Bündnis Ratschlag Kinderarmut

Bei Strukturreformen an Kinder und Jugendliche denken

Angesichts der Haushaltsverhandlungen fordert ein breites Bündnis umfassende Reformen zur Stärkung der sozialen Infrastruktur. Der Ratschlag Kinderarmut warnt: Ohne gezielte Investitionen in Bildung, Betreuung und Teilhabe bleiben Millionen Kinder benachteiligt. Kinderrechte müssen jetzt politische Priorität werden.

11.07.2025

Angesichts der laufenden Haushaltsverhandlungen fordert ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis die Bundesregierung auf, mit umfassenden Strukturreformen die soziale Infrastruktur für Kinder und Familien massiv zu stärken. „Investitionen in Kinder und Jugendliche sind Investitionen in Wohlstand und Demokratie“, erklärt der Ratschlag Kinderarmut, ein Zusammenschluss aus 49 Organisationen und drei Wissenschaftler*innen, in einem gemeinsamen Appell. In Deutschland entscheiden die soziale Herkunft und der Wohnort maßgeblich über Teilhabemöglichkeiten und Zukunftschancen.

Familien und Kinder, die in Armut leben, sind mit vielfältigen Benachteiligungen konfrontiert. „Wirtschaft und Gesellschaft können jedoch ihr volles Potential nicht entfalten, wenn einem Teil der Kinder und Jugendlichen keine echte Chance auf Entwicklung gegeben wird“, erklärt das Bündnis

„Aktuell werden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt und die Kinderrechte dürfen dabei nicht außen vor bleiben. Die Bundesregierung muss eine umfassende Antwort auf die hohe Kinderarmutsquote geben. Dazu gehören deutlich mehr Investitionen in eine verlässliche Infrastruktur und in ein Sozialsystem, das die finanziellen Bedarfe von Kindern für gesunde Ernährung, Teilhabe und Bildung endlich angemessen berücksichtigt. Familien und Kinder müssen darauf vertrauen können, dass sich der Staat um die bestmöglichen Rahmenbedingungen für alle Kinder kümmert“,

betont Eric Großhaus, Experte für Kinderarmut und soziale Ungleichheit bei Save the Children.

In Armut lebende Kinder und Familien sind besonders auf eine funktionierende soziale Infrastruktur angewiesen, die Ungleichheiten kompensiert und die Weichen für ein selbstbestimmtes Leben ohne Armut stellen kann. Niedrigschwellige Unterstützungs-, Beratungs- und Freizeitangebote, Förder- und 
Sprachunterricht, eine ausreichende Kinderbetreuung, ein Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr oder die Nähe zu einem Sportverein – all diese Möglichkeiten können Biografien prägen. Aktuell wird die soziale Infrastruktur in Deutschland den Bedarfen nicht gerecht.

Die Liste der Probleme ist lang und reicht von fehlenden Fachkräften über unzuverlässige Betreuungszeiten bis hin zu maroden Schultoiletten. Die Unterzeichner*innen des Appells fordern daher die Bundesregierung auf: „Nehmen Sie Geld im Bereich der sozialen Infrastruktur in die Hand, damit Kinder und Jugendliche nicht ihrer Chancen beraubt werden!“ Notwendig ist eine breite Palette an Maßnahmen, darunter eine bedarfsgerechte Finanzierung der frühkindlichen Bildung, mehr Investitionen in die Qualität von Kitas, Haushaltsmittel für den Kampf gegen Kinderarmut und ein kostenloses Mittagessen für benachteiligte Kinder und Jugendliche in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen.

Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen und zusätzliche Finanzspielräume schaffen, damit die soziale Infrastruktur massiv gestärkt werden kann. Diese Investitionen für Kinder und ihre Familien werden sich langfristig auszahlen, denn sie führen zu weniger Armut, mehr Wachstum und mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt. 

Quelle: Save the Children vom 26.06.2025

Redaktion: Celine Richter