SOS-Kinderdörfer
Immer mehr Mädchen und Frauen werden Opfer sexualisierter Gewalt in Kriegen
Sexuelle Gewalt wird in bewaffneten Konflikten zunehmend als strategisches Mittel eingesetzt. Besonders bei Mädchen und Frauen. Darauf wiesen die SOS-Kinderdörfer anlässlich des Internationalen Tags für die Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten am 19. Juni hin.
01.07.2025
Jedes sechste Kind ist in Konfliktgebieten dem Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt, größtenteils sind Mädchen betroffen. Mit der steigenden Zahl von Kriegen und Bürgerkriegen nimmt auch die Zahl dieser Verbrechen weiter zu. Mehr als 473 Millionen Kinder leben aktuell in Konfliktgebieten, jedes sechste ist von sexuellen Übergriffen bedroht – am häufigsten sind Mädchen betroffen. Boris Breyer, Pressesprecher der SOS-Kinderdörfer weltweit, sagt: „Kinder werden damit aufs Gemeinste ihrer Kindheit beraubt. Wir müssen alles daransetzen, Mädchen und Frauen besser zu schützen – und wir stehen in der Pflicht, den Betroffenen zu helfen und sie zu entschädigen.“
Generationenübergreifende Folgen für die Opfer
Sexuelle Gewalt wird gezielt eingesetzt, um die sozialen Strukturen von Gemeinschaften zu zerstören. Die körperlichen und seelischen Folgen für die Betroffenen sind verheerend und können sich über Generationen hinweg auf ganze Gesellschaften auswirken. Laut einem UN-Bericht waren 2023 bei 1.186 dokumentierten Fällen von sexueller Gewalt in Post-Konfliktsituationen Kinder betroffen – davon waren 98 Prozent Mädchen. Auf jeden gemeldeten Fall kommen schätzungsweise 100 nicht gemeldete Taten.
Brennpunkte sexueller Gewalt weltweit
In der Demokratischen Republik Kongo werden weltweit die meisten Fälle konfliktbezogener sexueller Übergriffe registriert. Seit Jahren liefern sich die kongolesische Armee und die Rebellenmiliz M23 erbitterte Kämpfe. Schätzungen zufolge wurden durch den Konflikt zwischen 200.000 und einer Million Mädchen und Frauen vergewaltigt. Seit Anfang 2025 steigen die Übergriffe auf die Zivilbevölkerung erneut dramatisch an.
Auch in Haiti eskaliert die Lage: Die extreme Gewalt rivalisierender Banden ist direkte Folge der politischen Instabilität und des Zusammenbruchs staatlicher Strukturen. Sexuelle Gewalt wird dort systematisch als Terrormittel eingesetzt. Im Jahr 2024 wurden über 4.000 Fälle von sexualisierter Gewalt gegen Mädchen und Frauen gemeldet, viele davon Massenvergewaltigungen. Laut UN sind die Übergriffe auf Kinder innerhalb eines Jahres um 1.000 Prozent gestiegen.
Im Sudan liefern sich seit über zwei Jahren die sudanesische Armee und die paramilitärische Gruppe RSF schwere Kämpfe. Für das Jahr 2023 wird von rund 60.000 Fällen konfliktbezogener sexueller Gewalt ausgegangen. Allein im ersten Quartal 2025 haben die Menschenrechtsverletzungen gegen Kinder – insbesondere in der Region Darfur – nochmals massiv zugenommen. Dazu zählen sexuelle Sklaverei, Vergewaltigungen und Gruppenvergewaltigungen.
So helfen die SOS-Kinderdörfer
In den Einrichtungen der SOS-Kinderdörfer erhalten Kinder und Frauen, die von sexueller Gewalt betroffen sind, medizinische und psychosoziale Unterstützung. Gerade Müttern, die nach einer Vergewaltigung ein Kind zur Welt bringen, fällt es oft schwer, eine Bindung zum Kind aufzubauen. In den SOS-Kinderdörfern finden diese Kinder ein neues, sicheres Zuhause. Zudem leisten die SOS-Kinderdörfer Aufklärungsarbeit und setzen in den Gemeinden gezielte Präventionsmaßnahmen um.
Quelle: SOS-Kinderdörfer weltweit vom 17.06.2025
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