Gemeinsame Erklärung
Social Media für Kinder: Schutz ja, Verbot nein
Ein Bündnis aus 12 Organisationen lehnt pauschale Social-Media-Verbote für Kinder ab und fordert stattdessen zeitgemäßen Jugendmedienschutz mit Schutz, Befähigung und Teilhabe. Medienkompetenz soll in Schulen und Elternhäusern gestärkt, altersgerechte Angebote ausgebaut und bestehende Regeln wie der Digital Services Act konsequent umgesetzt werden.
06.07.2026
Social Media gehört für Jugendliche und junge Erwachsene selbstverständlich zum Alltag. Für Kinder stellt sich aber die Frage, ab wann und unter welchen Bedingungen sie dort unterwegs sein sollten. Kurz bevor die vom Bundesfamilienministerium eingesetzte Expertenkommission an diesem Mittwoch ihre Handlungsempfehlungen zur Nutzung von Social Media durch Kinder und Jugendliche vorlegt, veröffentlicht die Initiative D21 initiiert vom Bitkom gemeinsam mit 11 weiteren hochrangigen Organisationen eine Erklärung zum Umgang von Kindern und Jugendlichen mit digitalen Räumen. Darin werden pauschale Verbote abgelehnt und gleichzeitig ein zeitgemäßer Jugendmedienschutz gefordert, der Schutz, Befähigung und Teilhabe zusammenbringt. Zu den Unterzeichnern zählen u. a. die Bundesschülerkonferenz, der Bundeselternrat, die Initiative D21, die Kindernothilfe oder der AWO Bundesverband.
Ergebnisse einer repräsentativen Befragung
Auch die Menschen in Deutschland sprechen sich nicht für ein pauschales Verbot aus, wohl aber für einen geschützten Einstieg. Im Durchschnitt halten sie eine Social-Media-Nutzung mit Einschränkungen ab 14 Jahren für angemessen, heißt also beispielsweise mit Jugendschutzfiltern, ohne sexualisierte Inhalte, ohne Gewaltinhalte, ohne Hass und Mobbing, ohne personalisierte Werbung oder mit reglementierten Kontaktfunktionen – und damit so, wie es im Digital Services Act der EU für Nutzerinnen und Nutzer unter 18 Jahren vorgesehen ist. Social-Media-Nutzung ohne jegliche Einschränkungen halten die Deutschen ab 16 Jahren für geboten. Zugleich wünschen sich insgesamt 87 Prozent der Nutzer*innen sozialer Medien mehr kindgerechte soziale Netzwerke, in denen Kinder sicher und altersangemessen online unterwegs sein können. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Befragung unter 985 Menschen in Deutschland ab 18 Jahren.
„Kinder und Jugendliche dürfen aus digitalen Räumen nicht pauschal ausgeschlossen werden. Social Media ist Teil ihrer Lebenswirklichkeit, dort finden Austausch, Orientierung, Unterhaltung und Teilhabe statt. Aber Kinder brauchen dort besonderen Schutz, altersgerechte Angebote und Erwachsene, die sie begleiten. Ohne Medienkompetenz kann es keinen wirksamen Jugendmedienschutz geben: Ein pauschales Verbot wäre daher der falsche Weg. Medienkompetenz entsteht nicht durch Ausschluss, sondern durch geschützte, begleitete Praxis. Entscheidend ist, dass Kinder schrittweise lernen, sich sicher und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen.“
Dr. Bernhard Rohleder, Bitkom-Hauptgeschäftsführer
Wie das gelingen kann, zeigen die zentralen Punkte der Erklärung:
- Kein pauschaler Ausschluss aus digitalen Räumen: Kinder und Jugendliche sollen durch Verbote von Social Media und anderen Online-Angeboten nicht generell ausgeschlossen werden.
- Mehr Medienkompetenz in Schule und Elternhaus: Digitale Kompetenzen müssen flächendeckend in Schulen vermittelt, Lehrkräfte besser qualifiziert und Eltern stärker unterstützt werden.
- Kindgerechte digitale Angebote stärken: Es müssen mehr sichere, altersgerechte Online-Räume und Social-Media-Angebote geschaffen werden, insbesondere für ältere Grundschulkinder vor dem Jugendalter.
- Bestehende Regeln durchsetzen: Der Digital Services Act und bestehende Jugendmedienschutz-Vorgaben müssen wirksam angewendet und kontrolliert werden.
- Plattformaufsicht stärken: Die zuständigen Stellen, insbesondere der Digital Services Coordinator bei der Bundesnetzagentur, die EU-Kommission und die Stelle zur Durchsetzung von Kinderrechten in digitalen Diensten, brauchen ausreichende Ressourcen.
- Mehr Trusted Flagger anerkennen: Illegale Inhalte müssen schneller gemeldet und bearbeitet werden können.
- Altersverifikation risikobasiert einsetzen: Maßnahmen wie Altersverifikation sollten verhältnismäßig bleiben und nur dort eingesetzt werden, wo nachweislich hohe Risiken bestehen.
Weiterführende Informationen
D21-Wissens-Hub zu Social-Media-Verboten für Kinder
Zur Erklärung
Quelle: Initiative D21 e. V vom 22.06.2026
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