Jugendsozialarbeit

BAG EJSA: Jugendliche brauchen Bildung als "Lebensmittel"!

„Was kann mein Beitrag in dieser Welt sein? Wo kann ich meine Spuren hinterlassen?“ Diese Fragen stellen sich junge Menschen häufig. Die Evangelische Jugendsozialarbeit befasst sich dieses Jahr unter dem Motto „Lebensmittel Bildung!“ damit, wie junge Menschen zu einem eigenständigen und selbstverantwortlichen Leben befähigt werden können und welchen Beitrag die Jugendsozialarbeit zu einer inklusiven Bildung leisten kann.

04.04.2011

„Jugendliche brauchen verschiedene ‚Lebensmittel‘, um zu einem eigenständigen und selbstverantwortlichen Leben befähigt zu werden“, sagte Gretel Wildt (Sprecherin des Vorstandes der BAG EJSA) in ihrer Begrüßung zu einer ExpertInnenrunde der BAG EJSA am 30. März 2011 in Frankfurt am Main. Mit dem Begriff „Lebens-Mittel“ bezieht sich die BAG EJSA auf eine Wortschöpfung des österreichischen Sozialexperten Martin Schenk, die dieser im Zusammenhang mit seiner Forschung zur Prävention und Linderung von Armut geprägt hatte.

Und welche „Lebens-Mittel“ brauchen junge Menschen? Grundlegende Hinweise dazu kamen bei der Veranstaltung von Prof. Heiner Keupp (emeritierte Professur für Sozial- und Gemeindepsychologie am Department Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München und Vorsitzender der Sachverständigenkommission für den 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung). Der Bericht hatte den Schwerpunkt auf gesundheitsbezogene Prävention und Gesundheitsförderung gelegt. Für Keupp entsteht Gesundheitsförderung durch Bilden und Befähigen. Er wendet sich dabei entschieden gegen die ausschließliche Ausrichtung von Bildung auf das „Fitmachen“ von jungen Menschen für den Arbeitsmarkt. Vielmehr geht es um die Entwicklung zu selbstständigen und selbstverantwortlichen Menschen.

Eine zentrale Voraussetzung für die Teilhabe von jungen Menschen an unserer Gesellschaft sei Bildungsgerechtigkeit, so Keupp. Diese bedeute nicht, dass jeder junge Mensch das Gleiche bekommen soll. Es gehe vielmehr darum, jedem Menschen durch Bildung Handlungsspielräume zu eröffnen. Die „Lebens-Mittel“, die dafür notwendig seien, müssten je nach Bedarf unterschiedlich sein.

Aus Keupps Sicht sind wir in Deutschland weit entfernt von einer gelungenen Inklusion, denn verschiedene Studien (z. B. die KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts) belegen, dass ein Teil der jungen Menschen nur einen unzureichenden Zugang zum „Lebensmittel“ Bildung hat. Wichtig sei das Inklusionsempfinden, so Keupp. Wenn junge Menschen sagen „Bei Vielem, um das es in der Welt geht, bin ich nicht dabei“ heißt das, sie fühlen sich ausgeschlossen. Dann könne man nicht von einer gelungenen Inklusion sprechen. Das von Keupp favorisierte Konzept der Befähigungsgerechtigkeit will Inklusion herstellen, indem jungen Menschen einerseits Bildungsgelegenheiten gegeben werden und andererseits der Staat fördernde Rahmenbedingungen (wie z. B. ein gesichertes Grundeinkommen für Kinder) zur Verfügung stellt. 

Zwar wachsen laut der neusten Shell-Jugend-Studie 80 Prozent der Kinder- und Jugendlichen in Deutschland gut auf. Das klingt erst einmal ganz positiv. „Das heißt aber auch, dass 20 Prozent keine guten Bedingungen haben um sich zu entwickeln“, stellt Michael Fähndrich (Geschäftsführer der BAG EJSA) fest. „Das sind die Jugendlichen, für die wir in der Jugendsozialarbeit zuständig sind.“ Die Fachkräfte in der Jugendsozialarbeit können von guten Beispielen und hilfreichen Handlungsansätzen berichten. Aber auch für sie stellt sich die Frage, wie es noch besser gelingen kann, dass Kinder und junge Menschen gesund im Sinne von selbstbestimmt aufwachsen und sich dazugehörig fühlen.

Denn nur wer sich dazugehörig fühlt, kann auch einen eigenen Beitrag in der Gesellschaft leisten und eigene Spuren hinterlassen.

Herausgeber: Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugendsozialarbeit e.V.

Redaktion: Ilja Koschembar

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