Rückblick

Krieg und Vertreibung: Das Jahr 2025 für Kinder

2025 war für Millionen Kinder in Krisenregionen durch Kriege, Vertreibung und Armut geprägt. Die SOS-Kinderdörfer leisteten lebenswichtige Hilfe, boten Schutz und förderten Bildungschancen. Zudem unterstützte die Organisation Frauen und Mädchen durch Bildungs- und Schutzprojekte und half Kindern durch die Bereitstellung offizieller Dokumente, ihre Rechte zu wahren.

22.01.2026

Kriege, Vertreibung und Armut haben auch im Jahr 2025 Millionen Kinder in Krisenregionen in eine existenzielle Notlage gebracht. In dem Jahresrückblick zeigt die Organisation, wie die SOS-Kinderdörfer unter schwierigsten Bedingungen lebensrettende Hilfe geleistet, sichere Orte geschaffen und neue Zukunftsperspektiven eröffnet haben.

Das Jahr 2025 stand erneut im Zeichen wachsender globaler Unsicherheit. Millionen Kinder sind direkt von bewaffneten Konflikten betroffen – ein Zustand, der ihr Leben und ihre seelische Gesundheit nachhaltig schädigt. Besonders drastisch zeigte sich dies im Gazastreifen, in der vollständigen Zerstörung des SOS-Kinderdorfs Rafah.

Nach der Evakuierung im Jahr zuvor befinden sich viele Kinder und Mitarbeitende weiterhin in provisorischen Unterkünften. Mit unserer Nothilfe in Gaza haben wir bereits 53.000 Menschen erreicht, darunter mehr als 31.000 Kinder. Wir werden unsere bisherigen Maßnahmen weiter ausbauen, wenn es die Umstände erlauben. Zudem versorgen wir in Jordanien in einem Hilfsprojekt verletzte und schwerkranke Kinder aus Gaza nicht nur medizinisch, sondern auch sozial und psychologisch.

In der Demokratischen Republik Kongo zwang uns die Gewalt-Eskalation, das SOS-Kinderdorf Bukavu aufzugeben. Die betroffenen Kinder fanden Zuflucht in einem SOS-Kinderdorf im Nachbarland Ruanda. Fachkräfte begleiten Familien, leisten psychosoziale Hilfe und schaffen so, trotz widriger Umstände, kleine Inseln der Sicherheit.

Bildung und Zukunftsperspektiven

Krieg, Vertreibung und Armut nehmen Kindern den Zugang zu Bildung – mit schwerwiegenden Folgen für ihr weiteres Leben. In der Ukraine wächst die Bildungslücke mit jedem weiteren Jahr des Konflikts. Viele Kinder leiden inzwischen seit fünf Jahren unter massiven Einschränkungen, bedingt auch durch die Corona-Pandemie. In einem Keller in Chakiv haben die SOS-Kinderdörfer eine kleine Schule eingerichtet, in der zumindest ein Teil der Schulbildung aufrecht erhalten werden kann.

In Gaza begann das neue Schuljahr inmitten von Unsicherheit und Not. Mehr als 500 Kinder besuchen hier eine improvisierte Zeltschule der SOS-Kinderdörfer, die für viele weit mehr als nur ein Ort des Lernens ist – sie bietet Schutz, Routine und ein wenig Normalität.

Weltweit begleiten die SOS-Kinderdörfer Jugendliche auf dem Weg in Ausbildung und Beruf. Mit „Rise & Help“ unterstützt die Organisation junge Menschen dabei, ein Jahr lang für ihre Anliegen zu kämpfen – egal ob Bildung, Umweltschutz oder Armutsbekämpfung.

Frauen und ihre Kinder stärken

Ein wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Förderung von Mädchen und Frauen. In Kenia etwa ermöglicht der Nairobi-Community-iHub jungen Frauen Zugang zu digitalen Kompetenzen, vernetzt sie und verbessert so ihre Chancen am Arbeitsmarkt. In Jordanien wurde ein Frauenhaus eröffnet, das Frauen und ihren Kindern nach häuslicher Gewalt Schutz und Perspektiven bietet. Und in Burundi verbesserte eine ausgebaute Mutter-Kind-Station die medizinische prä- und postnatale Versorgung. In der Dominikanischen Republik geben wir allein erziehenden Müttern Raum, ihre Stärken zu entdecken und ihre Rechte durchzusetzen.

Identität und Kinderrechte

Ohne offizielle Dokumente bleiben viele Kinder unsichtbar – sie können nicht zur Schule gehen, erhalten keine Sozialleistungen, Gesundheitsversorgung oder Rechtsschutz. In Somaliland erhielten durch eine Initiative der SOS-Kinderdörfer 740 Kinder und Jugendliche erstmals Geburtsurkunden und Personalausweise – ein großer Schritt zur Wahrung von Kinderrechten und zur gesellschaftlichen Teilhabe. Der rechtliche Nachweis der Identität schützt die Kinder nicht zuletzt vor Kinderarbeit und Zwangsverheiratung.

Solidarität unter Druck

Die anhaltenden Krisen stellen auch Hilfsorganisationen vor neue Herausforderungen. Als in Somalia amerikanische Entwicklungsgelder wegfielen und die Grundversorgung akut bedroht war, haben wir sofort reagiert: SOS-Kinderdorf weltweit stockte dessen Etat aus eigenen Mitteln auf – damit Hilfe dort ankommt, wo sie überlebenswichtig ist. 

Quelle: SOS-Kinderdorf weltweit vom 16.12.2025

Redaktion: Celine Richter