Beschäftigung und Unternehmergeist

Aktuelle Debatten und Reformen

Anstehende politische Entwicklungen

Laut Berufsbildungsbericht 2019 (PDF 3,1 MB) gehören zu den aktuellen Themen und Herausforderungen für den Ausbildungsmarkt unter anderem:

  • die Konkurrenz von Abitur und Hochschulstudium zur Berufsausbildung,
  • die Abnahme der Menge der Auszubildenden im Zuge des demografischen Wandels,
  • der Anstieg der Zahl der Ausbildungsanfänger/-innen mit Studienberechtigung,
  • die steigende Nachfrage nach Ausbildung,
  • die Zusammenführung von Angebot und Nachfrage von Ausbildungsplätzen.

Die Bundesregierung hat im Juni 2019 einen Gesetzentwurf zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung (PDF 773 KB) vorgelegt. Damit soll die duale berufliche Bildung in Deutschland u.a. durch die Einführung einer Mindestvergütung für Auszubildende modernisiert und gestärkt werden. Zu den wesentlichen Änderungen gehören:

  • die Einführung einer Mindestvergütung für Auszubildende im BBiG,
  • die Stärkung und Weiterentwicklung der „höherqualifizierenden“ Berufsbildung mit transparenten beruflichen Fortbildungsstufen und mit eigenständigen und attraktiven Abschlussbezeichnungen,
  • der flexiblere Einsatz von Prüferinnen und Prüfern bei Abschlussprüfungen,
  • eine verbesserte Durchlässigkeit auch innerhalb der beruflichen Bildung, d.h. Prüfungen können erlassen werden bei aufeinander aufbauenden Ausbildungsberufen,
  • die Stärkung der Teilzeitberufsausbildung.

Laufende Diskussionen

Im Zusammenhang mit der Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen von Jugendlichen hat eine organisationsübergreifenden informellen Autor(inn)engruppe das Eckpunktepapier‚ Kompetenzen junger Menschen anerkennen – den Berufseinstieg fördern‘ (PDF 650 KB) erstellt. Dieses bietet Eckpunkte zur Anerkennung von non-formal und informell erworbenen Kompetenzen junger Menschen auf dem Weg in den Beruf. Es leistet einen Beitrag zur Diskussion um die Entwicklung des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) mit dem speziellen Fokus auf der Anerkennung non-formal und informell erworbener Kompetenzen junger Menschen im Übergang zwischen Schule und Beruf.

Die Corona-Krise hält Deutschland weiter im Griff. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat viele Maßnahmen ergriffen, wie bspw. die Anpassung des Kurzarbeitergeldes oder Erleichterungen in der Grundsicherung, um die Zeit überbrücken zu können.

Mit dem Arbeit-von-morgen-Gesetz ("Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung") hat das BMAS diese Bemühungen verstärkt und richtet die Weiterbildungsförderung damit weiter auf die sich ändernden Anforderungen der demografischen Entwicklung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit aus.

Mit der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, die im Juni 2021 in Kraft getreten ist, wurde Inklusion bzw. die Ermöglichung oder Erleichterung junger Menschen, „entsprechend ihrem Alter und ihren individuellen Fähigkeiten in allen sie betreffenden Lebensbereichen selbstbestimmt zu interagieren und damit gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können“ (§ 1, Absatz 3, Satz 2 SGB VIII), zu einem Leitprinzip der Kinder- und Jugendhilfe und damit auch aller berufsbezogenen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, vor allem der Jugendberufshilfe und der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit. Was dies im Detail fachlich in Bezug auf die vielfältigen Angebote in den jeweiligen Praxisfeldern und in der Kooperation mit der Arbeitsverwaltung bedeutet, beginnt gerade Gegenstand der aktuellen Fachdiskussion zu werden (vgl. Der Paritätische 2020).

Einige Monate vor dem Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Regelungen des KJSG wurde der 16. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung vorgelegt (Deutscher Bundestag 2020). Dieser befasste sich mit dem Stellenwert politischer Bildung bzw. Demokratiebildung in den verschiedenen Räumen des Aufwachsens junger Menschen. Zwei wichtige Räume waren dabei einerseits die berufliche Bildung bzw. die Bedeutung der politischen Bildung in Berufs- und Arbeitswelt und andererseits die Jugendsozialarbeit, denen jeweils, wenn auch unterschiedlich ausführlich, eigene Kapitel gewidmet wurden.
In Bezug auf die politische Bildung junger Menschen in der Berufs- und Arbeitswelt (Deutscher Bundestag 2020, S. 239-266) diagnostiziert der Bericht „ein großes Defizit an systematischer, konzeptioneller ebenso wie empirischer Forschung sowie entsprechender Schwerpunkte in der Qualifikation und Weiterbildung von Berufsschullehrerinnen und -lehrern, betrieblichen Ausbildern und Ausbilde-rinnen und der gewerkschaftlichen Jugend- und Erwachsenenbildung. Hier wären dringend Ressourcen für Forschungsprojekte und grundständige Strukturen in der Hochschulbildung sowie bei Angeboten der Fort- und Weiterbildung für Fachkräfte notwendig" (Deutscher Bundestag 2020, S. 266).
Jugendsozialarbeit wurde in dem Bericht als bislang „unterschätzter Raum“ (Deutscher Bundestag 2020, S. 477ff.) in dem Sinne verstanden, als sowohl die Fachdiskussion selbst als auch die für politische Bildung spezialisierten Angebote und Träger dieses Praxisfeld bisher in seinen Möglichkeiten nicht systematisch in den Blick genommen haben. Mittlerweile hat eine Diskussion darüber eingesetzt, wie Demokratiebildung zu einem nachhaltigen Moment der Jugendsozialarbeit werden kann (vgl. Kooperationsverbund Jugendsozialarbeit 2021; siehe auch Ausgabe 26 der Zeitschrift DREIZEHN – Zeitschrift für Jugendsozialarbeit zum Thema „Jugendsozialarbeit – ein unterschätzter Raum politischer Bildung).

 

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Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.

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