Mädchenschutz

Mädchen müssen noch härter um ihre Zukunft kämpfen

Im Vorfeld des Internationalen Mädchentages veröffentlichte die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision einen „Girls’ Opportunity Index“ und einen Bericht zu Möglichkeiten für Mädchen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Während sich diese Möglichkeiten in manchen Ländern positiv entwickeln, werden sie in anderen Ländern auch durch aktuelle Krisen noch weiter eingeschränkt. Für rund 110 Millionen Mädchen müssen laut World Vision dringend Maßnahmen zum Schutz gegen eine drohende Zwangsheirat ergriffen werden.

24.10.2022

Der Bericht „Fighting for a Future“ analysiert die Chancen von Mädchen in 40 Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, einschließlich der 20 Länder mit den höchsten Raten an  Eheschließungen im Kindesalter. Er prognostiziert, dass in Ländern mit den niedrigsten Entwicklungschancen 52 % der Mädchen zu einer frühen Ehe gezwungen werden. Die Mehrzahl dieser Länder liegt in Afrika südlich der Sahara. An der Spitze des „Girls’ Opportunity Index” stehen Länder in Lateinamerika, aber auch Vietnam und Südafrika, aufgrund von Daten zu Gesundheit, Bildung, ökonomischen Möglichkeiten und politisch bzw. gesellschaftlich gewährten Rechten.

„Jedes Jahr werden ungefähr 12 Millionen Mädchen verheiratet, bevor sie das 18. Lebensjahr erreichen. Unsere vergleichende Studie  verdeutlicht einen starken Zusammenhang zwischen den wahrgenommenen Entwicklungsmöglichkeiten für Mädchen, ihrem Einfluss auf Entscheidungen über ihr Leben in ihrer Gesellschaft und ihrem Risiko, zwangsverheiratet zu werden“, sagt Dana Buzducea, Kinderrechtsexpertin von World Vision.

Um Diskriminierung und extreme Armut zu beenden, wie von der Weltgemeinschaft vereinbart, müssen Mädchen darin bestärkt werden, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und ihr Leben durch (Aus-)Bildung unabhängig aufbauen zu können. Dazu ist auch eine bewusstseinsfördernde Arbeit mit Familien, Gemeinden und Regierungen unverzichtbar – denn nur durch ein gesellschaftliches Umdenken kann Geschlechtergerechtigkeit nachhaltig erreicht werden.

Der Bericht offenbart große Unterschiede, auch zwischen direkten Nachbarländern. So liegt die Quote der Heirat Minderjähriger in Namibia bei 7 % und im benachbarten Mosambik bei 53 %. Darin zeigt sich laut World Vision auch großes Potential für positive Veränderungen.

„Wir haben insgesamt jedoch eine Verschlechterung der Situation seit der COVID-19-Pandemie gesehen – Untersuchungen zeigen jetzt, dass weitere 10 Millionen Mädchen bis 2035 gefährdet sind, früh verheiratet zu werden. Die Auswirkungen von Pandemie-Lockdowns und der aktuellen Wirtschafts- und Hungerkrise sind zu spüren“, so Buzducea.

Der Bericht stellt fest, dass hochwertige Bildung der wichtigste Einzelindikator für die Chancen eines Mädchens ist. Ein Kind, das in einem Land mit den niedrigsten Bildungschancen lebt, wird mit 60 % höherer Wahrscheinlichkeit zur Heirat gezwungen als ein Kind, das in einem Land mit den höchsten Bildungschancen lebt.

Der Bericht „Fighting for a Future“ steht auf der Website von World-Vision zur Verfügung.

Quelle: World Vision vom 06.10.2022

Redaktion: Laura Burger

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