Eurochild

Alle Kinder haben das Recht, geschützt zu werden

Anlässlich des weiterhin andauernden Kriegs gegen die Ukraine wandte sich Eurochild an Institutionen der Europäische Union. Es müssten alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um den Schutz der Menschenrechte aller Kinder zu gewährleisten. In Länderberichten aus Polen, der Slowakei, Bulgarien und Rumänen werden die aktuellen Herausforderungen im Kinderschutz und der Pflegekinderhilfe deutlich.

14.04.2022

Der Krieg in der Ukraine hat verheerende Folgen für die Kinder, darunter schwere Verletzungen der Kinderrechte. Bis heute sind über 3,5 Millionen Menschen aus der Ukraine geflohen, darunter 1,5 Millionen Kinder. In allen Konflikten sind Kinder am stärksten gefährdet, und angesichts der großen Bevölkerungsbewegungen sind Kinder besonders anfällig für die Risiken von Menschenhandel und Ausbeutung. Noch schlimmer ist die Situation für Kinder, die sich bereits in einer prekären Lage befinden, wie Kinder, die in Heimen leben, und Kinder mit Behinderungen.

Länder-Berichte über die besonderen Schwierigkeiten für Kinder

Eurochild-Mitglieder berichten aus erster Hand über die Schwierigkeiten, mit denen Kinder konfrontiert sind:

Unzureichende Betreuungsregelungen und Mangel an professionellen Kapazitäten

In Polen wird die Betreuung von Kindern durch einen vorübergehenden Vormund durch ein neues Gesetz, das Gesetz über die Unterstützung ukrainischer Bürger/-innen, geregelt, aber die Umsetzung in der Praxis führt dazu, dass viele Kinder keinen angemessenen Vormund haben. In Stalowa Wola in der Provinz Podkarpackie wurde ein Aufnahmezentrum für ukrainische Kinder eingerichtet, die in allen alternativen Betreuungseinrichtungen und Heimen in der Ukraine untergebracht waren. Das Zentrum soll sicherstellen, dass alle Kinder, die in diesem Gebiet ankommen, registriert werden, um eine vorübergehende Lösung für den Aufenthalt der Kinder zu bieten. Die Polnische Koalition für Pflegefamilien berichtet jedoch, dass angesichts des Standorts des Zentrums nicht alle bedürftigen Kinder registriert werden können oder überhaupt in der Lage sind, dorthin zu reisen. Dies führt dazu, dass schutzbedürftige Kinder keine angemessene Unterstützung erhalten und dass es keine Informationen und keine Nachverfolgung von Kindern in Not gibt. In den Fällen, in denen Kinder in alternativer Betreuung untergebracht sind, ist es schwierig, Räumlichkeiten zu finden, um die große Anzahl von Kindern aus Heimen in der Ukraine unterzubringen. Dies führt zu unzureichenden Betreuungsregelungen und einem Mangel an professionellen Kapazitäten für die Betreuung dieser Kinder.

Fehlende Kapazitäten im Pflegefamiliensystem

In der Slowakei mangelt es an Kapazitäten im nationalen Pflegefamiliensystem, wie die Bürgervereinigung Rückkehr (Civic Association Return) (Navrat) berichtet. Bedürftige ukrainische Kinder werden in Heimen untergebracht. Potenzielle Pflegefamilien sind nicht bereit, Pflegekinder aufzunehmen, geschweige denn Kinder, die vor einem Konflikt fliehen. Außerdem fehlt es an Fachkräften, die diese Unterbringungen überwachen können, so dass die Kinder aufgrund fehlender Schutzmaßnahmen in einer prekären Lage sind.

Effektive Zusammenarbeit von Kinderschutz und Flüchtlingshilfe

Bulgarien ist mit einem massiven Anstieg der Flüchtlingszahlen konfrontiert, darunter auch Kinder, was sich als große Herausforderung erweist. Als effektiv erwiesen hat sich, dass das Nationale Netzwerk für Kinder in Bulgarien (NNC) mit der behördenübergreifenden Struktur zusammengearbeitet hat, welche die Flüchtlingshilfe in Bulgarien koordiniert. Jedoch gab es Schwierigkeiten bei der Sicherstellung, dass Kinder, die von Erziehungsberechtigten begleitet werden, zusammenbleiben können (z. B. bei Sportmannschaften oder wenn ein Elternteil auf seine eigenen Kinder und die Kinder anderer aufpasst). Bulgarien hat die einzelnen Kinder automatisch in Heimen untergebracht. Jetzt sorgt die staatliche Kinderschutzbehörde (SACP) dafür, dass die Kinder zusammen mit dem Vormund bleiben, mit dem sie angekommen sind. Bulgarien hat nach wie vor Schwierigkeiten, den Familien direkte finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen, und benötigt in dieser Hinsicht mehr Mittel von der EU.

Gemeinsame Unterbringung in Pflegeheimen

Rumänien nimmt ebenfalls Gruppen von Kindern aus ukrainischen Waisenhäusern auf, allerdings in weitaus geringerer Zahl als Polen. Die Regierung bringt diese Kinder in speziellen Heimen und nicht in Familien unter, um die Kinder zusammenzuhalten. Das Familienministerium teilte der ukrainischen Botschaft kürzlich mit, dass Rumänien nicht beabsichtigt, ukrainische Kinder zur Adoption freizugeben. Es heißt, dass die Kinder in Rumänien in Sicherheit sind und dann in die Ukraine zurückgebracht werden.

Die Schwierigkeiten, mit denen Kinder aufgrund dieses Konflikts konfrontiert sind, betreffen nicht nur diejenigen, die die Grenzen überquert haben, sondern auch Millionen von Binnenvertriebenen, darunter auch Kinder, die sich noch in der Ukraine befinden. Das ukrainische Mitglied von Eurochild, Polina Klykova, betont, dass die Kinder, die aus ihren Häusern evakuiert werden, unterstützt werden müssen, da sie ihre Freunde/Freundinnen, Familienmitglieder und die Strukturen um sie herum vermissen werden.

Notwendigkeit grenzüberschreitender Zusammenarbeit

In dieser Phase des Konflikts ist es von zentraler Bedeutung, dass über jedes Kind genaue und angemessene Informationen gespeichert werden. Das EU-Büro von Hope and Homes for Children hat berichtet, dass die in den Nachbarländern eingerichteten Schutzcluster eine wichtige Rolle dabei spielen, die vor Ort tätigen Akteure/Akteurinnen zusammenzubringen. Es besteht jedoch ein dringender Bedarf an einem grenzüberschreitenden Verfolgungssystem, um zu verhindern, dass Kinder verschwinden und/oder Opfer von Kinderhandel werden und um die Aufsicht über die Betreuung der Kinder zu behalten.

Die Auswirkungen des Konflikts auf Kinder sind immens und erfordern dringend mehr Aufmerksamkeit und Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Rechte der Kinder jederzeit geschützt werden.

Jetzt, da der Konflikt bereits einen Monat andauert, sei es unbedingt notwendig, Maßnahmen zu ergreifen, um den Schutz der Menschenrechte aller Kinder zu gewährleisten. Die derzeitige Situation der Richtlinie über vorübergehenden Schutz scheine wirksam zu sein, um sicherzustellen, dass Menschen, die aus der Ukraine fliehen, Zugang zu staatlichen und sozialen Dienstleistungen haben. Es sei jedoch bei weitem nicht klar, dass alle Kinder angemessen unterstützt werden. Mitunter werden Kinder bei ihrer Ankunft nicht angemessen registriert, und die Standards der Betreuung/Unterstützung erweisen sich als unzureichend für ihre Bedürfnisse.

Quelle: Eurochild vom 01.04.2022

Redaktion: Laura Burger

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