Neues Vereinbarkeitsgesetz
Antidiskriminierungsstelle weitet Beratungsangebot für Eltern und pflegende Angehörige aus
Eltern mit kleinen Kindern und Leute, die ihre Familienangehörigen pflegen und deswegen im Job benachteiligt werden, können sich von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes beraten lassen. Das sieht das so genannte „Vereinbarkeitsrichtlinienumsetzungsgesetz“ vor, das im Dezember 2022 in Kraft getreten ist.
09.01.2023
Aus einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes von 2022 geht hervor, dass Diskriminierungen von Eltern und pflegenden Angehörigen am Arbeitsplatz weit verbreitet sind. 41 Prozent der Eltern gaben an, wegen der Kinderbetreuung Diskriminierung erlebt zu haben. Bei Menschen, die Angehörige pflegen, waren es 27 Prozent. „Das müssen wir ernst nehmen“, sagt Ferda Ataman, Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung. „Deshalb freue ich mich, dass wir ab jetzt als Beratungsstelle auch für diese Gruppe zur Verfügung stehen.“
Konkret können arbeitende Eltern und pflegende Angehörige sich an die Antidiskriminierungsstelle wenden, wenn sie der Ansicht sind, wegen der Beantragung oder Inanspruchnahme einer Elternzeit, Pflegezeit oder Familienpflegezeit benachteiligt worden zu sein. Dazu zählen auch Fälle, in denen Menschen wegen eines akuten Pflegefalles oder aus dringenden familiären Gründen ihr Recht in Anspruch genommen haben, von der Arbeit fernzubleiben und anschließend Benachteiligung erlebt haben.
Rechtsschutz geht nicht weit genug
Dieser Rechtsschutz von Eltern und pflegenden Angehörigen im Rahmen des so genannten „Maßregelungsverbots“ geht aus der Sicht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes allerdings nicht weit genug. So haben Eltern oder Pflegende nur dann eine Handhabe gegen ihren Arbeitgeber, wenn sie benachteiligt wurden, weil sie einzelne Rechte in Anspruch genommen haben – beispielsweise, wenn sie Elternzeit eingereicht haben. Für Diskriminierungen bei der Jobsuche, im Bewerbungsverfahren und bei Einstellungen gilt das Maßregelungsverbot aber nicht. Auch können Betroffene ihren Arbeitgeber nur unter hohen Beweisanforderungen auf Schadensersatz verklagen.
Ataman sieht das kritisch:
„Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesregierung ein deutlicheres Zeichen gegen Diskriminierung von Eltern und pflegenden Angehörigen setzt. Leider hat es die Bundesregierung versäumt, die Diskriminierung von Eltern und pflegenden Angehörigen als eigenes Diskriminierungsmerkmal ins Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) aufzunehmen. Dann wären Arbeitgeber dazu verpflichtet, Eltern, pflegende Angehörige und andere Fürsorgeleistende umfassend vor Diskriminierung zu schützen – und die Betroffenen könnten vor Gericht leichter Ansprüche gegen Arbeitgeber:innen wegen Diskriminierung durchsetzen.“
Ataman kündigte an, sich im Rahmen der Reform des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes für einen verbesserten Schutz von Eltern und pflegenden Angehörigen vor Diskriminierung starkzumachen.
Quelle: Antidiskriminierungsstelle des Bundes vom 23.12.2022
Termine zum Thema
-
16.09.2026
Wissenschaftliche Jahrestagung bke - Sprache
-
23.09.2026
Politische Bildung an der Schnittstelle von Rassismus und Behinderung
-
24.09.2026
Fachwerkstatt - Jüdisches Leben und Antisemitismus als Themen in der Jugendarbeit
-
06.10.2026
Künstliche Intelligenz in Kinder- und Jugendhilfe und Vormundschaft
-
03.11.2026
Online-Vortrag: Kindeswille trifft Kindeswohl – im Kontext der Verfahrensbeistandschaft
Materialien zum Thema
-
Webangebot / -portal
Autismus-Ratgeber.de – Informationen und praktische Hilfsmittel
-
Broschüre
Infomaterial von kindwärts
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe 4-2025
-
Podcast
Podcast Berufsjugendlich, Folge 53: Lifestyle: Berufsjugendlich
Projekte zum Thema
-
Institut für E-Beratung, TH Nürnberg
Virtueller Rundgang - E-Beratungssoftware ebs und intelligente Beratungsassistenz eb.IBA
-
Kindersprachbrücke Jena e.V.
PARTS - Programm zur Förderung von Akzeptanz, Respekt, Toleranz und sozialer Kompetenz
-
AGJF Sachsen e.V.
Uferlos – Fachstelle für Internationale Jugendarbeit (IJA) im Freistaat Sachsen
-
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
Fachstelle Rechtsextremismus und Familie
-
NACOA Deutschland e.V. und Drogenhilfe Köln gGmbH
Hilfen im Netz
Institutionen zum Thema
-
Verband / Interessenvertretung
Bundesarbeitsgemeinschaft der Kinderschutz-Zentren e. V.
-
Außeruniversitäre Forschungs-/Serviceeinrichtung
ISA – Institut für soziale Arbeit e.V.
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Jugendbildungsstätte LidiceHaus Bremen
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Kindernothilfe e.V.
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
ufuq.de