Bayern
Jugendarbeit gibt jungen Menschen mit Migrationsgeschichte eine Stimme
Der Bayerische Jugendring (BJR) betont zum Internationalen Tag gegen Rassismus die Bedeutung von Jugendarbeit für junge Menschen mit Migrationsgeschichte. Präsident Philipp Seitz hebt hervor, dass deren Erfahrungen und Perspektiven aktiv einbezogen werden müssen, um Diskriminierung zu bekämpfen: „Wir sprechen mit Migrant*innen – nicht nur über sie. Ihre Erfahrungen gehen uns alle an."
13.04.2026
Zum Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März unterstreicht der Bayerische Jugendring (BJR) die Bedeutung von Jugendarbeit, die auch junge Menschen mit Migrationsgeschichte erreicht und offen ist für deren Perspektiven, Wünsche und Erfahrungen. Das gilt umso mehr, wenn negative Erfahrungen von Vorurteilen und rassistischen Einstellungen des Gegenübers geprägt sind, so BJR-Präsident Philipp Seitz:
„Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe junger Menschen mit Migrationsbiografie ist seit vielen Jahren ein Herzensthema des Bayerischen Jugendrings. Jugendarbeit in Bayern stärkt junge Menschen mit Migrationshintergrund und engagiert sich für eine Gesellschaft, in der sie diskriminierungsfrei aufwachsen können.“
Bereits 2015 startete das BJR-Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“, um junge Geflüchtete in Bayern mit speziellen Angeboten und Integrationshilfen anzusprechen und zu fördern. Daraus entstanden das Aktionsprogramm „miteinand“ (2019-2021) und „ju&mi – Jugendarbeit in der Migrationsgesellschaft“ (2022-2024). Seit Januar 2025 koordiniert der BJR das Projekt „Gemeinsam STARK“, das vom Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wird und junge Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung als Ideengeber*innen und Akteur*innen einbezieht. Ziel ist eine Jugendarbeit, die die Bedürfnisse junger Migrant*innen noch besser berücksichtigt und sie befähigt, ihre eigenen Interessen zu vertreten.
„Gemeinsam STARK“ richtet sich an Fachkräfte und andere Engagierte der Jugendarbeit ebenso wie an Multiplikator*innen aus Vereinen junger Menschen mit Migrationsbiografie. Besonders im Fokus sind muslimisch gelesene junge Menschen und Betroffene von anti-Schwarzem Rassismus. BJR-Präsident Philipp Seitz: „Wir sprechen mit jungen Migrant*innen – nicht nur über sie. Von Rassismus gekennzeichnete Alltagserfahrungen gehen uns alle an, denn Diskriminierung führt häufig zum Rückzug der Betroffenen. So verlieren wir wichtige junge Stimmen, die eine demokratische Gesellschaft braucht.“
Im Rahmen des Projekts werden zudem „Jugend-Demokratie-Coaches“ ausgebildet. Teilnehmen können Menschen im Alter von 18 bis 27 Jahren, die über gute Deutschkenntnisse verfügen und selbst eine Migrationsgeschichte haben. In vier jeweils mehrtägigen Workshops geht es um Demokratiegestaltung und Beteiligungsmöglichkeiten, um Empowerment und um einen besseren Umgang mit diskriminierenden Erfahrungen. Die Teilnehmenden lernen praktisch, was Leben in einer demokratisch verfassten Gesellschaft bedeutet. Auch Besuche vor Ort, z.B. bei Stadtrats-Sitzungen, Jugendparlamenten, Migrationsbeiräten und Politiker*innen stehen auf dem Programm.
Die jungen Menschen mit Migrationsgeschichte setzen sich mit demokratischen Werten, Entscheidungsprozessen und Werkzeugen auseinander und schärfen ihr Bewusstsein, wie sie Rassismus begegnen können. Dazu gehört auch ein kritischer Blick auf die mediale Darstellung von migrantischen Gruppen: Welche Bilder entstehen in den Köpfen, wenn die Gesellschaft bestimmte Nachrichten konsumiert, Posts liest oder Serien schaut? Welchen Einfluss hat das auf sie selbst – und welche auf die deutsche Mehrheitsgesellschaft? Ein erster Jahrgang hat das Training zum „Jugend-Demokratie-Coach“ im Herbst 2025 absolviert. Eine neue Workshop-Reihe startet Anfang Juli in der Jugendbildungsstätte Unterfranken in Würzburg.
„Auch wenn man (noch) nicht an politischen Wahlen teilnehmen darf, gibt es viele Möglichkeiten, sich an der Gestaltung unseres Zusammenlebens zu beteiligen, Themen mitzubestimmen und Anliegen einzubringen. Zur Demokratie gehört das Mitmachen, ein konstruktiver Umgang mit Konflikten und die Fähigkeit, für eigene Interessen einzustehen. Die Jugendarbeit in Bayern lässt junge Betroffene von Rassismus nicht allein, sondern steht an ihrer Seite – für eine demokratische und offene Gesellschaft.“,
so Philipp Seitz.
Quelle: Bayerischer Jugendring vom 20.03.2026
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