Offener Brief

Zum politischen Umgang mit existenziellen Bedarfen junger Menschen

Die Professor*innen Sabine Andresen, Karin Böllert und Wolfgang Schröer haben einen Offenen Brief an das Bundeskanzleramt gerichtet, der auf Einsparungsvorschläge in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe eingeht. Mit Blick auf sechs Schwerpunktthemen argumentieren sie gegen die Kürzungspläne.

29.04.2026

Die Professor*innen Sabine Andrese, Karin Böllert und Wolgang Schröer haben einen Offenen Brief „Zum politischen Umgang mit existenziellen Bedarfen junger Menschen“ an das Bundeskanzleramt gerichtet. Darin nehmen sie Bezug auf das kürzlich vom Paritätischen Gesamtverband veröffentlichte Dokument einer nicht öffentlichen Arbeitsgruppe im Kanzleramt, die auf über 100 Seiten Einsparungsvorschläge in der Kinder- und Jugendhilfe sowie Eingliederungshilfe listet. 

Die Autor*innen leisten einen argumentativen Beitrag für die Kostensteigerungen in der Kinder- und Jugendhilfe und gegen die vorgesehenen Kürzungen. Dabei gehen sie auf sechs Themenschwerpunkte genauer ein: 

  1. Frühkindliche Bildungs- und Betreuungsangebote: Ein Großteil der Kostensteigerungen gehe auf den Ausbau der frühkindlichen Bildung und Betreuung zurück, der u.a. die Teilhabechancen von Kindern erhöhe.
  2. Kinder- und Jugendliche mit Behinderungen: Die Priorisierung von Poolangeboten vor 1:1 Betreuung minimiere die Teilhabechancen, sofern die Angebote nicht angemessen ausgestattet werden.
  3. Inklusive Kinder- und Jugendhilfe: Die Länderöffnungsklausel des Referentenentwurfs zum 1. KJHSRG könne zu einem Stop einer angestrebten Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe führen, um einen länderrechtlichen Flickenteppich zu vermeiden.  
  4. Kinderarmut: Die Rückkehr zu alten Regelungen des Unterhaltsvorschussgesetzes sei ein Rückschritt im Kampf gegen Kinderarmut.
  5. Careleaver*innen: Fehlende Regelungen zur Nachsorge von Careleaver*innen mindere ihre Teilhabechancen und erhöhe die Wahrscheinlichkeit eines Übergangs ins nächste Leistungssystem oder gar die Obdachlosigkeit.
  6. Junge Geflüchtete: Die Untebringung von minderjährigen, unbegleiteten Geflüchteten in Erwachsenenunterkünften stehe internationalem, wie nationalem Recht entgegen. 

Der vollständige offene Brief auf der Seite des Kinderschutzbundes 

Zu den Autor*innen

Prof. Dr. Sabine Andresen, Fachbereich Erziehungswissenschaften, Universität Frankfurt und Präsiden-tin des Kinderschutzbundes

Prof. Dr. Karin Böllert, Universität Münster, ehemalige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ, Vorsitzende der Sachverständigenkommission des 17. Kinder- und Jugendberichtes

Prof. Dr. Wolfgang Schröer, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik, Universität Hildesheim, Vorsitzender des Bundesjugendkuratoriums in der 19. und 20. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages

Redaktion: Zola Kappauf