Vortrag
Vielfalt und Verantwortung: Berufliche Wege in die Kinder- und Jugendhilfe
In ihrem Vortrag „Berufswelt Kinder- und Jugendhilfe: Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten“ stellte Nadine Salihi im Rahmen des Forum Berufseinstieg auf dem 18. Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag (DJHT) die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten in der Kinder- und Jugendhilfe vor. Für das Portal der Kinder- und Jugendhilfe verschriftlichte sie ihren Input.
28.07.2025
Die Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe zählt zu den sinnstiftendsten Tätigkeiten im sozialen Bereich. Fachkräfte begleiten junge Menschen in entscheidenden Lebensphasen, unterstützen Familien in Krisen und wirken aktiv an einer gerechteren Gesellschaft mit. Vertrauen, Empathie und Wertschätzung stehen im Zentrum – ebenso wie die Möglichkeit, persönliche Werte wie Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit im beruflichen Alltag zu leben.
Kinder- und Jugendhilfe: Ein Berufsfeld voller Möglichkeiten
Das Berufsfeld ist geprägt von Vielfalt und Entwicklungsmöglichkeiten. Über 1,1 Millionen Menschen sind in Deutschland in der Kinder- und Jugendhilfe tätig, darunter rund 840.000 in Kindertageseinrichtungen. Die Einsatzbereiche reichen von der frühkindlichen Bildung über Hilfen zur Erziehung, offene Kinder- und Jugendarbeit, Schulsozialarbeit und Jugendhilfe im Strafverfahren bis zur Tätigkeit in Jugendämtern oder interdisziplinären Beratungsstellen.
Fachkräfte bringen ihre Persönlichkeit ein und gestalten pädagogische Prozesse individuell. Gerade dieser Gestaltungsspielraum sowie die Möglichkeit, junge Menschen langfristig zu begleiten, machen das Berufsfeld für viele attraktiv. Hinzu kommt ein breites Spektrum an Einstiegsmöglichkeiten: klassisch über die Fachschulausbildung zur/zum staatlich anerkannten Erzieher/in, praxisintegriert über vergütete duale Ausbildungsmodelle (z. B. PiA), über eine sozialpädagogische Grundausbildung (z. B. Sozialassistent*in) oder über ein Studium im Bereich Soziale Arbeit, Kindheitspädagogik oder Erziehungswissenschaft.
Trotz der vielfältigen Wege ist der Zugang zur Kinder- und Jugendhilfe durch föderale Unterschiede geprägt. Die Aus- und Anerkennungsregelungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Während in Sachsen etwa eine zweijährige Ausbildung als Sozialassistent/in übliche Grundlage ist, ermöglichen andere Bundesländer einen direkteren Einstieg. Auch berufsbegleitende oder verkürzte Modelle sowie Nachqualifizierungen für Quereinsteigerinnen sind mittlerweile verbreitet – allerdings stets im Rahmen des Fachkräftegebots (§ 72 SGB VIII), das weiterhin die persönliche Eignung und fachliche Qualifikation verlangt.
Fachkräftemangel: Herausforderung und Chance zugleich
Die Kinder- und Jugendhilfe ist nicht nur ein vielseitiges, sondern auch ein zukunftssicheres Berufsfeld. Der anhaltende Fachkräftemangel in allen Bereichen – von Kitas bis zur stationären Jugendhilfe – sorgt für eine kontinuierlich hohe Nachfrage. Der Ausbau von Ganztagsangeboten, verbesserte Betreuungsschlüssel und der wachsende Bedarf an psychosozialer Unterstützung erfordern zusätzliche Fachkräfte.
Diese Situation stellt das System vor große Herausforderungen: Qualität muss gesichert werden, obwohl nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht. Gleichzeitig eröffnet der Bedarf neue Chancen für den Berufseinstieg. Gesucht werden nicht nur gut ausgebildete Personen, sondern auch Menschen mit hoher persönlicher Eignung: Kommunikationsfähigkeit, Belastbarkeit, Teamorientierung, die Fähigkeit zur professionellen Nähe und Distanz sowie eine ausgeprägte Reflexionskompetenz sind zentrale Anforderungen.
Mehr als ein Job: Eine Aufgabe mit Haltung und Herz
Die Kinder- und Jugendhilfe ist mehr als ein Arbeitsplatz – sie ist ein Raum für Verantwortung, Gestaltung und Entwicklung. Sie fordert, aber sie erfüllt auch. Wer sich für diesen Beruf entscheidet, übernimmt gesellschaftliche Verantwortung – und kann tagtäglich etwas bewirken.
Ob mit pädagogischem Fachwissen, Lebenserfahrung oder akademischem Hintergrund – der Einstieg in dieses Berufsfeld ist auf vielfältige Weise möglich. In Zeiten wachsender gesellschaftlicher Herausforderungen braucht es Menschen, die zuhören, stärken, begleiten und Grenzen setzen können. Die Kinder- und Jugendhilfe bietet diesen Raum – heute und in Zukunft.
Text und Vortrag: Nadine Salihi
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