Finanzkompetenzen
Wie viel Taschengeld ist für Kinder und Jugendliche angemessen?
Taschengeld ist weit mehr als nur ein Beitrag zum Alltag: Es schafft Übungssituationen, in denen Kinder und Jugendliche Budgetplanung, Abwägen von Wünschen und finanzielle Eigenständigkeit lernen. Das DJI hat neue Empfehlungen zur Taschengeldhöhe veröffentlicht und betont die Rolle der Familie für frühe Finanzkompetenzen – eine Schlüsselbasis in der digitalen Konsumwelt.
23.09.2025
Süßigkeiten, Zeitschriften, Kinobesuche oder In-App-Käufe – mit dem Taschengeld lassen sich für Kinder und Jugendliche individuelle Wünsche erfüllen. In einer zunehmend digital geprägten Alltagswelt können Kinder und Jugendliche Einkäufe mit einem Click erledigen. Waren sind in Online-Shops jederzeit verfügbar, Influencer-Werbung mischt sich in Freizeit und Kommunikation und die Bezahlung läuft im Hintergrund über Karte oder App. Diese digitale Umgebung beschleunigt Entscheidungen, verschleiert Folgekosten und schafft neue Risiken. Deshalb sind früh finanzielle Basiskompetenzen notwendig, um den Überblick zu behalten, sich Ziele zu setzen, digitale Einkäufe zu prüfen sowie Daten zu schützen.
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) hat nun die Expertise „Taschengeld und Gelderziehung“ veröffentlicht, die im Rahmen eines vom Deutschen Sparkassen- und Giroverbands finanzierten Projekts erstellt wurde. Die enthaltenen Empfehlungen zu den Grundregeln des Taschengelds, die Taschengeld- und Budgetgeld-Höhen haben die DJI-Wissenschaftlerinnen auf Grundlage neuer Daten sowie eines Workshops angepasst. Die Expertise bündelt aktuelles Wissen und praktische Erfahrungen zum Taschengeld in Deutschland.
Aktuell gelten für Kinder und Jugendliche diese Taschengeld-Richtlinien: unter 6-Jährige 1 bis 2 Euro und 6- bis 7-Jährige 2 bis 3 Euro in der Woche, 8- bis 9-Jährige 3 bis 4 Euro in der Woche und 10- bis 11-Jährige 15 bis 25 Euro im Monat. Für Kinder von 12 bis 13 Jahren liegt die Empfehlung bei 20 bis 30 Euro monatlich, bei den 14- bis 15-Jährigen sind es 25 bis 45 Euro und bei den 16- bis 17-Jährigen 40 bis 60 Euro im Monat. Ab 18 Jahren liegt die Empfehlung bei 55 bis 75 Euro monatlich.
Wie Gelderziehung in der Familie funktioniert und warum Taschengeld zentral ist
Den ersten Umgang mit Geld und Finanzen lernen Kinder und Jugendliche vor allem zu Hause. Drei Mechanismen wirken hier zusammen: was Erwachsene vorleben, was gemeinsam über Geld und Finanzen besprochen wird sowie was Kinder selbst entscheiden und ausprobieren. Mit zunehmendem Alter ergänzt Budgetgeld diesen Lernraum für planbare Ausgaben.
„Der pädagogische Sinn liegt nicht im ‚Geld zum Ausgeben‘, sondern in wiederkehrenden Übungssituationen, in denen Kinder ein begrenztes Budget planen und zwischen Wünschen und Notwendigem abwägen“,
sagt Dr. Alexandra Langmeyer-Tornier, Leiterin der DJI-Fachgruppe „Lebenslagen und Lebenswelten von Kindern“ und Mitautorin der Expertise. Das frühe Erfahrungslernen mache das Taschengeld zum Schlüsselbaustein für die finanzielle Bildung, so die Wissenschaftlerin weiter.
Für Jugendliche ab 12 Jahren empfehlen die Wissenschaftlerinnen Budgets, die zusätzlich zum Taschengeld zweckgebunden ausgezahlt werden sollen. So erlernen sie eine größere finanzielle Eigenständigkeit und können im geschützten Raum der Familie Kompetenzen erwerben. Ein eigenes Konto sei dafür empfehlenswert, um auch den Umgang mit bargeldlosen Zahlungsmöglichkeiten zu trainieren.
„Taschengeld ist mehr als nur ein kleiner Beitrag zum Alltag – es ist eine Investition in die finanzielle Bildung von Kindern und Jugendlichen. Wer früh lernt, eigenverantwortlich mit Geld umzugehen, entwickelt wichtige Kompetenzen für das Erwachsenenleben: Finanzielle Entscheidungen werden souveräner getroffen, Chancen bewusster erkannt und genutzt“,
so Karolin Schriever, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.
Darüber hinaus zeigt die Expertise, dass finanzielle Bildung nicht allein Aufgabe der Familie ist. Auch Schulen, Gleichaltrige, digitale Medien und erste Erwerbserfahrungen prägen das Finanzhandeln. Impulse aus der Schule oder von Institutionen sollten in der Familie aufgegriffen und mit Alltagserfahrungen verbunden werden.
Weitere Informationen
Quelle: Deutsches Jugendinstitut e.V. vom 17.09.2025
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