Sonderpädagogik

Autismus-Spektrum wird häufiger diagnostiziert

Die Diagnose von Autismus bei Kindern hat in den letzten 20 Jahren zugenommen. Prof. Dr. Stefanie Köb und Dr. Robert Vrban von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg untersuchen diese Entwicklung in einer Studie. Sie analysieren die Anzahl der Schüler*innen im Autismus-Spektrum an Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) in Baden-Württemberg.

06.05.2026

Immer häufiger wird bei Kindern Autismus diagnostiziert. Die Zahl der Schüler*innen aus dem Autismus-Spektrum sei in den vergangenen 20 Jahren gestiegen, in Deutschland wie auch international, sagt Prof. Dr. Stefanie Köb von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Mittlerweile sei dies auch im Unterrichts-Alltag wahrnehmbar, wie Schulen berichteten. Dieser Thematik will die Sonderpädagogin in einer neuen Studie auf den Grund gehen, zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Robert Vrban.

Am Ende des zweijährigen Projekts soll eine fundierte Datengrundlage für Baden-Württemberg vorliegen – bislang gibt es kaum belastbare Daten dazu. Das Forschungsteam wird dabei Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) aller Förderschwerpunkte in den Blick nehmen. Ein Drittel aller Autismus-Diagnosen sei mit dem Zusatz „kognitive Beeinträchtigung“ verbunden, so Köb. Allerdings gebe es nicht nur an den SBBZ Gent (Geistige Entwicklung) Schüler*innen mit der Diagnose Autismus-Spektrum, sondern auch in allen anderen Fachrichtungen. „Für den schulischen Kontext ist die Kombination Autismus-Spektrum und besonderer Förderbedarf relevant, weil sie spezifische pädagogische Anforderungen mit sich bringt“, so Vrban.

In einer quantitativen Analyse werden die Forschenden erstmals systematisch erfassen, wie viele Schüler*innen im Autismus-Spektrum an SBBZ in Baden-Württemberg lernen. Um mögliche Entwicklungen sichtbar zu machen, werden diese Zahlen mit Daten aus den Schuljahren 2020/21 und 2025/26 verglichen. Im zweiten Projektteil geht es dann darum, welche Konsequenzen sich daraus für die schulische Praxis ergeben. Dafür wird das Team Interviews mit Lehrkräften verschiedener Fachrichtungen führen. „Wir wollen verstehen, welche pädagogischen Herausforderungen sie im Unterricht erleben und welche Strategien sich in der Praxis bewährt haben“, sagt Stefanie Köb.

So kann es beispielsweise hilfreich sein, für diese Schüler:innen klar strukturierte Lernumgebungen und verlässliche Routinen anzubieten oder die Kommunikationsformen individuell anzupassen. „Es zeichnet sich bereits ab, dass Schulen hier mehr Unterstützung brauchen, sei es durch Fortbildungen für Lehrkräfte oder mit didaktischen Materialien.“ Gerade für künftige Aus- und Fortbildungsangebote wolle man so eine fundierte Grundlage schaffen.

Warum die Anzahl der Diagnose überhaupt steigt, wird in der Wissenschaft diskutiert. 

„Ein Teil dürfte darauf zurückzuführen sein, dass Autismus heute häufiger erkannt wird als früher. Wir haben heute bessere diagnostische Verfahren. Gleichzeitig fehlen für viele Bildungssysteme – und eben auch für Baden-Württemberg – noch genaue schulbezogene Daten, die diese Entwicklung genauer abbilden.“

Die diagnostischen Kriterien seien erweitert worden und insgesamt seien die Medizin wie auch Bildungseinrichtungen stärker sensibilisiert.

Das Projekt

Die Studie zu „Schülerinnen und Schülern im Autismus Spektrum an Sonder- und Förderschulen“ (SIMAS) ist im Januar gestartet. Bis Ende 2028 erhebt sie systematisch die Anzahl der betroffenen Schüler:innen an den SBBZ Baden-Württembergs. Das Forschungsprojekt wird von der Stiftung Irene gefördert. Informationen unter https://www.ph-heidelberg.de 

Quelle: Pädagogische Hochschule Heidelberg vom 20.04.2026

Redaktion: Christin Jauch