Beschäftigung und Unternehmergeist

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Anstehende politische Entwicklungen
 

Fachkräftesicherung


Das Problem eines zunehmenden Fachkräftemangels hat in der aktuellen arbeitsmarktpolitischen Diskussion einen zentralen Stellenwert. Die Bundesregierung hat am 12. Oktober 2022 ihre Fachkräftestrategie beschlossen. Mit dem Maßnahmenpaket der Fachkräftestrategie unterstützt die Bundesregierung die Anstrengungen der Unternehmen und Betriebe, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. In diesem Kontext hat auch die berufliche Bildung eine zunehmende Bedeutung.

Mit dem Inkrafttreten des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes am 1. März 2020 wurde der Arbeitsmarktzugang für Fachkräfte aus Drittstaaten erleichtert. Hierzu gehört auch die Möglichkeit, bis zu sechs Monate zur Ausbildungsplatzsuche einzureisen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, einen Aufenthaltstitel zur Berufsausbildung und nach erfolgreichem Abschluss einer mindestens zweijährigen qualifizierten Berufsausbildung einen Aufenthaltstitel zur Beschäftigung zu erhalten.

 

Kurzarbeitergeld und Investitionsförderung

Gestiegene Energiekosten, insbesondere bedingt durch die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, sowie Einschränkungen und Verunsicherungen im internationalen Handel durch Zollpolitiken haben erhebliche Auswirkungen auf das nationale Wirtschaftsleben. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat wirksame Entlastungsmaßnahmen ergriffen, wie bspw. die Anpassung des Kurzarbeitergeldes und die geplante steuerliche Förderung betrieblicher Investitionen. 

Laufende Diskussionen

Die Arbeitswelt erlebt aktuell einen rasanten Strukturwandel, insbesondere durch die zunehmende Verbreitung der Digitalisierung von Produktion und Dienstleistungen und des Einsatzes künstlicher Intelligenz. Dies hat auch erhebliche Bedeutung für die Ausbildungs- und Beschäftigungsperspektiven junger Menschen. 

Mit dem Arbeit-von-morgen-Gesetz ("Gesetz zur Förderung der beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der Ausbildungsförderung") aus dem Jahr 2020 werden die Förderinstrumente der Arbeitsmarktpolitik weiterentwickelt, um die Beschäftigungsfähigkeit von Beschäftigten und Auszubildenden im Strukturwandel über Weiterbildung und Qualifizierung zu erhalten. Für junge Menschen sind besonders verbesserte Fördermöglichkeiten im Bereich der Ausbildungsförderung von Bedeutung. Das Gesetz ist Bestandteil der nationalen Weiterbildungsstrategie die kontinuierlich fortgesetzt und weiterentwickelt wird. 

Mit der Reform des Kinder- und Jugendhilfegesetzes, die im Juni 2021 in Kraft getreten ist, wurde Inklusion bzw. die Ermöglichung oder Erleichterung junger Menschen, „entsprechend ihrem Alter und ihren individuellen Fähigkeiten in allen sie betreffenden Lebensbereichen selbstbestimmt zu interagieren und damit gleichberechtigt am Leben in der Gesellschaft teilhaben zu können“ (§ 1, Absatz 3, Satz 2 SGB VIII), zu einem Leitprinzip der Kinder- und Jugendhilfe und damit auch aller berufsbezogenen Angebote der Kinder- und Jugendhilfe, vor allem der Jugendberufshilfe und der arbeitsweltbezogenen Jugendsozialarbeit. 

Der 17. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung befasste sich mit dem Aufwachsen junger Menschen unter den aktuellen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, wie z. B. Flucht und Klimagerechtigkeit, Digitalisierung, Veränderungen der Arbeitswelt und demographischer Wandel. Überprüft wird auch, inwiefern die Kinder- und Jugendhilfe wirksam zum Abbau sozialer Benachteiligungen beiträgt. Der Bericht formuliert zehn Leitlinien für eine vertrauenswürdige und verlässliche Kinder- und Jugendhilfe und formuliert entsprechende Empfehlungen an Politik, Fachpraxis und Wissenschaft.

Der nationale Bildungsbericht 2024 formuliert zum Themenfeld Berufliche Bildung und Erwerbstätigkeit junger Menschen aktuelle Themen und Herausforderungen für den Ausbildungsmarkt:

  • Die individuellen Erwerbschancen auf dem Arbeitsmarkt hängen stark vom Vorhandensein eines formalen beruflichen Abschlusses ab: So sind Personen ohne Ausbildungsabschluss im Alter zwischen 25 und unter 35 Jahren 4-mal häufiger von Erwerbslosigkeit betroffen als Personen mit Ausbildungsabschluss.
  • Die Anzahl der Neuzugänge im System der dualen Berufsausbildung ist deutlich angestiegen, liegt aber weiterhin hinter dem Stand vor der Corona-Pandemie zurück. Weiterhin bestehen hohe Passungsprobleme zwischen angebotenen Ausbildungsstellen und unversorgten Bewerber:innen. Auch im Bereich der schulischen Berufsausbildung stagniert die Zahl der Anfänger:innen, so dass die Fachkräftesicherung in den Gesundheits- und Erziehungsberufen kritisch ist.
  • Der Anteil dualer Ausbildungsabsolvent:innen mit nichtdeutscher Staatsangehörigkeit hat sich im letzten Jahrzehnt auf 10% verdoppelt, sie stellen damit ein wichtiges Fachkräftepotenzial dar, das noch nicht ausgeschöpft wird.
  • Der Übergangssektor in berufliche Ausbildung hat mit ca. einer viertel Millionen Neueinmündungen weiterhin eine hohe Bedeutung, insbesondere für junge Menschen mit Kriegs- und Fluchtgeschichte. Ihre im Vergleich zu anderen Personen deutlich geringeren Einmündungsquoten in eine Ausbildung zeigen jedoch den Bedarf an einer passgenauen Schärfung der institutionellen Unterstützungsangebote.

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Dieser Artikel wurde auf www.youthwiki.eu in englischer Sprache erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.