Strukturreform der Kinder- und Jugendhilfe
Kabinett beschließt Gesetzesentwurf zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe
Das Kabinett verschiebt die inklusive Reform der Kinder- und Jugendhilfe und setzt stattdessen auf eine Experimentierklausel. Der DBJR kritisiert dies als Rückschritt, da strukturelle Hindernisse bestehen bleiben. Positiv sind Anpassungen bei Regelungen für unbegleitete Minderjährige. Der Verband fordert Korrekturen im parlamentarischen Verfahren.
31.08.2026
Mit dem Gesetzentwurf wird die gesetzliche Verankerung der Gesamtzuständigkeit der Kinder- und Jugendhilfe für alle jungen Menschen mit und ohne Behinderungen faktisch auf unbestimmte Zeit verschoben. Statt die bereits seit mehreren Legislaturperioden vorbereitete inklusive Lösung umzusetzen, sieht der Kabinettsentwurf lediglich eine Experimentierklausel vor, mit der einzelne Kommunen die Gesamtzuständigkeit erproben können.
Der vorausgegangene Referent*innenentwurf hatte noch die Zusammenführung der Zuständigkeiten für Leistungen der Eingliederungshilfe für junge Menschen mit und ohne Behinderungen unter dem Dach des SGB VIII vorgesehen. Mit dem nun beschlossenen Entwurf wird dieses Vorhaben nicht weiterverfolgt. Aus Sicht des DBJR ist dies ein erheblicher Rückschritt auf dem Weg zu einer inklusiven Kinder- und Jugendhilfe.
Jugendverbände und Jugendringe arbeiten seit vielen Jahren daran, ihre Angebote inklusiv weiterzuentwickeln. Dabei stoßen sie immer wieder auf strukturelle Hindernisse, unter anderem durch unterschiedliche Zuständigkeiten, bürokratische Hürden und unzureichende Unterstützungssysteme. Der Gesetzentwurf geht zulasten junger Menschen und ihrer Teilhabemöglichkeiten. Der DBJR fordert die Mitglieder des Deutschen Bundestages auf, im parlamentarischen Verfahren entsprechende Korrekturen vorzunehmen.
Positiv bewertet der DBJR hingegen, dass die Bundesregierung auf die breite Kritik an verschiedenen Regelungen für unbegleitete minderjährige Ausländer*innen (UMA) reagiert hat. Gegenüber dem Referent*innenntwurf wurde die problematische und teilweise diskriminierende Regelungen nicht weiter verfolgt. So ist unter anderem kein Bußgeldtatbestand gegenüber Minderjährigen mehr vorgesehen. Zudem soll klargestellt werden, dass medizinische Altersfeststellungen als erheblichen Eingriffe in die körperliche und psychische Unversehrtheit nur in begründeten Zweifelsfällen erfolgen können.
Der DBJR wird kritisch die weiteren Regelungen prüfen, die nach Angaben der Bundesregierung der Steigerung von Effektivität und Effizienz der Kinder- und Jugendhilfe sowie einer stärkeren kommunalen Steuerungsfähigkeit dienen sollen. Dies gilt insbesondere für Ansätze, die auf Grundlage des Eckpunktepapiers „Effizienter Ressourceneinsatz bei Leistungsgesetzen …“ entwickelt wurden und eine stärkere Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe auf infrastrukturelle Maßnahmen vorsehen.
Der DBJR wird die nun anstehende fachliche und parlamentarische Debatte kritisch und konstruktiv begleiten und sich weiterhin für die Rechte, Teilhabe und Chancengerechtigkeit aller jungen Menschen einsetzen.
©
Dieser Artikel wurde vom Deutschen Bundesjugendring am 17.08.2026 erstveröffentlicht. Wir danken für die freundliche Genehmigung der Übernahme.
Termine zum Thema
-
15.09.2026
Kinder- und Jugendhilfe in Zeiten von gesellschaftlicher Polarisierung, Demokratiefeindlichkeit und Rechtsruck
-
22.09.2026
Übergänge von Pflegekindern verstehen – Anforderungen an eine sozialpädagogische Gestaltung und Begleitung.
-
23.09.2026
Politische Bildung an der Schnittstelle von Rassismus und Behinderung
-
24.09.2026
Fachwerkstatt - Jüdisches Leben und Antisemitismus als Themen in der Jugendarbeit
-
24.09.2026
Bildungslandschaften als Gestaltungsaufgabe - Ganztag zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Materialien zum Thema
-
Webangebot / -portal
Autismus-Ratgeber.de – Informationen und praktische Hilfsmittel
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Material für die Öffentlichkeitsarbeit der Jugendämter: Verfahrenslotsen im Fokus
-
Zeitschrift / Periodikum
AFET-Fachzeitschrift Dialog Erziehungshilfe
-
Studie
Abbruchrisiken in der Kinderpflege- und Erzieher*innenausbildung. Studie zu institutionellen und individuellen Einflussfaktoren in NRW
-
Anleitung / Arbeitshilfe
Dossier 2/2026 »Jugendschutz in Leichter Sprache«
Projekte zum Thema
-
Trauerland - Zentrum für trauernde Kinder und Jugendliche e. V.
Trauerland-Pop-Up: Anlaufstelle für trauernde Jugendliche im Bremer Zentrum
-
Bundesforum Vormundschaft und Pflegschaft e. V.
ZukeV - Zukunft des Ehrenamts in Vormundschaft und Kinder- und Jugendhilfe
-
Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe – AGJ und Universität zu Köln
Digitale Kompetenzen in der Kinder- und Jugendhilfe
-
Landesjugendring Berlin e.V.
Zusammen SEIN – Inklusion in Berliner Jugendverbänden
-
Kinder - und Jugendhilferechtsverein e.V.
Landesjugendkonferenz Sachsen
Institutionen zum Thema
-
Sonstige
BERNI - Überregionale Ombudsstelle Kinder- und Jugendhilfe Niedersachsen
-
Fort-/Weiterbildungsanbieter
Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft gemeinnützige GmbH
-
Stiftung / Fördereinrichtung
GOLDKIND – Stiftung für Kinder aus dysfunktionalen Familien gGmbH
-
Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe
VielFalt gGmbH
-
Verband / Interessenvertretung
AWO Bundesverband e.V.