Fachzeitschrift TelevIZIon
Starke Männer verteidigen Frauen und ihre Rechte
Die Fachzeitschrift TelevIZIon des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen IZI beschäftigt sich mit Werten und Männerbildern und damit, wie es gelingt, tradierte Männlichkeitsnormen gezielt prosozial und prodemokratisch in Richtung eines positiven Männerbildes und einer Caring Masculinity zu erweitern. Es folgt das Editorial der aktuellen Ausgabe.
10.08.2026
Männer setzen sich durch, dominieren und gestalten die Welt nach ihren Vorstellungen. Dies sind Werte eines tradierten Männerbildes, dessen Folgen wir aktuell auf globaler Ebene u. a. in Form von machtpolitischen Eskalationen erleben. Auf individueller Ebene erschweren diese Werte ein partnerschaftliches Miteinander, befördern häusliche Gewalt und setzen Männer selbst unter enormen Druck. Was tun?
Werte prägen das Denken und Handeln von Menschen, sind Teil von Welt bildern und fungieren wie ein Kompass bei der Orientierung des Einzelnen. Entsprechend wäre die Wertevermittlung einer der effektivsten Hebel für eine nachhaltige, bessere Zukunft. Doch Werte lassen sich nicht so einfach »beibringen«. Menschen müssen sie für sich als relevant, nachvollziehbar und bereichernd ansehen und Wege finden, sie nachhaltig in ihr Handeln zu integrieren. Werteentwicklung ist dabei immer auch Ich-Entwicklung. Diese findet stufenweise statt, ohne dass Entwicklungsschritte überspring bar wären (Meyer). Es braucht daher kluge Einladungen und Narrative, um die Werteentwicklung von Kindern und Jugendlichen zu befördern (Baranowski).
Besonders herausfordernd wird dies bei Geschlechterbildern, die lange tradiert und in Medien und Alltag immer wieder neu reproduziert werden. Viele Jugendliche wünschen sich in fiktionalen Stoffen ein erweitertes Männer- und Väterbild (Uhls), und wertvolle Ansätze der Erweiterung der Geschlechterbilder sollten unbedingt weiterentwickelt werden.
Gleichzeitig gilt es, die derzeitige Realität zu sehen: 42 % der Jungen zwischen 13 und 18 Jahren haben ein zumindest in Teilen hierarchisches Geschlechterbild, in dem Männern mehr Rechte als Frauen zugesprochen werden. Je hierarchischer das Geschlechterbild, desto höher die LGBTQI+ Feindlichkeit, die Klimawandelskepsis und die politisch rechte Orientierung (Götz, Wenzel & Mendel). Bestärkt werden diese Vorstellungen in sozialen Medien u. a. durch Akteure der Manosphere. Hier hat sich ein florierendes Geschäftsmodell entwickelt: Selbsternannte Männercoaches erklären die »Natur der Frau« und verkünden, wie Frauen zu sehen, zu bewerten und zu behandeln sind. Es entsteht ein sich selbst aufrechterhaltendes System frauen- und beziehungsfeindlicher Deutungsmuster und Werte (Götz, Falkenburger & Tolic). Welche Möglichkeiten haben Medienschaffende, diesem Backlash gegen Gleichberechtigung etwas entgegenzusetzen? Gezielt gestaltete Beiträge können Räume für eine Erweiterung tradierter Männerbilder schaffen und sogar die Manosphere selbst »hacken« (Oppermann). Dabei gilt es, Jugendliche bei ihrem aktuellen Stand der Werte- und Ich-Entwicklung abzuholen und die plattformspezifischen Ästhetiken ernst zu nehmen, um tradierte Männlichkeitsnormen dann gezielt prosozial und prodemokratisch in Richtung eines positiven Männer bildes und einer Caring Masculinity (Scambor) zu erweitern.
Wie dies gelingen kann, welche Fallen lauern und wo es sich lohnt, unsere Wertvorstellungen in Geschlechterbildern grundsätzlich zu überdenken (Fleckinger), erfahren Sie in dieser Ausgabe der TelevIZIon.
Autorin: Dr. Maya Götz
Die Fachzeitschrift TELEVIZION kann kostenlos beim IZI bestellt werden.
Quelle: Internationales Zentralinstitut für Jugend- und Bildungsmedien (IZI)
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