Sozialpolitik

Kinder und Jugendliche in der Energiekrise stärken

Bund, Länder und Gemeinden müssen angesichts der aktuellen Energiekrise alles tun, damit Familien gut durch den Winter kommen und die Kluft zwischen den Kindern in Deutschland nicht größer wird. Dies fordern UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk vor dem Bund-Länder-Gipfel am Mittwoch zum geplanten Entlastungspaket.

28.09.2022

Gerade in der jetzigen krisenhaften Situation sollten Kinder und Jugendliche unterstützt und gestärkt werden, besonders, wenn sie in benachteiligten Familien aufwachsen. Ihre Interessen gehören in der aktuellen Debatte um finanzielle Prioritäten ganz oben auf die Agenda, so die beiden Kinderrechtsorganisationen. Dies ist aus der Sicht von Deutschem Kinderhilfswerk und UNICEF Deutschland unerlässlich für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft.

Kinder und Jugendliche sind von Krisen besonders getroffen

Bereits während der Corona-Pandemie fanden die spezifischen Interessen von Kindern, Jugendlichen und Familien wenig Berücksichtigung. Die negativen Auswirkungen dieser Zeit auf die Bildungschancen, die mentale und körperliche Gesundheit von Kindern sowie die wirtschaftliche Lage von Familien zeigen immer mehr Studien auf.

Georg Graf Waldersee, Vorsitzender von UNICEF Deutschland, sagt:

„Unter den derzeitigen wirtschaftlichen Problemen haben Kinder besonders zu leiden, vor allem diejenigen, die bereits vorher benachteiligt waren. Wenn Familien nicht wissen, wie sie über die Runden kommen sollen, hat das Auswirkungen auf die Bildung, Teilhabe und die körperliche sowie mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Bund, Länder und Kommunen müssen jetzt an einem Strang ziehen und Kinder und Familien sowohl akut als auch systematisch und nachhaltig stärken. Am Wohl der Kinder darf nicht gespart werden.“

Thomas Krüger, Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, erklärt:

„Die Einhaltung der Kinderrechte muss gerade in der aktuellen Ausnahmesituation höchste Priorität haben. Der Bund sollte gemeinsam mit Ländern und Kommunen an einem Schutzschirm für die Kinder- und Jugendhilfe arbeiten, damit dieser Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge vollumfänglich erhalten bleibt. Wie es in einer Notsituation gelingt, zum einen Ungleichheiten nicht weiter zu verstärken, und zum anderen sogar Maßnahmen zu ergreifen, um niemanden in dieser Krisensituation zurückzulassen, ist entscheidender Maßstab für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Die Fehler der Corona-Pandemie, in der insbesondere das Kinderrecht auf Beteiligung an zu vielen Stellen missachtet wurde, dürfen nicht wiederholt werden.“

Kinder- und Jugendhilfe darf nicht unter Preissteigerungen leiden

Die aktuellen Preissteigerungen werden schwerwiegende Folgen für viele Familien haben und zu einer Verschärfung der Kinderarmut in Deutschland führen. Auch die angespannte Haushaltslage vieler Kommunen könnte Auswirkungen auf das Wohl von Kindern und Jugendlichen haben. So befürchten die Organisationen, dass beispielsweise die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe in den Fokus möglicher Einsparungen genommen werden könnten. Es müsse sichergestellt werden, dass Angebote für Betreuung, Schule oder die offene Kinder- und Jugendarbeit sowie günstige Freizeit- und Mobilitätsangebote für Kinder und Jugendliche den Winter unbeschadet überstehen. In den Notfallplänen, die Länder und Kommunen für den Fall einer Unterversorgung mit Gas und Strom ausarbeiten, müssen Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen für Kinder und Jugendliche wie beispielsweise Kinderheime höchste Priorität haben.

UNICEF Deutschland und das Deutsche Kinderhilfswerk appellieren an die Bundesregierung sowie die Länder und Kommunen, dass bei allen im Zusammenhang mit der gegenwärtigen Krise erlassenen Gesetzen, Verordnungen und Maßnahmen das Kindeswohl vorrangig beachtet wird. Darüber hinaus sollten die Interessen und Bedürfnisse von Kindern, Jugendlichen und Familien bei der Ausarbeitung von Entlastungspaketen systematisch berücksichtigt werden. Auch bei den laufenden Haushaltsverhandlungen auf Bundesebene und in den kommunalen Haushalten müssen Kinder und Jugendliche gerade jetzt stärker Beachtung finden, so die beiden Organisationen.

Quelle: Deutsches Kinderhilfswerk e.V. vom 27.09.2022

Redaktion: Johanna Fock

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