Bericht von Save the Children

Jedes sechste Kind wächst in Konfliktregion auf

Jedes sechste Kind lebte 2021 in einer Konfliktregion, 230 Millionen Kinder sogar in einem besonders gefährlichen Gebiet. Das zeigt der aktuelle Bericht „Krieg gegen Kinder“ von Save the Children und dem Osloer Friedensforschungsinstitut PRIO.

16.12.2022

Insgesamt lebten 449 Millionen Mädchen und Jungen in Konfliktregionen. Weltweit war damit jedes sechste Kind betroffen, im Nahen Osten sogar jedes dritte. Jemen, Afghanistan und die Demokratische Republik Kongo waren die gefährlichsten Länder für Kinder. Seit 2014 sank zwar zum ersten Mal die Gesamtzahl von Kindern in Konfliktgebieten, doch gleichzeitig lebten 9 Prozent mehr als im Vorjahr in besonders gefährlichen Regionen.

„Millionen Kinder wachsen inmitten von bewaffneten Konflikten auf. Jeden Tag werden Mädchen und Jungen getötet, verletzt oder misshandelt. Diese Brutalität hat schreckliche körperliche und seelische Folgen für Kinder. Sie zahlen einen viel zu hohen Preis“, sagt Florian Westphal, Geschäftsführer von Save the Children. „Kein Verbrechen an Kindern darf ungestraft bleiben!“

Save the Children analysierte für den Report „Krieg gegen Kinder – Tödliches Vergessen“ zum siebten Mal gemeinsam mit PRIO die Situation von Kindern in Konfliktgebieten. Zusätzlich zur größten Datenerhebung dieser Art wurde die Medienberichterstattung im Jahr 2022 beleuchtet. Zum Beispiel erhielt der Jemen – das gefährlichste Land für Kinder – nur 2,3 Prozent der Aufmerksamkeit, die die Ukraine bekam. Insgesamt wurde über die Ukraine fünfmal häufiger berichtet als über alle zehn gefährlichsten Konflikte zusammen.

Florian Westphal fordert:

„Die Geber und private Spender:innen haben angesichts des schrecklichen Kriegs in der Ukraine zum Wohl der Menschen schnell gehandelt und ausreichend Mittel bereitgestellt. Das muss auch so weitergehen, aber die Millionen Kinder, deren Schicksale nicht die Schlagzeilen bestimmen, dürfen nicht vergessen werden. Die Weltgemeinschaft muss alle Kinder schützen.“

Die Hilfe in den zehn gefährlichsten Konfliktregionen ist in diesem Jahr deutlich unterfinanziert. Bis Anfang November 2022 war der Bedarf für humanitäre Hilfe in diesen Staaten nur zu 43 Prozent gedeckt. Für Syrien waren sogar nur 27,5 Prozent sichergestellt. Die Finanzierung der Ukraine-Hilfe (68,1 Prozent) ist aber ein Hoffnungszeichen auch für die „vergessenen“ Krisen, denn ist der politische Wille da, kann Hilfe schnell und effektiv zu den Kindern gelangen.

Save the Children ruft alle Regierungen auf, Kindern weltweit die nötige Aufmerksamkeit zu geben, damit sie Unterstützung und Hilfe bekommen.

Kernaussagen „Krieg gegen Kinder“

  • Die zehn gefährlichsten Länder 2021: Jemen, Afghanistan, Demokratische Republik Kongo, Somalia, Syrien, Mali, Zentralafrikanische Republik, Nigeria, Burkina Faso und Myanmar.
  • Die absolute Zahl der Kinder in Konflikten sank im Vergleich zum Vorjahr von 452 Millionen auf 449 Millionen.
  • Über die Hälfte der betroffenen Kinder – 230 Millionen – lebten in einem besonders gefährlichen Kriegsgebiet; das waren neun Prozent mehr als 2020. Als besonders gefährlich gelten Gegenden, in denen es mehr als 1000 Todesopfer durch Kampfhandlungen pro Jahr gibt.
  • In Afrika gab es 2021 die meisten von Konflikten betroffenen Kinder (180 Millionen), gefolgt von Asien (152 Millionen) und Amerika (64 Millionen), dem Nahen Osten (49 Millionen) und Europa (19 Millionen).
  • Im Nahen Osten war der Anteil der Kinder in Konfliktgebieten besonders hoch (jedes dritte Kind).
  • Der Bericht betrachtet die schwersten Verbrechen an Kindern: Entführungen, sexualisierte Gewalt, Rekrutierung als Kindersoldaten, die Verweigerung des Zugangs zu humanitärer Hilfe, Angriffe auf Schulen und Krankenhäuser sowie das Töten und Verstümmeln. Insgesamt 24.515 solcher schweren Verbrechen an Kindern wurden 2021 verzeichnet, das ist der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Jedoch werden derartige Vergehen häufig nicht gemeldet, nicht zuletzt, weil der Zugang in betroffene Gebiete schwierig bis unmöglich ist.

Im Jemen ist es für Kinder besonders gefährlich. Der neunjährige Zaid wurde beim Spielen im Freien durch einen Granatsplitter schwer verletzt, er verlor ein Bein. „Es ist schwierig, nur ein Bein zu haben“, berichtet er. „Ich bleibe zu Hause und spiele mit meinen Spielsachen. Vor meiner Verletzung bin ich mit meinen Freunden herumgerannt und habe Fußball gespielt.“

Quelle: Save the Children Deutschland e.V. vom 30.11.2022

Redaktion: Johanna Fock

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