und zentrale Jugendhilfethemen.
18.11.2025
Nach der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen konstituieren sich derzeit die neuen Jugendhilfeausschüsse in den Städten und Kreisen. Über 4.500 Menschen engagieren sich als Mitglieder oder deren Vertretungen in den 95 Ausschüssen im Rheinland. Mit der dreiteiligen digitalen Einführungsreihe „Entscheiden im Jugendhilfeausschuss – informiert, beteiligt, wirksam“ unterstützt das LVR-Landesjugendamt Rheinland alle neuen und interessierten Mitglieder beim Start in die Legislaturperiode.
Die Veranstaltungsreihe findet an drei Abenden im Januar 2026 statt und vermittelt grundlegendes Wissen über Aufgaben, Rechte und Pflichten der Ausschussmitglieder sowie über zentrale Themen der Kinder- und Jugendhilfe. Dazu gehören unter anderem Kinderschutz, Fachkräftemangel, Jugendhilfeplanung und Präventionsketten. Neben fachlichen Inputs steht der Austausch zwischen den Teilnehmenden im Mittelpunkt.
Mit der neuen Reihe eröffnet das LVR-Landesjugendamt zugleich ein dauerhaftes Fortbildungs- und Informationsangebot für Ausschussmitglieder: In regelmäßigen Online-Veranstaltungen werden künftig aktuelle Entwicklungen aufgegriffen, fachliche Hintergründe vermittelt und Einblicke in zentrale Handlungsfelder der Jugendhilfe gegeben. Begleitend bietet der LVR auf seiner Website eine kostenlose Broschüre als Hilfestellung für die praktische Arbeit im Ausschuss an.
Vorsitzdende des Jugendhilfeausschusses im Interview
Ursula Holtmann-Schnieder ist Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Düsseldorf und des Landesjugendhilfeausschusses Rheinland.
Im folgenden Interview spricht sie darüber, was die Arbeit in den Ausschüssen besonders macht – und welche Themen ihr persönlich am Herzen liegen.
Was motiviert Sie persönlich, sich so stark für die Kinder- und Jugendhilfe zu engagieren?
„Wir sagen ja oft: Kinder und Jugendliche sind unsere Zukunft – und das stimmt. Aber wenn man sieht, wie wenig Einfluss Kinder und Jugendliche auf politische Entscheidungen haben, obwohl sie am längsten mit deren Folgen leben müssen, wird deutlich: Sie brauchen Erwachsene, die ihre Interessen vertreten. Kinder haben in unserer Gesellschaft keine starke Lobby. Sie machen nur etwa 17 Prozent der Bevölkerung aus und dürfen frühestens mit 16 Jahren wählen – zum Beispiel bei den Kommunalwahlen in NRW. Ihre Anliegen finden politisch oft zu wenig Gehör. Deshalb brauchen sie Menschen, die sich für sie starkmachen.
Darüber hinaus empfinde ich die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen als unglaublich bereichernd. Es macht einfach Freude, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie sind engagiert, neugierig und bringen viele gute Ideen mit. Dieser Austausch ist inspirierend und motivierend zugleich.“
Was macht aus Ihrer Sicht die Arbeit in einem Jugendhilfeausschuss besonders spannend – oder auch herausfordernd?
„Der Jugendhilfeausschuss ist unter all den Ausschüssen wirklich einzigartig. Er ist – neben dem Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Rechnungsprüfungsausschuss – ein Pflichtausschuss. Besonders ist auch seine Struktur: Das Jugendamt besteht nicht nur aus der Verwaltung, sondern aus der Verwaltung und dem Jugendhilfeausschuss. Diese sogenannte Zweigliedrigkeit ist im Kinder- und Jugendhilfegesetz ausdrücklich festgeschrieben.
Hinzu kommt, dass auch Vertreterinnen und Vertreter aus Wohlfahrtsverbänden und Jugendverbänden stimmberechtigt sind. Das heißt: Verwaltung, Politik und Träger arbeiten gemeinsam an der Weiterentwicklung der Jugendhilfe. Sie bündeln ihre Kräfte und Ideen, um für Kinder und Jugendliche das Beste zu erreichen. Diese Vielfalt der Perspektiven macht die Arbeit spannend – aber sie erfordert auch viel Abstimmung und Kooperation.“
Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Herausforderungen für die Jugendhilfeausschüsse im Rheinland?
„Ganz klar: die finanziellen Engpässe. Auf allen Ebenen ist die Haushaltslage angespannt. Gleichzeitig wächst der Aufgabenbereich der Jugendhilfe ständig. Auch der Fachkräftemangel ist ein großes Thema. Denken Sie nur an die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung im Primarbereich ab dem Schuljahr 2026/27 – das ist eine riesige Aufgabe, die alle Beteiligten fordern wird.“
Wie können die Fortbildungen des LVR dazu beitragen, dass die Jugendhilfeausschüsse informierter, beteiligter und wirksamer arbeiten?
„Solche Fortbildungen sind eine hervorragende Möglichkeit, aktuelle Informationen zu teilen und sich über Erfahrungen auszutauschen. Besonders wichtig finde ich den Kontakt untereinander – dass sich Mitglieder aus verschiedenen Ausschüssen kennenlernen, voneinander lernen und Netzwerke aufbauen. So entstehen neue Perspektiven und gemeinsame Lösungen.“
Quelle: Der Landschaftsverband Rheinland vom 03.11.2025
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