Diskussionspapier der AGJ

Mehr als Lesen, Schreiben, Rechnen! Zwischen Bildungsverständnissen und Gemeinsamer Verantwortung von Kindertagesbetreuung und Schule

Die Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe – AGJ veröffentlicht ein Diskussionspapier für ein gemeinsames, erweitertes Bildungsverständnis von Schule und Kindertagesbetreuung, das auch die Stärken der Kindertagesbetreuung angemessen inkludiert und eine Kooperation beider Systeme unterstützt.

23.07.2026

Schule und Kindertagesbetreuung verfolgen unterschiedliche, aber komplementäre Bildungsverständnisse: Während Schule stärker auf Kompetenzvermittlung und Qualifikation ausgerichtet ist, orientiert sich die Kindertagesbetreuung mehr an ganzheitlicher Entwicklung, Wohlbefinden und dem Abbau von Benachteiligungen. Eine systematische Verbindung dieser Perspektiven gilt als zentrale Voraussetzung für mehr Bildungsgerechtigkeit – gelingt in der Praxis jedoch noch unzureichend.

Neben aktuellen Diskursen zu basalen Kompetenzen, Mindeststandards und Erwartungen an die „Schulfähigkeit“ von Kindern, ist ein Ausgangspunkt des vorliegenden Diskussionspapiers der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ der Befund, dass das Bildungsverständnis der Kinder- und Jugendhilfe auch innerhalb des eigenen Feldes kaum klar artikuliert ist. Auf dem Deutschen Kinder- und Jugendhilfetag 2025 stimmten lediglich 9 Prozent der Teilnehmenden einer Leitveranstaltung der Aussage zu, das Bildungsverständnis der Kinder- und Jugendhilfe sei ausreichend formuliert und bekannt. Diese Unklarheit erschwert sowohl die fachliche Orientierung als auch die Verständigung mit anderen Bildungsakteur*innen.

Mit diesem Papier sollen die notwendigen Diskussionen über Bildungsverständnisse in der Kindertagesbetreuung angeregt werden. Dies geschieht, indem zunächst das Bildungsverständnis der Kindertagesbetreuung anhand von vier Aufträgen analytisch konturiert wird – Wohlbefinden gewährleisten und Beziehungen gestalten, Selbstwirksamkeit stärken, Benachteiligungen abbauen sowie Partizipation und Teilhabe aller fördern. Im zweiten Teil werden strukturelle Handlungsbedarfe für eine bessere Zusammenarbeit von Schule und Kindertagesbetreuung benannt, darunter Rollenklärung zwischen den Professionen, gemeinsame Bildungsplanung, die strukturelle Integration des Ganztags sowie die Gestaltung von Übergängen und Elternpartizipation. Abschließend formuliert die AGJ Erwartungen an Fachpraxis, Träger und Politik, um die Kooperation beider Systeme strukturell abzusichern und ein erweitertes Bildungsverständnis zu verankern, das die Stärken und Ziele der Kindertagesbetreuung systematisch anerkennt und berücksichtigt.

Zum Diskussionspapier

Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Kinder- und Jugendhilfe – AGJ e.V. vom 22.07.2026

Redaktion: Zola Kappauf