Studie
Wie junge Menschen im Nahen Osten und Nordafrika in die Zukunft blicken
Die aktuelle Jugendstudie im Nahen Osten und in Nordafrika eröffnet neue Einblicke in Lebenschancen, Selbstverständnis und Zukunftsperspektiven von 12.000 jungen Menschen zwischen 16 und 30 Jahren aus Ägypten, Algerien, Irak, Jemen, Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko, Palästina, Sudan, Syrien und Tunesien.
08.05.2024
In einer groß angelegten Studie hat die Friedrich-Ebert-Stiftung mehr als 12.000 junge Menschen aus mehreren Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas zu ihren Erwartungen an die Zukunft befragt. Die zwischen 16 und 30 Jahre alten Befragten geben Einblicke in ihr Selbstverständnis, ihre Erwartungen an Lebenschancen und Zukunftsperspektiven. Die Interviews wurden in den Jahren 2021/22 in Ägypten, Algerien, Irak, Jemen, Jordanien, Libanon, Libyen, Marokko, Palästina, Sudan, Syrien und Tunesien durchgeführt. In ihrem Umfang ist die Studie damit weltweit richtungsweisend. Sie knüpft an eine Vorgängerstudie von 2016/2017 an, ermöglicht also Vergleiche und zeigt Tendenzen auf.
Lebensrealitäten im Kontext multipler Krisen
Die Aufstände in arabischen Ländern 2010/11 hatten zunächst weltweit Hoffnungen auf eine Demokratisierung der Region geweckt. Es folgten diverse Rückschläge: autoritäre Gegenreaktionen, wirtschaftliche Krisen, die Auswirkungen der Klimakrise, die Corona-Pandemie und schließlich der russische Krieg gegen die Ukraine mit seinen Auswirkungen auf Nahrungsmittel- und Energiesicherheit. Die Studie untersucht, wie sich die Wahrnehmung der Lebensrealität von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Kontext all dieser Krisen gestaltet. Aus der Perspektive der jungen Generation werden sie um gleiche und angemessene Lebenschancen gebracht. Die Autor*innen argumentieren, dass das, „was ist“, und das, „was möglich wäre“, immer weiter auseinanderklafft. Entsprechend bezeichnen sie die jungen Menschen in der MENA-Region als „enteignete Generation“, bei der Enttäuschung und Ratlosigkeit vorherrschen.
Geringes Vertrauen in den Staat, großes gesellschaftliches Engagement
So sind die Befragten wenig an Politik interessiert und vertrauen den meisten staatlichen Institutionen kaum. Demokratische Regierungsformen haben deutlich an Attraktivität verloren. Die Bereitschaft, sich gesellschaftlich einzusetzen, ist hingegen groß. Die Mehrheit der Befragten (78 Prozent) gibt an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Der Einsatz für sozialen und politischen Wandel steht hingegen an letzter Stelle. Trotz tiefer Enttäuschung über wirtschaftliche Entwicklungen verfügen die Befragten über einen großen Optimismus. Während durchaus Forderungen an die Politik und an die älteren Generationen artikuliert werden, sind die jungen Menschen zugleich auch bereit, Dinge selbst anzupacken. Ein Beispiel ist die spontan organisierte Solidarität zu Beginn der Covid-19-Pandemie.
Methodik
Um eine Studie dieser Größenordnung und Komplexität zu ermöglichen, hat sich die Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) nach der Vorgängerstudie von 2016/17 erneut mit der Universität Leipzig, Wissenschaftler*innen in zahlreichen Ländern, dem Forschungsinstitut Kantar Public und mehreren Meinungsforschungsinstituten in der MENA-Region zusammengetan. Drei Monate lang führten im Herbst 2021 Hunderte von geschulten Personen einstündige Interviews mit über 12.000 Befragten durch. Im Sommer 2022 folgten die semistrukturierten qualitativen Interviews.
Weitere Informationen
- Zum Download der vollständigen Studie
- Zur Website der MENA-Jugendstudie
Quelle: Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) vom 28.04.2024
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