Heime und Internate

Deutschland heißt Waisenkinder aus der Ukraine willkommen

Ein Mädchen steht in eine Decke gehüllt an einem Grenzübergang

Dieses Mädchen und ihre Familie sind aus Ismail in der Nähe von Odessa nach Rumänien geflüchtet.

Deutschland unterstützt Polen bei der Unterbringung und Versorgung von Heim- und Waisenkindern aus der Ukraine. Das hat die ehemalige Bundesfamilienministerin Anne Spiegel der polnischen Familien- und Sozialministerin Marlena Malag in Warschau zugesagt. Die Bedeutung einer solchen Verantwortungsnahme wird von verschiedenen Seiten betont.

20.04.2022

Entsprechend der großen Solidarität, mit der sich alle deutschen Bundesländer an der Aufnahme von Kindern und Jugendlichen aus ukrainischen Heimen beteiligen, hat nunmehr Baden-Württemberg zugesichert, noch weitere derzeit in Polen untergebrachte Waisenkinder aus der Ukraine aufzunehmen.

Spiegel besuchte für zwei Tage Polen, um sich vor Ort über die Aufnahme und Versorgung ukrainischer Geflüchteter im Nachbarland zu informieren. Begleitet wurde sie unter anderem von der Parlamentarischen Staatssekretärin Ekin Deligöz sowie von Desirée Weber, UNICEF Deutschland, Prof. Dr. Sabina Schutter, Vorstandsvorsitzende von SOS-Kinderdorf e.V. und Daniel Grein, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes e.V.

„Ich bin sehr beeindruckt und bewegt von der überwältigenden Solidarität, mit der unsere polnischen Nachbarinnen und Nachbarn die rund zweieinhalb Millionen Menschen, die aus der Ukraine zu ihnen geflohen sind, aufnehmen. Wir sind nach Polen gekommen, um uns hier aus erster Hand über die Unterstützung der ukrainischen Geflüchteten zu informieren und das System der Unterbringung und Versorgung vor Ort kennenzulernen. Auch die deutsche Bundesregierung unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um die Geflüchteten zu unterstützen, und hat unter anderem eine bundesweite Koordinierungsstelle für die Aufnahme evakuierter ukrainischer Waisen- und Heimkinder in Deutschland eingerichtet. Diese jungen Menschen sind besonders schutzbedürftig, und es ist mir persönlich sehr wichtig, dass sie gut in Deutschland untergebracht und versorgt werden. Daher freue ich mich sehr, dass ich meiner Amtskollegin Marlena Malag zusagen konnte, dass sich das Land Baden-Württemberg bereiterklärt hat, ukrainische Waisenkinder aus Polen aufzunehmen und unterzubringen. Baden-Württemberg danke ich sehr herzlich für das Engagement.“

Bundesfamilienministerin Anne Spiegel

Etwa 100.000 ukrainische Kinder lebten in Heimen und Internaten

Auch Desirée Weber, UNICEF Deutschland, sprach sich für die außerordentlich große Solidarität Polens mit den geflüchteten Menschen aus der Ukraine und die Bereitschaft Deutschlands, weitere Kinder aus institutionellen Einrichtungen aufzunehmen, aus. Bis zur Eskalation des Krieges lebten in der Ukraine annähernd 100.000 Kinder in Heimen und Internaten – etwa die Hälfte von ihnen seien Kinder mit Behinderungen. Diese Kinder seien besonders schutzbedürftig und bräuchten entsprechende Unterstützung, so Weber. Deshalb sei es wichtig, dass diese Kinder nach ihrer Ankunft in Deutschland sicher untergebracht und gut versorgt werden. Ganz entscheidend sei außerdem, sie dabei zu Unterstützen, zur Ruhe zu kommen und das Erlebte zu verarbeiten.

„Die meisten Kinder aus Waisenhäusern und institutionellen Einrichtungen in der Ukraine haben noch Eltern oder eine erweiterte Familie. Es muss daher sichergestellt werden, dass sie wo immer möglich im Kontakt mit ihren Familien bleiben und ermittelt wird, ob sie wieder mit Angehörigen zusammengeführt werden können, wenn dies zum Wohl des Kindes ist.“

Desirée Weber

Kinder und Jugendliche kindgerecht und sicher unterbringen

Prof. Dr. Sabina Schutter, SOS-Kinderdorf e.V. betonte, dass Geflüchtete aus der Ukraine mit offenen Armen empfangen werden, wofür große Dankbarkeit ausgesprochen werde. Als internationale Kinderschutzorganisation wisse SOS-Kinderdorf, wie wichtig es sei, geflüchtete Kinder und Jugendliche kindgerecht und sicher unterzubringen und zu betreuen. Nur so könne Kinderschutz und Kindeswohl gewährleistet werden. Mit der SOS-Meldestelle unterstütze SOS-Kinderdorf im Auftrag des Bundesfamilienministeriums insbesondere die kindgerechte Aufnahme und Verteilung von ukrainischen Heim- und Waisenkindern in Deutschland. Es sei dabei ein besonderes Anliegen, dass diese als Gruppe zusammenbleiben können und auch nicht von ihren Bezugspersonen getrennt werden. Die Kinder, die ankommen bräuchten Bildungsangebote, eine sichere Versorgung mit kindgerechtem Wohnraum, Nahrung, Kleidung sowie Zugang zu medizinischen und psychosozialen Dienstleistungen, so Schutter weiter.

Zugang in das bestehende Kinder- und Jugendhilfesystem

Auch Daniel Grein, Deutscher Kinderschutzbund e.V. betonte, dass Polen mit der Aufnahme von bislang mehr als zwei Millionen geflüchteten Menschen aus der Ukraine große Solidarität zeige. Dies sei ein Kraftakt, vor dem er großen Respekt habe. Deshalb sei er froh darüber, dass auch Deutschland Verantwortung übernehme und die Aufnahme von Heimkindern zugesagt hat.

„Die geflüchteten Kinder müssen nun zügig in das bestehende Kinder- und Jugendhilfesystem integriert werden. Denn insbesondere traumatisierte Kinder brauchen so schnell wie möglich eine feste Struktur, einen rhythmisierten Tagesablauf und Kontakt zu anderen Kindern. Der Kinderschutzbund seinerseits steht bereit, geflüchteten Kindern das Ankommen zu erleichtern, sie in seine Angebote zu integrieren und sozialpädagogisch zu begleiten,“

heißt es seitens des Deutschen Kinderschutzbundes.

Auf dem Programm der zweitätigen Reise stand neben dem Gespräch von Bundesministerin Spiegel mit ihrer Amtskollegin in Warschau ein Treffen mit polnischen und deutschen Organisationen an, die in der Geflüchtetenhilfe in Polen aktiv sind. Die Delegation besichtigte außerdem das humanitäre Hilfszentrum der temporären Flüchtlingsunterkunft Expo Ptak, die größte Durchgangsaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Europa mit einer Gesamtkapazität von bis zu 20.000 Menschen. Spiegel nahm dort an der Übergabe einer Hilfslieferung von Lebensmitteln und Hygieneartikeln teil, die von der deutschen Botschaft in Warschau in Kooperation mit der deutsch-polnischen Außenhandelskammer und deutschen Unternehmen in Polen organisiert wurde. Anlässlich der Reise nach Warschau legte Ministerin Spiegel zudem einen Kranz am Denkmal der Helden des Ghettos nieder.

Darüber besuchte die Delegation die zentrale Durchgangsstelle für ukrainische Heim- und Waisenkinder und unbegleitete Kinder und Jugendliche in Stalowa Wola südlich von Warschau. Dort werden die evakuierten Kinder und Jugendlichen registriert und vorläufig untergebracht, bevor sie in dauerhafte Unterkünfte in ganz Polen vermittelt werden. Den Abschluss der Reise bildete die Besichtigung des zentralen Logistikzentrums des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Lublin, das Ausgangspunkt für Hilfsgüterlieferungen in Polen ist.

Quelle: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 08.04.2022

Redaktion: Laura Burger

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